Kommentar zu den Corona-Lockerungen
Der Sommer ist noch weit weg

Jeder Tag der Pandemie ist ein schlechter Tag für unsere Freiheit. Das beweist eine Sonderregelung der Basler Regierung.

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Szene aus der Vergangenheit: Die Steinenvorstadt im Juli 2020.

Szene aus der Vergangenheit: Die Steinenvorstadt im Juli 2020.

Bild: Juri Junkov

Findet der Winter unseres Missvergnügens nun bald ein Ende? Man mag es kaum glauben – der Bundesrat ist derselbe, der in den letzten Monaten zögerlich und vorsichtig agierte und der April bringt Temperaturen wie im Winter. Aber ja, tatsächlich: Es gibt Lockerungen. Keine wirklich spektakulären. Aber im Vergleich zu Deutschland, das grad Ausgangssperren verhängen will, und jenem in Frankreich, wo solche seit Monaten gelten, erscheint unser Regierungskollektiv unglaublich liberal.

Aber lassen wir uns nicht täuschen. Das bundesrätliche Mütchen dürfte rasch abkühlen, sollten die Fallzahlen wieder hochschnellen. Zudem müssen wir weiter wachsam bleiben und beobachten, wie es um unsere Demokratie und unsere Freiheiten bestellt ist. Die Basler Regierung etwa trägt die Lockerungsmassnahmen mit. Sie definiert aber mit der Steinenvorstadt gleich einen sogenannten Hotspot, wo Sonderrecht gilt.

Wir alle wissen, was vergangenen Sommer dort passiert ist, wie unvernünftig sich Hunderte von Partygängern verhalten haben. Und doch ist der regierungsrätliche Ukas problematisch. Wieso nicht auch das Rheinufer oder den Hafen einem Sonderrecht unterwerfen? Der Weg zu Wegweisungen oder Rayonverboten, wie ihn St. Gallen geprobt hat, ist kurz. Jeder Tag der Pandemie ist ein schlechter Tag für unsere Freiheitsrechte. Und der Sommer ist weiter weg, als wir glauben oder hoffen können.