Kommentar zur Sozialhilfe
Das Wohl der Schwachen

Die Sozialhilfe hat trotz Corona weniger zu tun. Das ist ein gutes Zeichen.

Michel Ecklin
Michel Ecklin
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War nicht so häufig nötig wie befürchtet: Der Gang zur Sozialhilfe.

War nicht so häufig nötig wie befürchtet: Der Gang zur Sozialhilfe.

Nicole Nars-Zimmer

Drei Prozent: Um so viel ist die Anzahl der Sozialhilfebezüger in der Nordwestschweiz seit 2019 gesunken. Man reibt sich die Augen. Ja, die Zahl ist tatsächlich tiefer als noch vor Beginn der Pandemie. Dabei waren die Prognosen vor einem Jahr noch finster. Aufgrund der Wirtschaftsflaute würden die Sozialhilfezahlen explodieren, meinten Experten. Jetzt ist genau das Umgekehrte eingetreten. Und die Nordwestschweiz steht im schweizweiten Vergleich exzellent da.

Einerseits wirken die grosszügigen Coronahilfsmassnahmen von Bund und Kantonen. Andererseits zeigt sich, wie robust das wirtschaftliche Gefüge gerade in der Nordwestschweiz ist. Trotzdem gibt es Pandemiever­lierer. Gerade für Kleinunternehmer ist die Lage immer noch unsicher. Und viele in den Tieflohnbereichen fragen sich, wie lange sie es aushalten, ohne beim Sozialamt antraben zu müssen. Die düsteren Prognosen für 2022 könnten sich diesmal bewahrheiten.

Aber positiv zu werten ist: Wir haben es bisher geschafft, die aus der Pandemie entstehende Not nicht einfach auf diejenigen zuunterst in der sozialen Pyramide abzuwälzen. Die Hilfsmassnahmen haben grösstenteils gegriffen. Es ist zu hoffen, dass das so bleibt. An den 1.-August-Reden in wenigen Tagen wird vielerorts das Zitat aus der Bundesverfassung zu hören sein, dass «die Stärke des Vol­kes sich misst am Wohl der Schwachen». Noch selten war der Spruch so aktuell wie heute.

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