Kommentar
Landratssitzungen im TEC in Pratteln: Ein Entscheid mit verhängnisvollen Signalen

Der Baselbieter Landrat muss wegen Corona erneut ins Exil. Bei ihrem Entscheid, wohin es gehen soll, hat die Geschäftsleitung des Landrats jegliche Sensibilität vermissen lassen.

Hans-Martin Jermann
Hans-Martin Jermann 4 Kommentare
Drucken
Teilen
Seit genau einem Jahr operiert die Baselbieter Wirtschaftskammer vom neuen Haus der Wirtschaft in Pratteln aus.

Seit genau einem Jahr operiert die Baselbieter Wirtschaftskammer vom neuen Haus der Wirtschaft in Pratteln aus.

Juri Junkov

Gewählt wurde schlicht die – offenbar – günstigste von wenigen logistisch überhaupt möglichen Varianten: das neue Tagungs- und Eventcenter der Wirtschaftskammer Baselland in Pratteln. Jener Wirtschaftskammer, die wegen der Affäre um die Schwarzarbeitskontrolle ZAK seit Jahren in der Kritik steht.

Rückforderungsansprüche der Baselbieter Regierung an die ZAK für unzureichende Leistungen im Jahr 2014 sind noch immer hängig.
Dass der Kanton in der Krise nun ausgerechnet bei dieser Organisation sein Parlament einquartiert und ihr zu Einnahmen verhilft, ist unbegreiflich.

Doch damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Landrat wäre auch in einem Gewerkschaftshaus oder im Auditorium eines Grossunternehmens fehl am Platz. Es geht um Grundsätzliches: Parlamentssitzungen müssen an einem möglichst neutralen, unparteilichen und staatlich sanktionierten Ort abgehalten werden.

Auf dem Spiel steht das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die demokratischen Institutionen. Gewiss: Der Baselbieter Landrat fällt keine anderen Entscheide, bloss weil er temporär an einem anderen Ort tagt. Verhängnisvoll ist es dennoch, das Signal, das vom Entscheid für den Tagungsort im «Haus der Wirtschaft» ausgeht. Es ist Wasser auf die Mühlen all jener, die in Diskussionen über den Kanton Baselland jeweils lauthals «Filz» schreien.

4 Kommentare
Thomas Zweidler

Wo sollen sie dann tagen? In BS in den tristen Messehallen. Wohl nicht sehr konstruktiv. Pratteln ist ein schöner Bau. Und an alle "Christoph-Buser-Hasser": Ist doch toll das so ein Verband gut für die Unternehmen, also für uns alle schaut.

Aktuelle Nachrichten