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Nichts gelernt aus der zweiten Welle

Werden die Bewohnenden in den Alters- und Pflegeheimen genug gut geschützt? Trotz erneuten Ausbrüchen wollen die Verantwortlichen keine weiteren Massnahmen.

Jonas Hoskyn
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Mehrere Corona-Schilder wurden damals in Basel von Massnahmenkritikern beschmiert und verunstaltet.

Mehrere Corona-Schilder wurden damals in Basel von Massnahmenkritikern beschmiert und verunstaltet.

Kenneth Nars

Als vor einem Jahr in der zweiten Welle das grosse Sterben in den Alters- und Pflegeheimen begann, konnte niemand wirklich überrascht sein. Doch statt sofort mit Massnahmen wie flächendeckendenden Tests in den Heimen zu reagieren, setzten die Behörden auf das Prinzip Hoffnung. Mit fatalen Folgen.

Umso unverständlicher ist die Zurückhaltung ein Jahr später. Während sich landesweit die Zertifikatspflicht etabliert hat, diskutiert man bei Pflegeheimen darüber, ob wöchentliche Spucktests für die Mitarbeitenden zu viel verlangt sind. Der Baselbieter Branchenverband Curaviva geht so weit, das Zertifikat für Besucher als «unnötige Einschränkung» für die Bewohnenden zu bezeichnen. Trotz Empfehlung des Baselbieter Kantonsarztes. Angesichts der rapide steigenden Zahlen nur noch ein Hohn. Bewohnende könnten das Pflegeheim auch verlassen und sich ausserhalb ohne 3 G-Pflicht mit Angehörigen treffen. Mit dieser Logik könnte man sämtliche Massnahmen streichen.

Vielleicht sollten mal die Bewohnenden gefragt werden, was sie bereit sind, auf sich zu nehmen, um die Chancen zu mindern, dass wieder Mitbewohner sterben und sie selber, wenn sie verschont bleiben, den Winter in wochenlanger Isolation im Zimmer verbringen müssen?

Gestern wurde bekannt, dass die Anzahl der Neueintritte in Alters- und Pflegeheime rapide gesunken ist. Wundert das ernsthaft jemanden?

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