Riehen
Klares Ja zu Gegenvorschlag zur Familiengärten-Initiative

Das Resultat ist überraschend deutlich: 4628 Riehenerinnen und Riehener hiessen gestern an der Urne den Gegenvorschlag zur Familiengarten-Initiative gut, 1973 sprachen sich dagegen aus. Dies entspricht einem Ja-Stimmen-Anteil von 70,1 Prozent.

Hans-Martin Jermann
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Im Zentrum des Interesses: Riehener Familiengärten. Nicole Nars-Zimmer

Im Zentrum des Interesses: Riehener Familiengärten. Nicole Nars-Zimmer

Das Volk bestätigt damit die Siedlungspolitik von Gemeinderat und einer Mehrheit des Einwohnerrats. Eine Politik, die 97 Prozent der Familiengartenflächen für die nächsten 15 Jahre schützt und gleichzeitig eine Zentrumsüberbauung (beim Niederholz) sowie die Errichtung einer Gewerbezone (beim Friedhof Hörnli) vorsieht. Eine Niederlage hinnehmen müssen Riehener Gewerbetreibende, die gegen den von Gemeinderat und Familiengärtnern ausgehandelten Kompromiss das Referendum ergriffen haben.

Gewerbler meldeten sich zu spät

Sehr zufrieden mit dem Resultat zeigt sich der für die Siedlungsentwicklung zuständige Gemeinderat Daniel Albietz (CVP). «Nun ist die Bahn frei für unser grosses Projekt, die Zonenplanrevision.» Bei einem Nein wären diese und damit wichtige Errungenschaften der Planung der letzten Jahre gefährdet gewesen. Das deutliche Resultat analysiert Albietz mit unmissverständlichen Worten: «Das Volk hat nicht goutiert, dass die Gegner ihren Widerstand sehr spät ankündigten und quasi hinterher den Gegenvorschlag bekämpften, als die Familiengärtner ihre Initiative bereits zurückgezogen hatten.»

Heinrich Ueberwasser (SVP), Präsident dieses Initiativkomitees, spricht denn auch erleichtert von einem «Sieg der Vernunft.» Als Gewerbetreibende und Parteikollegen im Dezember Unterschriften gegen den Kompromiss sammelten, warf er ihnen enttäuscht «Vertrauensbruch» vor. Ähnlich äussert sich SP-Einwohnerrat Christian Burri, der in einem breit abgestützten Komitee mit Ueberwasser für ein Ja gekämpft hat: «Ich hoffe, die Gegenseite lernt aus dem deutlichen Resultat, dass gilt, was einmal ausgehandelt wurde.»

Demgegenüber will Referendumsführer Hansjörg Wilde nicht von einer Schlappe sprechen: «Ich bin nicht zu Tode betrübt», gibt Wilde zu Protokoll, bevor er beim Apéro mit Widersacher und Duz-Kollege Ueberwasser Sprüche klopft. 2000 Stimmen seien schliesslich nicht nichts. Angesichts der komplexen Vorlage seien wohl einige Stimmberechtigte im Zweifel dem Einwohnerrat gefolgt. «Wir konnten dank der Debatte immerhin unsere Ansprüche festigen», sagt der parteilose Gewerbler. Langfristig benötige das Gewerbe, das in Riehen jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt worden sei, mehr als die nun ausgewiesenen Flächen, hält Wilde fest.

Gemeinderat Albietz sagt denn auch, dass im Rahmen der Zonenplanrevision eine reine Arbeitszone eingeführt sowie die Mischzone mit Wohnen und Arbeiten erweitert werden soll. Allerdings soll nicht auf Anhieb eine weitere Gewerbezone ausgeschieden werden: «Schauen wir zuerst, welchen Anklang jene beim Hörnli findet.»