Kriminal-Statistik
So wenig Einbrüche wie nie, doch mehr Jugend-Kriminalität: Corona macht der Baselbieter Polizei die Arbeit leichter und schwerer

Die Baselbieter Polizei präsentierte am Mittwoch ihre Kriminal-Statistik 2020. Trotz leicht mehr Straftaten ist der Kanton nach wie vor einer der sichersten der Schweiz. Doch es gibt einige Besonderheiten im Landkanton.

Benjamin Wieland
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Corona führte 2020 zwar zu weniger Diebstählen, dafür hatte die Baselbieter Polizei vermehrt mit kriminellen Jugendlichen zu tun.

Corona führte 2020 zwar zu weniger Diebstählen, dafür hatte die Baselbieter Polizei vermehrt mit kriminellen Jugendlichen zu tun.

Zvg/ Polizei Basel-Landschaft

Wenn die Grenzen geschlossen sind und die Menschen fast immer zuhause, dann nehmen die Einbrüche ab, ebenso die Verkehrsunfälle. Dafür besuchen einen die Kriminellen halt online. Und die Jugendlichen lässt die Situation auch nicht kalt. So lässt sich auf den Punkt bringen, wie die Corona-Pandemie die Polizeiarbeit im vergangenen Jahr verändert hat. Das war auch im Kanton Baselland nicht anders, wie die am Mittwoch präsentierte Kriminalstatistik 2020 zeigte.

Im Total nahmen die polizeilich erfassten Straftaten im Jahr 2020 im Kanton Baselland im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent oder 343 Fällen zu, von 11'594 auf 11'937. 88 Prozent aller Delikte richteten sich gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches, 70 davon gegen das Vermögen – das sind vor allem Diebstähle.

Kriminalitätsbelastung in Baselland liegt klar unter dem Landesdurchschnitt

Das Baselbiet bleibt ein sicherer Kanton – gerade auch im Vergleich mit der restlichen Schweiz. Die Kriminalitätsbelastung erhöht sich zwar ganz leicht auf 36 Straftaten pro 1'000 Einwohner. Das ist jedoch weiter unter dem Landesdurchschnitt von 49. Zum Vergleich: Basel-Stadt verzeichnet 103 Straftaten pro 1000 Einwohner, Solothurn deren 55 und der Aargau 35.

«Corona hat uns alle im vergangenen Jahr sehr gefordert», sagte Regierungsrätin und Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer (SP) an der Online-Medienkonferenz. Besonders die Zunahme häuslicher Gewalt gelte es im Auge zu behalten. Doch:

«Trotz aller Zusatzbelastungen gehört der Kanton Basel-Landschaft weiter zu den sichersten Kantonen der Schweiz.»

Gewaltstraftaten nahmen um 11 Prozent zu, wobei die Zunahme zu einem grossen Teil auf minderschwere Delikte wie Drohungen und einfache Körperverletzungen zurückzuführen war. Vergewaltigungen (16 Fälle, im Vorjahr 13 Fälle) nahmen leicht, sexuelle Nötigungen (20, Vorjahr 7) aufgrund der neuen Erfassungsmethode (Ausgangsdatum) überdurchschnittlich zu, bewegten sich aber nach wie vor um die langjährigen Mittelwerte. Die Anzahl Raubdelikte war praktisch unverändert (24, im Vorjahr 25 Fälle). 84 (im Vorjahr 83) Prozent aller einer Gewaltstraftat verdächtigten Personen waren männlich.

Einbrüche nahmen erneut ab, nämlich um 75 Fälle (-9%). Laut Sicherheitsdirektion ist man jetzt auf einem historischen Tiefstand angelangt. Vorbehaltslos vergleichen lassen sich die Zahlen vor 2006 wegen der damals geänderten Erfassungsmethode nicht, doch es lässt sich in der Tat sagen: Einbrecher machen mittlerweile einen grossen Bogen um Baselland.

Kriminalität der Jugendlichen stieg an

Die Polizei musste wegen häuslicher Gewalt etwas häufiger intervenieren, 710 Fälle wurden gezählt, 2019 waren es 680, «wobei sich statistisch kein eindeutiger Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erkennen lässt», schreibt die Sicherheitsdirektion.

Die polizeilich in Baselbiet erfassten Delikte gegen das Strafgesetzbuch durch jugendliche Tatverdächtige stiegen um 4 Prozent, sogar 33 Prozent betrug die Zahl der 15- bis 19-jährigen Tatverdächtigen im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität. Bei den Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie müsse der Regierungsrat stets die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche im Auge behalten, sagte Kathrin Schweizer. Gerade, wenn das Freizeitangebot stark beeinträchtigt sei, habe das wohl einen negativen Effekt auf die Jugenddelinquenz.

Weniger Unfälle, da auch weniger Verkehr – dafür mehr Verkehrstote

Die Polizei registrierte 10 Prozent weniger Verkehrsunfälle. Ihre Zahl nahm um 104 auf 926 ab. Demgegenüber sind im vergangenen Jahr jedoch 9 Personen auf Baselbieter Strassen ums Leben gekommen, 2019 hatte diese traurige Zahl noch bei 5 gelegen. Die Zahl der Schwerverletzten nahm ebenfalls zu, von 51 im Jahr 2019 auf 68.

Die Verkehrspolizei nennt ein grosses Sorgenkind: Die Zweiräder. Gerade bei den elektronisch betriebenen oder unterstützten Zweirädern beobachte man einen Boom, damit nähmen auch die Unfälle zu, sagte Bernhard Baumgartner, Chef Verkehrspolizei ad interim, und kündigte Massnahmen an:

«Insbesondere haben wir festgestellt, dass Unfälle mit Fahrrädern, E-Bikes und Mofas knapp 60 Prozent der Unfälle mit Zweirädern ausmachen. Deshalb fokussieren wir dieses Jahr unsere Präventions- und Kontrollanstrengungen auf den Langsamverkehr».