Elisabeth Schneider liebt das Risiko. Die amtsjüngste Baselbieter Nationalrätin weiss, dass sie im Wahljahr die eine oder andere Stimme aufs Spiel setzt, wenn sie sich als Fusions- und Wiedervereinigungs-Turbo aus dem Fenster lehnt. Die CVP-Politikerin spricht aber von einer «Herzensangelegenheit», für die sie jedes politische Kalkül zurückstellen will.

Am Donnerstag kehrte sie extra in den Liestaler Landratssaal zurück, um von der Tribüne aus mitzuverfolgen, was das Parlament von ihrem alten Vorschlag eines wiedervereinigten Kantons Basel zumindest auf dem Schreibtisch hält. Sie durfte sich freuen: Ganz knapp, mit 38 zu 37 Stimmen, wurde Regierungsrat Adrian Ballmer verknurrt, ein Projekt auszuschaffen, wie die Wiedervereinigung von Baselland und Basel-Stadt zu einem Kanton Basel simuliert werden könnte. Dass sich nach der lebhaften, durch die Theater-Diskussion zusätzlich angeheizten Debatte mit Hanspeter Frey, Petra Studer und Judith van der Merwe drei stadtnahe Freisinnige der Stimme enthielten, statt in der Links-Rechts-Glaubensfrage auf den Nein-Knopf zu drücken, dürfte Ballmer zusätzlich ärgern.

«Mir geht es darum, dass die Emotionen aus der Wiedervereinigungsfrage verschwinden und klaren Fakten Platz machen», sagt Schneider, «welche Vorteile würde uns ein Kanton Basel bringen? Und welche Nachteile?» Früher bemühte sie den Vergleich zu Nachbar Baden-Württemberg, dem 1952 fusionierten Bundesland mit 12 Millionen Einwohnern, dem sie die beiden Basel mit 275000 und 190000 Einwohnern gegenüberstellte. Heute genügt ihr dazu der Alltag in Bundesbern. «Bereits dort unterscheidet niemand mehr zwischen Baselland und Basel-Stadt.»

Angst um die Eigenständigkeit

Regierungsrat Ballmer begründete seine ablehnende Haltung gegenüber dem «Sandkastenspiel», wie er die Idee nennt, nicht nur mit der Verfassung, in der von Partnerschaft, nicht aber von Fusion geschrieben ist. Er erinnert auch an die vernichtenden Niederlagen der Jubiläumsinitiativen beim Stimmvolk und denkt an die finanzielle Situation des Kantons. Damit ruft er aber Elisabeth Schneider erst recht auf den Plan: «Die beiden Basel leisten sich heute zahlreiche Doppelspurigkeiten, angefangen bei den Verwaltungen und den politischen Behörden», stellt sie fest. Damit wäre das Geld, das in die Untersuchung gesteckt werden müsste, sehr schnell wieder eingespielt.

«Das Ziel muss nicht ‹Wiedervereinigung› heissen, es reichen Fortschritte in der Partnerschaft», sekundierte SP-Landrat Ruedi Brassel. Doch gerade dies bezweifelt die Rechte, deren Parteikollegen dem gleichen Begehren im Basler Grossen Rat klar zugestimmt haben. «Der Vollkanton steht in der Verfassung», hält Daniele Ceccarelli, der FDP-Fraktionschef, fest, «also ist keine Simulation einer Wiedervereinigung nötig.» Oskar Kämpfer, Therwiler SVP-Landrat, warnt davor, dass damit nur die Linke gestärkt werden soll, und sein Parteikollege Karl Willimann appelliert an die patriotischen Gefühle, die sich derzeit manche Partei auf die Fahne und Plakate geschrieben hat: «Die CVP zeigt uns, wer für das Baselbiet einsteht und wer es verkaufen will.»

Schneider teilt die Angst nicht, das Baselbiet würde von Basel ganz vereinnahmt: «Basel wäre zwar der Namensgeber, aber auch klar der Juniorpartner. Denn Baselland ist weit grösser und damit mächtiger.»