Club-Szene
Kulturgastronom Claude Gaçon: «Das war überhaupt nicht meine Welt»

Nach sechs Jahren ist Schluss: Kulturgastronom Claude Gaçon hat den Sud-Club an die Rhyschänzli GmbH verkauft. Nun spricht er über die Gründe.

Rahel Koerfgen
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Claude Gaçon (links) mit Nikhil Bigler in der Cargobar.

Claude Gaçon (links) mit Nikhil Bigler in der Cargobar.

Nicole Nars-Zimmer

Plötzlich wird es düster in der Cargobar. Es rumpelt und knallt draussen, und dann kommt Regen. Sintflutartiger. So stark, dass man den Rhein fast nicht mehr sieht, wenn man durch die kleinen Fenster auf den St. Johanns-Rheinweg späht. Ein paar Minuten später ist der Spuk vorbei, das Gewitter zieht weiter. Der Nachmittag wird wieder hell, und drinnen steht Geschäftsleiter Nikhil Bigler gedankenversunken an der Bar und wischt den Tresen. Auch Cargobar-Inhaber Claude Gaçon ist da, schenkt sich Orangenlimonade ein. Er wirkt erleichtert, als er sagt: «Es hat mir einfach keinen Spass mehr gemacht.»

Damit meint Gaçon den Sud-Club. Erst vor sechs Jahren hatte der Gastrounternehmer zusammen mit Bigler und zwei weiteren Freunden die Räume der ehemaligen Warteckbrauerei übernommen, als grosse Ergänzung zur Cargobar. Und nun hat er bereits wieder verkauft: Per 1. Juni 2017 übernimmt die Rhyschänzli GmbH, wie die «BaZ» berichtet hat. Die Gründe für den Verkauf waren indes unklar. In der Gastroszene munkelt man, Gaçon habe kein Geld mehr, weil der Sud-Club nicht gut gelaufen sei. «Alles Quatsch», sagt Gaçon. Klar, er habe viel reingesteckt, der Bau der grossen Galerie und des Fumoirs, des grössten in Basel, habe ihn mehrere 100 000 Franken gekostet. «Es stimmt, verdient habe ich mit dem Club unter dem Strich nichts. Aber es geht vielmehr darum, dass ich die Pläne, die ich mit dem Sud hatte, leider nicht umsetzen konnte.»

Das Haus war nie voll

Gaçon und Bigler schwebte für das Sud hauptsächlich ein Konzert- und Barbetrieb vor, mit guten Acts und vollem Haus. Die guten Acts kamen auch, «Perlen», wie Gaçon mit verklärtem Blick sagt. Stiller Has etwa, oder das deutsche Folktronica-Duo Milky Chance. Aber das Haus wurde nie richtig voll. Das mag erstaunen, ist die Konzertszene in den Basler Bars in den vergangenen Jahren doch zu neuem Leben erwacht – zumindest im Mikrobereich. In der «8bar» an der Rheingasse etwa oder in der Retro-Bar Flore an der Klybeckstrasse.

«Es stimmt, in den Bars laufen die Konzerte gut. Im Sud war das nicht der Fall. Das Problem liegt am Format des Clubs», sagt Bigler. Im Sud hätten 400 Leute Platz und nicht nur 50 wie in einer kleinen Bar: «Das Sud hat eine schwierige Zwischengrösse für Live-Gigs. Es ist zu gross für kleine, eher unbekannte Acts, und zu klein für grössere, kommerziellere Bands. Da haben wir uns verkalkuliert.» Als Folge nahm die Zahl der Konzerte rasch ab, dafür wurde das Sud als Club mit Partyreihen wie etwa «Apollo 80’s» oder dem «Electro Swing Club» gut gebucht und vom Partyvolk besucht. «Aber das ist überhaupt nicht meine Welt, und das war ja auch nicht der Plan. Das Geld musste dennoch irgendwie reinkommen», sagt Gaçon.

Auch von der Lage haben sich Gaçon und Bigler mehr erhofft. Diese sei, retrospektiv gesehen, «einfach nicht sexy», sagt Gaçon. Der Club befinde sich in einem Wohnquartier, entsprechend habe es auch immer wieder Probleme mit der Nachbarschaft gegeben. Und für die meisten Ausgangswilligen liege das Sud nicht auf dem Weg, man müsse sich bewusst für einen Besuch entscheiden. Zudem habe man mit den anderen Akteuren auf dem Warteckareal nicht Synergien nutzen können, «das war eher ein Gegeneinander, leider», so Gaçon. So sei er von allen Seiten unter Druck geraten, was zum Verkauf geführt habe. Mit der Rhyschänzli GmbH habe man «einen fairen Preis» aushandeln können, sagt Gaçon.

Was für Konsequenzen hat der Verkauf des Sud-Clubs nun für die Cargobar? «Nur positive», behauptet Bigler. Er steckt mitten in den Vorbereitungen fürs grosse Jubiläum: Am 26. August wird das 20-Jährige gefeiert, kündigen die beiden erstmals an. Die Programmdetails für diesen Tag will Bigler noch nicht verraten. Aber über die Zukunft redet er gerne: So will er vor Ort wieder mehr Konzerte organisieren – im kleinen, exklusiven Rahmen. «Weniger rockige und punkige wie früher, dafür mehr Jazz- und Blues-Konzerte, auch Singer-Songwriter-Gigs. Das passt zur Ambiance hier, und für die Nachbarn ist das vom Lärmpegel her auch okay.»