Kommentar
Die Geister, die sie riefen

Die Corona-Demonstrationen finden in regionalen Zentren statt, in denen sonst wenig demonstriert wird. Dies ist kein Zufall.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Bewilligte Demonstration gegen die Coronamassnahmen vor dem grossen Rat Thurgau. Am Samstag marschieren die Corona-Skeptiker in Liestal auf.

Bewilligte Demonstration gegen die Coronamassnahmen vor dem grossen Rat Thurgau. Am Samstag marschieren die Corona-Skeptiker in Liestal auf.

Bild: Donato Caspari

Aarau, Zug, Chur, Frauenfeld, Schwyz, Lachen, Wohlen, nun Liestal. Es sind nicht vornehmlich die grossen Städte, in denen auf der Strasse die Auseinandersetzung um die richtige Coronapolitik geführt wird. Es sind vielmehr die regionalen Zentren, in denen die urbangebauten und die dörflichgedachten Strukturen aufeinanderprallen und in denen nun gegen Maskenpflicht und Lockdown demonstriert wird. Es geht notabene tief konservativ dort zu, wo nun zum Aufstand gegen den Staat oder zumindest zur Faust im Sack gerufen wird.

Die Organisatoren versammeln nicht zufällig an solchen Orte. Dort erwarten sie die Zustimmung der Passanten, die aus der lauten Minderheit eine vermeintlich stille Mehrheit machen. Und sie können sich in Liestal auf Magistraten wie Gesundheitsdirektor Thomas Weber berufen, der sich für «Querdenker» aussprach und nicht wissen will, wer sich so bezeichnet. Oder auf Baudirektor Isaac Reber, der sich ebenso unbedarft als Impfskeptiker inszenierte. Gegen die Coronamassnahmen zu demonstrieren, ist ein demokratisches Recht.

Der Ort, an dem eine solche Demonstration stattfindet, sollte sich fragen, weshalb er als solcher gewählt wurde.