Kommentar
Einkaufstourismus: Heimatschutz ist fehl am Platz

Das Parlament will die bisherige Freigrenze bei der Mehrwertsteuer von 300 Franken abschaffen oder zumindest deutlich senken. Das ist keine gute Idee.

Andreas Möckli
Andreas Möckli 2 Kommentare
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Künftig muss die Schweizer Mehrwertsteuer an der Grenze viel öfters entrichtet werden.

Künftig muss die Schweizer Mehrwertsteuer an der Grenze viel öfters entrichtet werden.

Nicole Nars-Zimmer

National- und Ständerat wollen die Einkaufstouristen zur Kasse bitten. Die Mehrheit der beiden Parlamente verlangt, dass die bisherige Freigrenze bei der Mehrwertsteuer von 300 Franken abgeschafft oder zumindest deutlich gesenkt werden soll. Im schlimmsten Fall müssten die Einkaufstouristen auf jeden noch so kleinen Einkaufsbetrag die schweizerische Mehrwertsteuer entrichten. Die deutsche Mehrwertsteuer können sie weiterhin zurückfordern.

Die Befürworter der Abschaffung des Freibetrags geben sich gar nicht erst die Mühe zu verhehlen, worum es hier vor allem geht: den Heimatschutz. Sie wollen den Einkaufstouristen das Leben schwermachen und so den heimischen Detailhandel stützen. Das Argument der Steuergerechtigkeit wirkt dagegen bemüht. Zollfreies Einkaufen ist weltweit gang und gäbe. Zudem können Einkaufstouristen nicht für beliebig viel Geld steuerbefreit einkaufen. Für das gibt es ja eben die Freigrenze.

Man kann über den Einkaufstourismus aus Schweizer Sicht noch so viel jammern. Fakt ist und bleibt: Zahlreiche identische Produkte kosten hierzulande seit Jahren doppelt so viel oder noch mehr als auf der anderen Seite der Grenze. Deos, Zahnpasta, Duschgel oder Waschmittel sind die Stichworte. Ohnehin dürfte die Abschaffung der Freigrenze kaum allzu viele Einkaufstouristen von ihrem Tun abhalten. Daher ist die Schaffung eines Bürokratiemonsters für ein wenig Heimatschutz fehl am Platz.

2 Kommentare
Thomas Zweidler

Bin mit diesem Kommentar einverstanden. Alles wird enorm teurer in der Schweiz, und wenn man kein Single ist, kein gutverdienendes Paar, kein Manager, keinen Hund hat, wenn man mit unterdurschnittlich wenig zufrieden ist, lebt sich es gut in der Schweiz. Wenn man aber Büezer ist, eine Familie ist, Teenager hat die immer hungrig sind - ist es so gut, dass es noch Deutschland zum einkaufen gibt.  Ich mache es nicht freiwillig - ich brauche es.

Elisabeth Beck

Danke, Herr Möckli, für diesen Artikel. Sie können sicher sein, das wird/würde ein Eigengoal. Kein Artikel, ob Pflegeprodukt oder gar eine grössere Anschaffung, würde hier mehr verkauft bei diesen extremen Preisunterschieden.

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