Japan
Klaus: «Falsche Sicherheit wird suggeriert»

Auch rund um die Ereignisse von Japan kommuniziere der Bund sehr schlecht, findet der Baselbieter Sicherheitsinspektor Rolf Klaus. Fakt sei: Es gebe keine sichere Zone.

Von Daniel Ballmer
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Auch der Bund hat eine 20-Kilometer-Gefahrenzone rund um die AKW festgelegt. Gefahr aber besteht auch ausserhalb.

Auch der Bund hat eine 20-Kilometer-Gefahrenzone rund um die AKW festgelegt. Gefahr aber besteht auch ausserhalb.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Rolf Klaus spricht von fachlichen Mängeln, spricht von Fahrlässigkeit. Auch der Baselbieter Sicherheitsinspektor blickt gebannt nach Japan, wo Techniker und Rettungskräfte seit Wochen verzweifelt gegen den GAU ankämpfen.

Aus Sicherheitsgründen hat die japanische Regierung das Gebiet in einem Umkreis von 20 Kilometern um das AKW Fukushima evakuieren lassen. Weiteren Tausenden von Menschen im 30-Kilometer-Radius wurde zudem geraten, vorübergehend wegzuziehen. Erst diese Woche, einen Monat nach der Katastrophe, ist die Evakuierungszone auf einen Umkreis von 30 Kilometern erweitert worden.

«Es werden immer wieder dieselben Fehler gemacht», kritisiert Klaus. «Auch in Japan wird der Bevölkerung suggeriert, dass neu ausserhalb eines 30-Kilometer-Radius keine Gefahr besteht.» Tatsächlich gehen in anderen Ländern die getroffenen Massnahmen zu wenig weit. So empfehlen die USA ihren Landsleuten vor Ort, das Atomkraftwerk in einem Radius von mindestens 80 Kilometern zu meiden.

Immer wieder sei von den Gefahrenzonen die Rede, ärgert sich Sicherheitsinspektor Klaus: «Damit wird der Bevölkerung suggeriert, dass ausserhalb dieser Zonen keine Gefahr besteht. Und das stimmt natürlich nicht.»

Die Schweiz aber übernehme viele Punkte, ohne sie zu hinterfragen. Und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) verpasse es, dazu korrekt zu informieren. Tatsächlich hat auch der Bundesrat die Gefahrenzonen 1 und 2 auf einen Radius von 20 Kilometern festgelegt. In diesem Gebiet wurden vorsorglich Jodtabletten abgegeben.

«Lausen wäre demnach gefährdet, weil es in Zone 2 des AKW Gösgen liegt. Liestal dagegen wäre nicht mehr gefährdet», nennt Klaus ein konkretes Beispiel. «Das ist natürlich bürokratischer Unsinn.»

Ausserhalb des 20-Kilometer-Radius aber gilt die übrige Schweiz offiziell als Zone 3. «In diesem Gebiet sind Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung während des Durchzugs einer radioaktiven Wolke aller Voraussicht nach nicht notwendig.» So ist es zu lesen in der Infobroschüre des Kantons Baselland. Die Realität belehrt die Behörden derzeit eines Besseren.

Bei den Zonen gehe es einzig um die Reaktionszeit, in der bei einem Vorfall Schutzmassnahmen zu ergreifen seien. Konkret: «Je näher man beim AKW ist, desto schneller muss man reagieren.» Denn auch eine radioaktive Wolke brauche Zeit, um sich mit dem Wind fortzubewegen.

Daher seien in Zone 2 Jodtabletten bereits an die Haushalte verteilt und in Zone 3 noch zentral gelagert. «Letztlich aber gibt es keine Zone, die nicht gefährdet ist. Es ist überall gefährlich», betont Klaus. So seien auch nach Tschernobyl in weiten Teilen der Welt erhöhte Werte gemessen worden.

Auch Marcus Müller zweifelt daran, dass die Gefahren in der Schweiz bisher richtig eingeschätzt wurden. Der Leiter des Baselbieter Amts für Militär und Bevölkerungsschutz will sich daher für eine Ausdehnung der Zone 2 einsetzen. Immerhin liessen die Ereignisse in Japan an der Einteilung der Gefahrenzonen zweifeln, erklärte er kürzlich in der «Basler Zeitung». Tatsächlich zeigt man sich auch beim Bund offen, über die Bücher zu gehen.

Sicherheitsinspektor Klaus sieht in einer Ausweitung der Gefahrenzonen allerdings wenig Sinn: «Die Einteilung ist in Ordnung, ihre Bedeutung aber wird falsch kommuniziert.»

Der Umgang mit einer solchen Gefährdung stelle eben hohe Anforderungen an die Kommunikation: «Und das Ensi wirkt hier zuweilen überfordert. Es wird nicht immer genügend offen kommuniziert.» So sei eben nie klargestellt worden, welche Bedeutung die Gefahrenzonen wirklich hätten.

Bei deren Ausweitung aber würden einzig mehr Jodtabletten verteilt. «Damit würden nur die Behörden von der Verantwortung entlastet», kommentiert Klaus. Eine Ausweitung sei einzig nötig, wenn dem Bund die Zeit für die Verteilung der Tabletten nicht reichen würde. Und zumindest dafür gebe es keine Anzeichen.