Strafgericht
Konkursiter Bauunternehmer aus Giebenach muss nicht ins Gefängnis - doch der Staat schnappt sich sein Haus

Die Anklageschrift ist 55 Seiten dick. Bauunternehmer aus Giebenach liess über Jahre diverse Kleinfirmen Konkurs gehen, zog rechtzeitig Gelder ab und leistete auch keine Sozialversicherungsbeiträge für seine Arbeitnehmer. Teile seiner Liegenschaft überschrieben er Verwandten.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
Strafgericht

Strafgericht

bz Basellandschaftliche Zeitung

Jahrelang schummelte ein Bauunternehmer aus Giebenach bei Konkursverfahren, nun hat er eine bedingte Freiheitsstrafe aufgebrummt erhalten. Gleichzeitig wird zur Deckung seiner massiven Schulden sein Haus eingezogen und verwertet. Abgesehen von wenigen Nebenpunkten folgte das Baselbieter Strafgericht gestern Mittwoch der Anklage und verurteilte den 46-jährigen konkursiten Bauunternehmer zu einer bedingten Freiheitsstrafe. Es gab Verurteilungen wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Misswirtschaft, Gläubigerschädigung, Unterlassen der Buchführung, Veruntreuung von Quellensteuern und weiterer Delikte.

Der Mann liess über Jahre hinweg diverse Kleinfirmen vor allem im Gerüstbau Konkurs gehen, zog rechtzeitig Gelder ab und leistete auch keine Sozialversicherungsbeiträge für seine Arbeitnehmer. Beim Strafmass war man am Mittwoch relativ milde, die Staatsanwaltschaft hatte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren beantragt. Das Gericht teilte die Strafen in Freiheits- und Geldstrafe auf und sprach eine technische Zusatzstrafe zu einem früheren Urteil. Unter dem Strich bedeutet das für den Mann: 18 Monate bedingt sowie 210 Tagessätze zu 90 Franken bedingt. Dazu kommen Verfahrenskosten (54'000 Franken) und eine Gerichtsgebühr (20'000 Franken).

Haus an Verwandte überschrieben

Richtig ins Geld gehen allerdings die Nebenpunkte des Urteils: Die illegal aus den Firmen gezogenen Gelder flossen teilweise in eigene Liegenschaften, das Strafgericht ordnete die Verwertung eines Hauses in Giebenach an. Zu Ersatzforderungen an den Staat von über 100'000 Franken wurden teilweise auch solidarisch die Ehefrau und der Bruder des Verurteilen verdonnert, weil er Teile der Liegenschaft seinen Verwandten überschrieben hatte. Ob damit sämtliche Forderungen des Staates erfüllt werden können, blieb unklar, Gerichtspräsident Daniel Schmid verlor sich in der über drei Stunden dauernden Urteilseröffnung hauptsächlich in Details.

Wie bei allen Wirtschaftsverfahren wurden Dutzende von Ordner mit Akten gefüllt, alleine die Anklageschrift ist 55 Seiten dick. Die Vorwürfe datieren hauptsächlich von 2011 und 2012, was zu einer leichten Strafminderung führte. Das Beschleunigungsgebot sei aber nicht verletzt worden, so das Gericht. Strafverschärfend wirkte sich aus, dass der 46-Jährige trotz hängigem Strafverfahren weiter delinquierte. Er kann das Urteil noch weiterziehen.