«Klassik im Hof»
Open Air in Pratteln: Antike Bergnymphen und Flageolett-Klänge auf der Harfe

Auch in diesem Sommer überzeugt die kleine Konzertreihe «Klassik im Hof» bei der Wehrkirche Pratteln mit interessanten Programmen und attraktiver Ambiance.

Reinmar Wagner
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Das Streichtrio Oreade lädt uns auf eine musikalische Entdeckungsreise auf den Spuren des Menuetts ein.

Das Streichtrio Oreade lädt uns auf eine musikalische Entdeckungsreise auf den Spuren des Menuetts ein.

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Es ist weder besonders schnell noch besonders originell, weder herzergreifend melodiös noch speziell geeignet für solistische Eskapaden, das Menuett. Eher so ein Zwischenspiel, bevor wieder aufregendere Dinge passieren in einer barocken Suite oder einer klassischen Sinfonie.

Diesen etwas vernachlässigten Schreit-Tanz im gemässigten Dreivierteltakt aus dem reichen barocken Tanz-Repertoire, das am Hof zu Versailles mit grosser Leidenschaft gepflegt wurde, haben sich die drei Musikerinnen des Trios Oreade zum Thema ihres Konzerts erwählt. Natürlich denkt man an Boccherini, der das mit Abstand berühmteste Menuett der Musikgeschichte geschrieben hat. Aber dafür bräuchte man ein Streichquartett.

Reizvolle Menuett-Kompositionen

Die drei Damen aus dem Zürcher Tonhalle-Orchester, die sich 2001 formierten und nicht etwa das Gold im Namen tragen, sondern sich von antiken Bergnymphen inspirieren liessen, sind aber «nur» ein Streichtrio. Was natürlich kein Handicap ist: Bei Rameau, Mozart, Beethoven, Schubert, aber etwa auch beim ungarischen Zeitgenossen György Kurtág, finden sich auch für diese Besetzung reizvolle Menuett-Kompositionen, die sich prächtig eignen für einen lauen Sommerabend.

So etwa im Hof der Festungskirche in Pratteln mit ihren mächtigen Mauern und den noch viel mächtigeren alten Bäumen, die bei schönem Wetter für Schatten sorgen.

Das Konzept der kleinen, feinen Konzertreihe unter freiem Himmel bietet auch im sechsten Sommer leichte Klassik in ausgesuchten Kombinationen.

Fluchtmöglichkeiten ins Innere der Kirche

Nach der Menuett-Eröffnung morgen Samstagabend (18 Uhr) gibt es einen Liederabend mit der Altistin Silke Marchfeld mit Liedern von Schubert. Das Besondere daran: Man schiebt keinen Konzertflügel zur Begleitung in den Kirch-Hof, sondern lässt Sebastian Röhl die Sängerin auf der Gitarre begleiten, was bei einem plötzlichen Gewitter deutlich besser Fluchtmöglichkeiten ins Innere der Kirche, aber natürlich auch klanglich reizvolle Variationen anbietet. Eine zweite Besonderheit ist, dass sie ein Programm zusammenstellen aus dem Lieder-Kosmos von Franz Schubert, in dem Vertonungen von Texten des Basler Dichters ­Johann Peter Hebel die Hauptrolle spielen.

Und dann erhält im dritten Konzert am 7. August Joel von Lerber Gelegenheit, seine ­Harfe zu präsentieren. Der junge Schweizer ist ein überaus virtuoser Spieler, der seinem Instrument gerne besondere Klänge entlockt, die auch ganz untypisch dunkel sein können oder vom fahlen Glanz reizvoller Flageolett-Klänge leben. Der 1991 in Basel geborene Musiker, der heute meistens in Berlin lebt, bestreitet solo in Programm, das aus unterschiedlichen Stücken von Smetana, Rossini, Fauré oder Liszt zusammengestellt ist.

Konzerte im Hof. Klassik-Open-Air. Reformierte Kirche Pratteln.
www.konzerteimhof.ch

Lauschiges Setting mit schattenspendenden Bäumen.

Lauschiges Setting mit schattenspendenden Bäumen.

Zvg