Landschaftspark
In kleinen Schritten zum grossen Park: Der Parc des Carrières nimmt langsam Formen an.

Obwohl die Finanzierung noch offen ist, sollen erste Wege im Parc des Carrières bereits gebaut werden.

Annika Bangerter
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Auch die Industriezone von Allschwil soll einen Zugang zum Naherholungsgebiet des Parc des Carrières erhalten.

Auch die Industriezone von Allschwil soll einen Zugang zum Naherholungsgebiet des Parc des Carrières erhalten.

Am ersten Samstag des Oktobers wird sich Stadtentwickler Andreas Courvoisier auf sein Velo schwingen. Er radelt dann durch die Landschaftsbrache zwischen Allschwil, Basel, Hegenheim und Saint-Louis. Durch jenen Fleck, der ausser von ein paar Traktoren und Lastwagen kaum je Besuch erhält.

Doch das soll sich ändern. Dafür weibelt Courvoisier schon seit mehreren Jahren. Er war es, der die Idee des Parc des Carrières lanciert hatte: Eines Landschaftsparks, der als neues Naherholungsgebiet wie ein Phönix aus den Kiesgruben auferstehen soll.

Diese bestimmen neben landwirtschaftlichen Ackerflächen gegenwärtig das Gebiet. Anklang fand die Vision eines grenzüberschreitenden Naherholungsgebiets bei der Internationalen Bauausstellung (IBA). Sie übernahm die Federführung des Projekts.

Deshalb radelt nicht nur Courvoisier am 1. Oktober zu dem Areal. Während er sich in Allschwil in den Sattel setzt, tritt gleichzeitig IBA-Projektleiter Guirec Gicquel in Saint-Louis in die Pedale. Beide sollen einen Tross von Interessierten anführen, sie in die heutige Brache, den künftigen Park lotsen. In der Mitte des Areals treffen sie sich, erläutern die Pläne.

Denn erste Schritte sind fürs 2017 angekündigt. Courvoisier, der nach wie vor Teil der Projektentwicklung ist, sagt: «Als Erstes wird ein Wegnetz geschaffen. Es braucht die Zugänglichkeit und Vernetzung von allen Seiten.» Anschliessend soll eine Pilotparzelle renaturiert und mit einem zentralen Spiel- und Rastplatz ausgestattet werden.

Kostenpunkt: 1,6 Millionen Euro

Bereits vor drei Jahren wurden Entwicklungsszenarien gezeichnet, jetzt liegen ein Vorprojekt und eine Gewässerstudie vor. Diese schaffen erstmals auch einen Überblick der Kosten. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Kernzone des Parkes um die 1,6 Millionen Euro kostet. Die Planung des Gebietes läuft bis 2025.

Weil die Umsetzung schrittweise erfolge, könne das Geld nach und nach zur Verfügung gestellt werden, sagt IBA-Projektleiter Gicquel.

Wie die Basler Regierung in der Antwort auf einen Anzug von Kerstin Wenk (SP) schreibt, entfällt knapp die Hälfte der Finanzierung auf die Mitglieder der Interessensgemeinschaft Parc des Carrières. Der Kostenteiler ist noch nicht definiert. Die Höhe der Beiträge hänge auch von den Möglichkeiten der Mitglieder ab, sagt Gicquel.

Dazu gehören der Kanton Basel-Stadt, Saint-Louis, Hégenheim, Allschwil, der französische Gemeindeverband Communauté d’Agglomération des Trois Frontières, die IBA Basel und die Landbesitzer wie das Bürgerspital Basel und der Kibag AG. Sie alle unterschrieben im Frühling 2015 eine Absichtserklärung.

Wie Gicquel sagt, stellt das Bürgerspital das Land für mindestens dreissig Jahre zur Verfügung. Mit der Kiesabbaufirma Kibag dauern die Verhandlungen hingegen an. Zu welchen Bedingungen das Unternehmen bereit ist, Land abzutreten, sei Gegenstand der Diskussionen, heisst es auf Anfrage.

Weitere Details wollte die Kibag nicht bekannt geben. Ob es eine Lösung mit dem wirtschaftlich geführten Unternehmen gibt, dürfte für dessen Realisierung entscheidend sein. Ebenso die Finanzierung.

Denn wie Courvoisier sagt, stehe nun nochmals eine Fundraising-Phase an. 200 000 Franken an Stiftungsgeldern sind bislang akquiriert. Um die 352 000 Franken sollen zudem durch die sogenannte Mehrauffüllung eingenommen werden.

Diese erfolgt durch die Entgegennahme von sauberem Bodenaushub, mit dem die Kiesgruben gefüllt würden. Von diesen offenen Fragen zeigt sich IBA-Geschäftsleiterin Monica Linder-Guarnaccia unbeeindruckt: «Der ‹Point of no Return› ist schon länger erreicht. Die Visualisierungen sind vorhanden, der politische Willen genauso.»