Bistum Basel

Kirche für alle – auch für Homosexuelle

Die Regenbogen-Fahne als Symbol für LGBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle) (Symbolbild)

Die Regenbogen-Fahne als Symbol für LGBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle) (Symbolbild)

Das Bistum Basel will Homosexuelle und Transmenschen besser integrieren.

2015: Der Churer Bischof Vitus Huonder zitiert Bibelstellen, wonach Homosexuelle mit dem Tod bestraft werden sollen. Der Basler Bischof Felix Gmür reagiert mit den Worten, man dürfe Homosexuelle «nicht herabsetzen», er nehme jeden Menschen «vorbehaltlos an». Zwei Jahre zuvor wurde in Gmürs Bistum etwas schweizweit Neues gegründet: der Arbeitskreis «Regenbogenpastoral», der die Seelsorge für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Intersexuelle und Transmenschen vorantreiben will. «Grösser als alles aber ist die Liebe: Wir alle wollen angenommen sein – unabhängig davon, wen wir lieben und wie wir uns identifizieren», heisst es auf der Website.

Zum Bistum Basel gehören zehn Kantone, darunter auch die beiden Basel. Barbara Kückelmann ist Pastoralverantwortliche des Bistums – also zuständig für die Seelsorge – und dazu gehört auch die Regenbogenpastoral. Die Theologin ist 60 Jahre alt, römisch-katholisch, seit mehr als 30 Jahren beim Bistum tätig.

Eine Regenbogenpastoral sei nichts Ungewöhnliches, findet Kückelmann. «In unserer Kirche hat die Seelsorge, die auch auf einzelne Gruppen oder Lebenssituationen fokussiert, Tradition.» Beispiele: die Spitalseelsorge oder die Seelsorge für Jugendliche. «Ich finde es toll, mich zu engagieren», sagt sie, «in einem Bereich, wo es noch Engagement braucht».

Keine Homo-Ehe, keine schwulen Seelsorger

Auf die Frage, ob es bezüglich der Einbindung der Queer-Community vorwiegend in der Kirche Nachholbedarf gebe, meint Kückelmann: «Jein». Denn: «Die Kirche ist ein Spiegel der Gesellschaft.» So sei die Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm auf den Schutz von Homo- und Bisexuellen vergangenen Sonntag ja auch nicht mit 99 % Ja-Stimmen angenommen worden, sondern mit 63 Prozent. Rechtskonservative Kreise hätten mit dem Thema Mühe, so die Theologin. «Das ist nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft so.»

Die Haltung des Bistums Basel, die bis in die einzelnen Pfarreien und Kirchgemeinden getragen werden soll, ist klar: «Alle Menschen in ihrem je eigenen Sein als Geschöpfe Gottes annehmen und wertschätzen», steht auf der Website. Und auch Kückelmann sagt: «Gott liebt jeden Menschen. Einzelne Gruppen auszuschliessen, widerspricht dem Auftrag Jesu und damit der Seelsorge.»

Die Aufgabe der Regenbogenpastoral besteht darin, punktuell Pilgeranlässe für Mitglieder der Queer-Community zu organisieren, Mitglieder der Kirche zu beraten und Mitarbeitende zu «sensibilisieren», wie Kückelmann sagt. Offene Diskriminierung gebe es im Bistum zwar nicht. Aber: Man wolle auch unbewusste Ausgrenzung verhindern. In der Kirche etwa seien Kinder gleichgeschlechtlicher Paare genau so zu taufen wie die Kinder heterosexueller Paare.

Im Religionsunterricht sollte, gerade auf Oberstufe, das Bewusstsein geschärft werden, dass Geschlechter nicht einfach «bipolar; Mann-Frau» definiert seien. Und in der Predigt seien nicht nur Mann und Frau anzusprechen. Dazu zieht Kückelmann auch den Vergleich: «Wie lange war in der Kirche nur von ‹Brüdern› die Rede – bis man gemerkt hat, dass auch Frauen im Publikum sitzen und anzusprechen sind.»

Keine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Trotz dieser Überlegungen: 2017 sorgte es für Schlagzeilen, dass Bischof Gmür «trotz Regenbogenoffensive» keinen «schwulen Seelsorger» anstellte. Bis heute gilt laut Bistumsrichtlinien: Die Missio canonica – der bischöfliche Auftrag, etwa in einer Klinik als Seelsorgerin oder Seelsorger tätig zu sein – kann nur an Menschen erteilt werden, die in einer «kirchlich anerkannten Lebensform» leben. Also im Zölibat oder einer heterosexuellen Ehe. Nach wie vor ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der Katholischen Kirche zudem nicht möglich. «Das stimmt – leider», sagt Kückelmann.

Derzeit gebe es aber auf nationaler und internationaler Ebene heftige Diskussionen darüber. «Was heute gilt, muss zum Glück nicht für die nächsten 100 Jahre gelten», so die Theologin. Heute könnten sich gleichgeschlechtliche Paare zudem an die Vertretung ihrer Pfarrei wenden, wenn sie ihre Liebe segnen lassen möchten. Eine Segnung könne dann auf verschiedene Art und Weise erfolgen – wenn auch nicht in einer kirchlichen Ehe. Oder noch nicht – denn laut Kückelmann findet ein Veränderungsprozess nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Kirche statt. «Das ist gut», sagt sie. Wie lange dieser Prozess dauert, kann sie aber nicht sagen.

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