Kirchengemeindeversammung
Kirchenpflege obsiegt im Pfarrerstreit: Grüninger hat wahrscheinlich keine Zukunft in Arlesheim

Die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirchgemeinde Arlesheim trat auf die Abstimmung über den freigestellten Pfarrer Matthias Grüninger erst gar nicht ein.

Tobias Gfeller
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Zur eigentlichen Abstimmung über die geforderte Rückkehr von Matthias Grüninger ins Pfarramt kam es erst gar nicht.

Zur eigentlichen Abstimmung über die geforderte Rückkehr von Matthias Grüninger ins Pfarramt kam es erst gar nicht.

Tobias Gfeller

Matthias Grüninger hat mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Zukunft als Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Arlesheim. Die von seinen Anhängerinnen und Anhängern mit über 100 Unterschriften einberufene ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung trat auf Antrag der Kirchenpflege erst gar nicht auf die Abstimmung über den im Frühjahr 2020 freigestellten Pfarrer erst gar nicht ein. Das Votum fiel mit 77 zu 44 Stimmen auf Nichteintreten überraschend klar aus. Zur eigentlichen Abstimmung über die geforderte Rückkehr ins Pfarramt kam es deshalb erst gar nicht.

Die Abstimmung fand auf Wunsch aus der Versammlung im Geheimen statt. Man wollte nicht, dass die schon so gespaltene Kirchgemeinde noch mehr auseinanderdividiert wird, indem alle sehen können, wer für und wer gegen Pfarrer Grüninger stimmt. Die Versammlung lief «emotional, aber nicht gehässig» ab, erzählt am Morgen danach Matthias Grüninger selber. Er wirkt am Telefon aufgewühlt, aber nicht frustriert, wie er selber sagt. Der Ärger über das Vorgehen der Kirchenpflege ist aber noch längst nicht verflogen. Diese hätte ihn mit einer Finte reingelegt. «Wir hatten vor der Versammlung ein Gespräch im Beisein meines Anwalts, bei dem ich eigentlich ein gutes Gefühl hatte. Doch beim zweiten Gespräch war dann wieder alles anders.»

Die Kirchenpflege habe gefordert, dass er an einer Mediation teilnimmt. Zu dieser sei er auch bereit gewesen, betont Grüninger. «Aber nur, falls die Kirchenpflege die Forderung nach seiner Entlassung beim Kirchenrat in Liestal zurückzieht und ich per sofort wieder als Pfarrer arbeiten kann.» Beides wollte die Kirchenpflege nicht.

Eine rein arbeitsrechtliche Frage?

Trotzdem verkündete Kirchenpflegepräsidentin Kathrin Meffert zu Beginn der Versammlung, dass sich beide Seiten zu einem mediatorischen Weg bereit erklärt hätten. Meffert äusserte gemäss Auskunft von Kirchenpflegesprecherin Dominique von Hahn die Hoffnung, dass die Debatte und Abstimmung zu den vom Komitee geforderten Traktanden diesen eingeschlagenen Weg der Verständigung nicht gefährden mögen.

Die Kirchenpflege blieb bei ihrem Standpunkt, dass es nicht in der Kompetenz der Kirchgemeindeversammlung liege, über die Anstellung eines Pfarrers zu befinden. Das obliege der Kirchenpflege als Personalbehörde. Das habe ein durch die Kantonalkirche in Auftrag gegebenes externes Gutachten bestätigt.

Wie schon in den öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten in den Monaten zuvor begründete die Kirchenpflege auch an der Kirchgemeindeversammlung ihr Schweigen über die einzelnen Vorwürfe aufgrund des Persönlichkeitsschutzes von Pfarrer Grüninger. Doch dieser hat gemäss eigener Aussage die Kirchenpflege bereits im vergangenen Jahr schriftlich von der Schweigepflicht befreit, weil es nichts zu verheimlichen gebe, weil nichts Schwerwiegendes passiert sei. «So wussten die Leute nie, was mir wirklich vorgeworfen wird. Das erschwerte natürlich eine objektive Entscheidung über mich.»

Gutachten in den Augen der Unterstützer wenig aussagekräftig

Enttäuscht ist auch Beat Aeschlimann, der mit seiner Frau das Komitee «Pro Pfarrer Grüninger» gegründet hat. Er habe schon erwartet, dass es schwierig werde, die Kirchgemeindemitglieder zu überzeugen. «Wir hätten aber schon erwartet, dass wir mehr Stimmen erhalten», gibt Aeschlimann zu. Er ist überzeugt, dass die Anstellung eines ordinierten Pfarrers keine reine arbeitsrechtliche Sache darstellt. Das von der Kirchenpflege seit Wochen zitierte Gutachten empfindet Beat Aeschlimann als wenig aussagekräftig und auch nicht als objektiv. «Da hätte man leicht ein zweites Gutachten in Auftrag geben können, das das Gegenteil ausgesagt hätte.»

Die Versammlung war nicht öffentlich und auch die Presse war nicht zugelassen.

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