«Auch die Regierung erkennt dringenden Handlungsbedarf - aber es passiert trotzdem noch nicht viel», ärgert sich die Ettinger CVP-Landrätin Christine Gorrengourt. Seit Jahren wird über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Augusta Raurica debattiert. Eine Lösung aber verzögert sich weiter. Dabei sind die Verhältnisse prekär: Decken drohen einzustürzen und müssen provisorisch abgestützt werden.

60 Arbeitsplätze sind auf sieben Standorte verteilt, zum Teil teure Einmietungen, zum Teil in engen Containern. Heizungen und Tageslicht fehlen ebenso wie getrennte WC. Regen dringt durchs Dach. Nicht besser sieht es in den Lagern aus. Die rund 1,6 Millionen Fundstücke werden an verschiedenen Standorten aufbewahrt. Eine fachgerechte Lagerung ist nicht überall möglich. Etliche Funde könnten für immer verloren gehen.

Es muss etwas passieren

Tatsächlich sind sich in einem Punkt alle einig: In Augusta Raurica muss etwas passieren. Dringend. Schon 1998 ortete der Kanton «akute Mängel». Passiert ist nichts. Letzten Mai reichte Gorrengourt eine Motion ein, die rasch Massnahmen fordert. Und sogar die Regierung selber betont in ihrem Amtsbericht 2010 die Dringlichkeit. Und es existiert auch bereits eine fixfertige Vorlage für ein Sammlungszentrum mit Depots und Arbeitsplätzen. Geschätzte Kosten: 34 Millionen Franken.

Doch nun kommt das grosse «Aber»: ABER aus Kostengründen hat die Regierung das Projekt bis mindestens 2016 zurückgestellt. Damit dürften Übergangslösungen nötig werden. Über deren Stand aber scheint man sich zwischen der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) und der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) nicht so ganz im Klaren zu sein. So seien die von der BUD angekündigten «günstigen Sofortmassnahmen» im Jahr 2010 noch nicht ergriffen worden, schreibt die BKSD im regierungsrätlichen Amtsbericht 2010. Denn für Provisorien seien die Massnahmen «ausserordentlich teuer». Gleichzeitig aber kündigt die BKSD an, dass im Investitionsprogramm ein Rückkommensantrag vorbereitet werde.

«Für 2010 keine Massnahmen geplant»

Kantonsarchitektin Marie-Theres Caratsch widerspricht: «Für das Jahr 2010 waren gar keine Massnahmen für Übergangslösungen geplant.» Im ersten Moment ist ihr auch nicht klar, was die BKSD im Amtsbericht 2010 anspricht. Und von einem Rückkommensantrag hat sie nie Konkretes gehört. Sie verweist für weitere Angaben an die zuständige Kulturdirektion. Doch auch dort sind keine weiteren Informationen zu erhalten. Es wird einzig zurück ans bei den konkreten Massnahmen federführende Hochbauamt verwiesen.

Dort geht man davon aus, dass sich die Äusserungen der BKSD auf die möglichen Übergangslösungen beziehen. «Wir wollen nun möglichst rasch Verbesserungen herbeiführen», versichert Kantonsarchitektin Caratsch. Mittlerweile sei mit der Römerstadt die Suche nach Übergangslösungen gestartet worden. Erst würden mögliche Lösungsstrategien entwickelt. Entscheide sollen im April vorliegen. Auch Karin Kob von der Römerstadt sagt einzig, «dass wir über Sofortmassnahmen noch nichts Genaues wissen». Damit die Römerstadt ihren Auftrag erfüllen könne, müsse sie aber auch über die nötige Infrastruktur verfügen. «Eine Aufgabe ist ja der fachgerechte Erhalt der Fundstücke», merkt Kob an. «Und der ist heute vielfach nicht gewährleistet.»

Auch Übergangslösungen kosten Geld

«Es kann aber davon ausgegangen werden, dass räumliche Übergangslösungen auch etwas kosten würden und allenfalls sogar durch den Landrat zu genehmigen wären», sagt Caratsch. «Denn mit ein paar Pinselstrichen wird es nicht getan sein.» Konkret sei einzig, dass über eine weitere Einmietung zumindest für die Fundstücke eine Entlastung erreicht werden soll. Auch diese sei aber noch nicht definitiv genehmigt. Kommentar aus Augusta Raurica: «Wir warten weiter», sagt Kob. «Das Thema wird beim Kanton seit gut zwölf Jahren immer wieder diskutiert. Wir sind allmählich etwas geduldiger geworden, um nicht von Resignation zu sprechen.»

Noch also sind vor allem viele Fragen offen. Bereits für die kommende Landratssitzung aber traktandiert ist Gorrengourts Motion, die rasche Massnahmen fordert. Die Regierung will sie entgegennehmen und gleichzeitig als erledigt abschreiben. Begründung: Sofortmassnahmen seien ja in Planung. Doch damit will sich CVP-Landrätin Gorrengourt nicht abspeisen lassen. «Ohne konkrete Angaben kann der Landrat doch keinen Entscheid fällen», sagt sie.

So wisse das Parlament weder was eine definitive Lösung kosten würde noch wie Sofortmassnahmen aussehen sollen und mit welchen Kosten dafür zu rechnen wäre. «Die Regierung erklärt einzig, man werde in naher Zukunft schon irgendetwas machen», sagt Gorrengourt. Mit ihren vagen Aussagen versuche die Regierung offensichtlich, alle Seiten etwas zu beschwichtigen. «Aber das reicht ganz einfach nicht. Damit kann man nichts anfangen.»