Corona-Epidemie

«Im Garten hat das Virus keine Chance» – Basler Kantonsarzt Thomas Steffen beantwortet Leserfragen

«Jetzt das Konzept umstellen geht nicht.» Kantonsarzt Thomas Steffen.

«Jetzt das Konzept umstellen geht nicht.» Kantonsarzt Thomas Steffen.

Was darf man noch und worauf sollten wir verzichten? Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen steht wegen der Corona-Krise seit Wochen fast rund um die Uhr im Einsatz. Heute beantwortet er drängende Fragen der Leserinnen und Leser.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen steht wegen der Corona-Krise seit Wochen fast rund um die Uhr im Einsatz. Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» analysierte er die Situation in Basel, gab sich dabei aber zuversichtlich, dass wir «auch hohe Hürden meistern werden». Dafür müssten nun alle konzentriert an einem Strang ziehen.

Darf ich weiterhin in den Garten gehen, um die aktuell notwendigen Gartenarbeiten zu erledigen und die Fische im Teich zu füttern?

Ja unbedingt, auch wegen der Fische. Es hilft, folgenden Blickwinkel einzustellen: Helfe ich mit meinem Verhalten, dass sich das Virus weiterverbreitet? Im Garten hat das Virus keine Chance. Man kann niemanden anstecken und gleichzeitig tut die frische Luft gut.

Wie lange dauert es, bis man nach der Infektion mit dem Virus ansteckend und so zur Gefahr für andere wird, bevor man Symptome bemerkt?

Das kann durchaus vier bis fünf Tage dauern. Ohnehin helfen Symptome bei der Beurteilung wenig: Viele Menschen haben kaum Symptome oder sogar gar keine. Dennoch können sie Träger des Virus sein und Menschen anstecken.

Ich habe Symptome einer leichten Erkältung, die ich im Normalfall als Bagatelle abtun würde (morgens verstopfte Nase, ab und zu Niesen, trockene Lippen, Kloss im Hals). Ich bin 62-jährig und arbeite noch, kann aber schlecht Home-­Office machen. Soll ich mich nun testen lassen?

Klar nein. Ein Test weniger, den man bei Schwerkranken besser brauchen kann. Aber Sie sollten zu Hause bleiben.

Was ist mit Leuten, die an Bluthochdruck leiden? Gehöre ich damit zur Risikogruppe?

Bluthochdruck ist ein schwieriges Thema bei der Risikodefinition. Jede vierte Person in der Schweiz leidet unter Bluthochdruck. Doch gemeint sind schwere Herzprobleme, die medikamentös behandelt werden. Diese Definition hat durchaus Unschärfen, deshalb ist im Einzelfall eine Absprache mit dem Hausarzt nötig.

Wie lange kann das Virus auf einer Oberfläche wie Papier oder in einem Raum bleiben und damit Leute anstecken?

Man weiss, dass das Virus auf Materialien überleben kann, aber es sind kaum Fälle bekannt, die zu einer Ansteckung geführt haben. Das Virus braucht Tröpfchen, auf Material ist es völlig am falschen Ort. Es trocknet ein oder ein UV-Strahl trifft es und es stirbt. Die normalen Hygienemassnahmen sind völlig ausreichend. Entscheidend in einem Raum ist der Verdünnungsfaktor. Je weiter entfernt von jemandem, desto mehr verdünnt sich das Virus. Die Vorstellung, dass das Virus durch die Luft schwebt, stimmt so nicht. In einer Waschküche etwa gibt es keine Bedenken.

Warum isoliert man nicht einfach die gefährdeten Menschen?

Dieses Konzept diskutiert derzeit Grossbritannien und ist eine völlig andere Herangehensweise. In der Schweiz versucht man die Bevölkerung zu schützen, indem man die Ansteckungen minimiert. Es ist das verbreitetste Konzept weltweit im Kampf gegen Pandemien. Ob es richtig ist, wird die Fachdiskussion nach Abklingen der Pandemie zeigen. Aber eines ist sicher: Jetzt umstellen geht nicht. (bz)

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