Seit über einem Jahr ist klar, dass die Kaserne zu einem Quartier- und Kulturzentrum umgebaut wird. Wie dieses dann funktionieren soll, ist bisher aber noch nicht klar. Das federführende Präsidialdepartement will das lang ersehnte Nutzungskonzept nochmals überarbeiten. Damit vertröstet die Verwaltung die involvierten Parteien bereits zum zweiten Mal.

Ursprünglich hatte Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) das Nutzungskonzept bis Ende 2017 angekündigt. Danach wurde die Veröffentlichung auf das erste Quartal 2018 verschoben. Der neuste Termin: «bis zur Sommerpause». Also kurz bevor dann im August die dreijährigen Bauarbeiten beginnen.

Das ist umso bemerkenswerter, als dass drängende Fragen seit mittlerweile zwei Jahren unbeantwortet im Raum stehen. Etwa wie die Verantwortlichkeiten geregelt sind oder wie die Vergabe der begehrten Räumlichkeiten ablaufen soll. Bereits bei den ersten Diskussionen wurde kritisiert, das Projekt sei zu unausgegoren. Die klärenden Antworten blieben die damaligen Verantwortlichen – Regierungspräsident Guy Morin, Kantonsentwickler Thomas Kessler und Kulturchef Philippe Bischof – schuldig.

Knapp kalkuliert

Alle sind mittlerweile nicht mehr im Amt. Das Präsidialdepartement leitet seit einem Jahr Elisabeth Ackermann. Sie hat Lukas Ott als Kantons- und Stadtentwickler eingesetzt und für die Abteilung Kultur Sonja Kuhn und Katrin Grögel als Co-Leitung ausgewählt. Der dreifache Stabwechsel ist auch der Hauptgrund für die Verzögerung des Konzepts. Die wesentlichen Grundsätze seien bereits mit dem Ratschlag zur Sanierung festgelegt worden, heisst es auf Anfrage aus dem Präsidialdepartement. Nun stehe die konzeptionelle Feinarbeit im Vordergrund. «Aufgrund eines künstlich verursachten Termindrucks voreilig etwas vorzuziehen, wäre falsch», sagt Ott.

Konkret geht es noch um die Abstimmung der Nutzung, des Betriebs und der wirtschaftlichen Fragen. Lukas Ott sagt: «Wir wollen nachträgliche unliebsame Überraschungen ausschliessen.» Tatsächlich zeigten Recherchen der bz vor einigen Monaten, wie knapp berechnet die Mieteinnahmen des Projekts Kaserne budgetiert sind. Bei einem Umsatz von rund 950'000 Franken soll eine schwarze Null resultieren. Dies klappt aber nur, wenn alle Räumlichkeiten wie geplant vermietet werden können. Vor allem bei den drei geplanten Gastronomieunternehmen dürfte dies nicht ganz einfach werden.

Auch wenn es das Präsidialdepartement nicht explizit sagt: Im Hinterkopf steckt wohl noch immer das Finanzdebakel um ein weiteres Prestigeprojekt aus den letzten Jahren. Weil auf der Einnahmeseite deutlich zu optimistisch kalkuliert wurde, reisst der Neubau des Kunstmuseums ein Millionenloch ins jährliche Budget. Es ist ein offenes Geheimnis, dass vor acht Jahren praktisch alle politisch Involvierten beide Augen zugekniffen haben, um das Projekt nicht zu gefährden. Sechs Jahre später bei der Kaserne war die Ausgangslage durchaus vergleichbar.

«Symptomatisch»

«Es ist in der Tat eigenartig, dass man noch nichts Genaueres weiss», sagt LDP-Grossrat Heiner Vischer. «Zumal es immer geheissen hat, das sei alles kein Problem.» Nun müsse das Konzept baldmöglichst vorgelegt werden. «Aus dem Präsidialdepartement kommen die Informationen immer nur häppchenweise und erst dann, wenn man danach fragt», sagt SVP-Grossrat Joël Thüring. «Es macht ein bisschen den Eindruck, dass dort gewurstelt wird.» Der Fall sei symptomatisch für das Präsidialdepartement.

Tatsächlich sind mittlerweile eine Reihe an Verspätungen bekannt: Auf die Museumsstrategie musste man so lange warten, dass letztlich die Lage eskalierte. Ein weiteres Beispiel ist die auf März versprochene Betriebsanalyse des Kunstmuseums, die auf Sommer verschoben wurde.

Und vorgestern Mittwoch reichten zwei Kommissionen im Parlament eine Motion ein, weil Subventionsvorlagen oft zu spät kamen, sodass den Betrieben das Geld ausging.
Die gute Nachricht: Die Bauarbeiten zum Kaserne-Projekt sollen sich wegen dem fehlenden Konzept nicht verzögern und wie geplant nach dem Open Air Basel im August starten.