Impf-Chaos
Deutliche Entspannung erst Ende April: In der zweiten März-Hälfte erwartet der Kanton Basel-Stadt eine grössere Lieferung an Impfstoffen

Bis Ende März sollen auch in Basel-Stadt die Erst- und Zweitimpfungen in Pflegeheimen abgeschlossen sein. Ab sofort wird hier - wie auch im Kanton Baselland - eine Warteliste und keine Anmeldeplattform mehr geführt.

Rahel Koerfgen
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Geduld ist gefragt: Derzeit finden im Impfzentrum Basel-Stadt bei der Messe nur sehr wenige Erstimpfungen statt. Im Frühling sollte sich die Lage entspannen.

Geduld ist gefragt: Derzeit finden im Impfzentrum Basel-Stadt bei der Messe nur sehr wenige Erstimpfungen statt. Im Frühling sollte sich die Lage entspannen.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die schlechten Nachrichten zuerst: Die Situation an der regionalen Impffront wird sich so schnell nicht entspannen. Sowohl der Kanton Basel-Stadt als auch Baselland sind von den Lieferverzögerungen der Impfstoffhersteller betroffen. Derzeit tröpfeln immer noch in einem Rhythmus von ein bis zwei Wochen nur kleinere Lieferungen ein.

Da der Kanton Basel-Stadt zu Beginn bei Erstimpfungen enorm aufs Tempo gedrückt hat, verbraucht er nun die neuen Dosen in erster Linie für die zweite Runde. Diese Impfungen seien in jedem Fall sichergestellt, keine Erstimpfung würde verfallen, beruhigt Esther Ammann, Kantonsapothekerin und Leiterin des kantonalen Impfprojektes.

«Dafür können wir nur an einzelnen Tagen und nur sehr punktuell neue Erstimpfungen anbieten.»

So zum Beispiel kommenden Mittwoch. 1000 werden es an der Zahl sein. Wer nun aber hofft, sich morgen auf der Website des Coronaimpfzentrums dafür anmelden zu können, wird enttäuscht: Geimpft werden dann «Personen 75 Jahre und älter», die vom Kanton bereits per Infoschreiben kontaktiert wurden.

Ab sofort führt auch der Stadtkanton eine Warteliste, wie es die Mehrheit der Schweizer Kantone bereits praktiziert. Wie das Basler Gesundheitsdepartement (GD) am Donnerstag mitteilte, sattle man aus primär organisatorischen Gründen auf das IT-System des Bundes um. Ab Freitag um 9 Uhr können sich derzeit impfberechtigte Personen im Impfzentrum in der Messe anmelden – sprich: sich auf diese Warteliste eintragen lassen.

Nur wenige Erstimpfungen im März

Allerdings: Aufgrund aktueller Lieferschwierigkeiten der Impfstoffhersteller werde es noch einige Zeit dauern, bis die Personen auf der Warteliste einen Impftermin erhalten, schreibt das Gesundheitsdepartement weiter. Man rechne aktuell damit, dass diese Personen nicht vor April geimpft werden können. Im März, so prognostiziert Ammann gegenüber der bz, könnten nur an einzelnen Tagen Erstimpfungen angeboten werden können.

Personen in Alters- und Pflegeheimen, die noch nicht geimpft sind, kommen derweil nicht auf die Warteliste. Sie werden nach Angaben des Gesundheitsdepartements nach wie vor mit mobilen Equipen im jeweiligen Pflegeheim geimpft. Dazu Kantonsapothekerin Ammann:

«Unser Ziel ist es, dass in Pflegeheimen die Erst- und Zweitimpfungen bis Ende März abgeschlossen sind.»

Zum Vergleich: Die impfwilligen Bewohner in Baselbieter Altersheimen sind bereits alle durchgeimpft (die bz berichtete). Entsprechend können hier nächste Woche auch mehr Impftermine als in Basel-Stadt vergeben werden. Laut Rolf Wirz, Sprecher des kantonalen Krisenstabs, werden etwas über 2000 vergeben.

Und nun die gute Nachricht, die hoffen lässt: Voraussichtlich in der zweiten März-Hälfte sollte laut Ammann eine grössere Menge an Impfstoff eintreffen. «März und April wird nach unserer Einschätzung besser als der Monat Februar. Deutlich wird sich die Lage aber erst ab Ende April entspannen.» Konkrete Angaben dazu, ab wann wer geimpft werden kann, etwa Risikopatienten wie gut eingestellte Diabetiker, dazu kann Ammann keine Angaben machen, «leider», wie sie sagt, da die Liefersituation der Impfstoffe unklar bleibe.

15'000 Personen mit Vorerkrankungen in Basel-Stadt

«Wir haben Verständnis, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen gerne mehr Angaben zum Zeithorizont hätten. Einen Zeitplan können wir jedoch nicht erstellen, da uns konkrete Angaben des Bundes fehlen. So kennen wir etwa die Impfstofflieferungen für den Monat April noch nicht.» Man setze sich aber beim Bund dafür ein, dass die Bevölkerung – «und auch wir» – mehr Planungssicherheit erhalten würden, sagt Ammann.

Mit Stand Mittwoch, 17. Februar 2021, wurden in Basel-Stadt rund 19'900 Impfdosen verabreicht. Alleine in diesem Kanton geht der Bund von bis zu 15'000 Personen mit Vorerkrankungen aus – der grösste Teil von ihnen wurde noch nicht geimpft. Ärzte von Risikopatienten gehen bezüglich Zeitpunkt von Frühsommer aus; derzeit werden nur Hochrisikopatienten geimpft, und das auch nur sehr zögerlich.

Es dürfte also noch eine ganze Weile dauern, bis Personen ohne Vorerkrankungen geimpft werden können. Dass bis im Sommer alle impfbereiten Schweizer ihre Dosis bekommen haben, wie der Bund noch Ende vergangenes Jahr frohlockte, ist mehr als unrealistisch.