Kommentar
Hochproblematischer Fahndungsaufruf auf Instagram nach Vergewaltigung in Basel

Am frühen Freitagmorgen wurde an der Heuwaage eine junge Frau nach einem Clubbesuch vergewaltigt. Auf Instagram kursieren nun Bilder, die den angeblichen Täter zeigen sollen. Das ist mehr als heikel.

Jonas Hoskyn
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Nach der Vergewaltigung vom frühen Freitagmorgen an der Heuwaage kursiert nun ein heikler Fahndungsaufruf auf den sozialen Medien.

Nach der Vergewaltigung vom frühen Freitagmorgen an der Heuwaage kursiert nun ein heikler Fahndungsaufruf auf den sozialen Medien.

Tinnakorn Jorruang

Die Tat sorgte für Bestürzung. Am frühen Freitagmorgen gegen 4 Uhr wurde an der Heuwaage eine junge Frau vergewaltigt, nachdem sie einen nahe gelegenen Club verlassen hatte. Offenbar wurde sie bereits im Club vom späteren Täter angemacht und hatte diesen abgewiesen.

Seit Montagabend werden auf dem Fotoportal Instagram und in weiteren sozialen Medien Fotos vom angeblichen Täter verbreitet, zusammen mit einem Fahndungsaufruf. Diese Form von Selbstjustiz ist hochproblematisch. Denn einerseits ist es absolut möglich, dass es sich bei dem jungen Mann auf den Bildern nicht um den Täter handelt. Schliesslich gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Andererseits hat rechtlich gesehen selbst ein Vergewaltiger bis zu einem gewissen Grad das Recht auf die Wahrung seiner Identität. Denn wenn solche Bilder einmal im Internet sind, verschwinden sie nie mehr. Genau deshalb wenden die Staatsanwaltschaften bei öffentlichen Fahndungen mit Bild- oder Videomaterial ein mehrstufiges Verfahren an, in dem das Zeigen der unverpixelten Bilder stets nur das allerletzte Mittel des Internetprangers sein darf.

Und zuletzt noch zwei juristische Punkte: Erstens können in einem solchen Fall Urheber und alle, die an der Verbreitung eines solchen Aufrufs beteiligt sind, sich wegen Verleumdung oder Verletzung der Persönlichkeitsrechte selber strafbar machen. Zweitens könnte sich dieser «Fahndungsaufruf» sogar gegen die Interessen der Frau richten, die diesem widerlichen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Denn bei einem allfälligen Prozess ist eine öffentliche Vorverurteilung eines möglichen Täters ein starkes Argument für die Verteidigung, welches sich in der Regel strafmindernd auswirkt.

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