Die Elektro- und Maschinenbranche der Region Basel klagt über einen Mangel an einheimischen Fachkräften: «Wenn wir bei uns mal einen Schweizer Ingenieur einstellen, organisiert die Belegschaft ein Fest», veranschaulicht Urs Endress, Mitinhaber des weltweit tätigen Familienunternehmens Endress+Hauser mit Sitz in Reinach.

Er betont, dass ihm die deutschen, französischen und englischen Fachkräfte lieb und teuer seien. Für die Innovationskraft eines Unternehmens sei indes der Mix von Alter und Nationalität entscheidend. «Und wir finden definitiv nicht genügend Schweizer», fügt Endress an.

Eltern drängen Kinder zur Matur

Der Mangel zeigt sich bei Endress+Hauser schon bei der Berufslehre: «Schreiben wir eine Mechatroniker-Lehrstelle aus, kriegen wir zwei bis drei Bewerbungen; bei einer kaufmännischen Lehrstelle sind es 30 bis 40.» Er sieht bei den Technikberufen Imageprobleme: Viele hätten das Bild des Arbeiters im blauen Übergewand und mit ölverschmierten Händen vor Augen, obwohl dieses schon lange nicht mehr der Realität entspreche.

«Der grösste Feind der Berufslehre sind die Eltern, die ihre Kinder pushen, einen Maturitätsabschluss anzustreben.» Um die grossen Herausforderungen unserer Zeit wie etwa den Klimawandel zu meistern, seien aber Ingenieure nötig, findet Endress. Das Jugendelektronik- und Technik-Zentrum Regio Basel ist für ihn ein wichtiges Instrument, das Junge an die Technik-Berufe heranführt.

Auf Hochschulebene sieht Endress zudem ein spezifisches Basler Problem: Seit die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sämtliche Technik-Studiengänge (ausser der Mechatronik) am Standort Windisch zentralisiert hat, ist das Interesse der Studierenden aus der Region Basel zurückgegangen.

Studiengänge in Muttenz

So hat deren Anteil an den Bachelor-Studierenden der Hochschule für Technik von 19 Prozent im Jahr 2006 auf 14 Prozent 2011 abgenommen. Letztes Jahr waren noch 159 Bachelor-Studierende aus beiden Basel eingeschrieben, 192 waren es fünf Jahre zuvor.

Sowohl die FHNW als auch Endress begründen diese Abnahme mit dem Mobilitätsverhalten der Studierenden. «Man könnte meinen, für einen 21-jährigen Basler wäre es ein Klacks, nach Windisch in die Schule zu fahren – doch das stimmt offensichtlich nicht», sagt Endress. Seine Idee: Die FHNW sollte zumindest das Grundstudium der Technik-Studiengänge wieder in Muttenz anbieten.

Bei der FHNW weiss man von der Idee des Baselbieter Unternehmers. Bis jetzt seien vonseiten der Hochschule aber keine konkreten Schritte im Hinblick auf ein Studienangebot in Muttenz unternommen worden, sagt Jürg Christener, Direktor der Fachhochschule für Technik in Windisch.

Eine Veränderung der Standortentscheide benötige eine politische Diskussion. «Diese ist bisher nicht angestossen worden», fügt Christener an. Er gibt zu bedenken, dass von der FHNW Sparanstrengungen gefordert werden. Es sei unklar, ob bei einer Abwägung von Kosten und Nutzen eines neuen Angebots in Muttenz die Bilanz positiv ausfalle.

Flugzug soll in Muttenz halten

Um die Attraktivität Windischs für Studierende aus dem Raum Basel zu verbessern, bringt Christener einen kecken Vorschlag ins Spiel: «Es wäre super, wenn sich Exponenten aus der Region Basel dafür einsetzen würden, dass der Flugzug zwischen Basel und Zürich-Flughafen in Muttenz halten würde.»

Gemeinsam mit der Handelskammer beider Basel will die FHNW zudem die Information über die Angebote der Hochschule für Technik verbessern – etwa an der Muba.

Die Idee von Urs Endress für eine partielle Ansiedlung von Technik-Studiengängen in Muttenz hält Peter Jeger, Leiter Bildung und Soziales bei der Handelskammer, ebenfalls für keine gute Idee: Dies könnte umgekehrt bedeuten, dass man im Aargau oder in Solothurn die Aufsplitterung der im Raum Basel ansässigen FHNW-Bereiche Life Sciences oder Architektur fordert. «Wir möchten die vor Jahren getroffenen Fusionsentscheide aber nicht wieder rückgängig machen», bekräftigt Jeger.