Kunst
Wie der Maler Rudolf Maeglin den Wandel des Basler Stadtbildes dokumentiert hat

Zum 50. Todestag des Basler Künstlers erscheint eine Publikation – und gleich drei Galerien stellen seine Werke aus.

Christoph Dieffenbacher
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Rudolf Maeglin: «Ciba Baustelle», 1938.

Rudolf Maeglin: «Ciba Baustelle», 1938.

Gina Folly

Er gilt als einer der vielen Verkannten der Schweizer Kunst: Rudolf Maeglin (1892–1971) suchte im Leben wie im Werk immer wieder neue Wege, strebte nach Authentizität und persönlichem Stil. Aus grossbürgerlicher Basler Familie stammend, hatte er den Arztberuf aufgegeben, um Künstler zu werden. Es folgten Studien in Paris, mehrere Reisen in Europa und harte Arbeitsjahre als Handlanger und Hilfsarbeiter in Basel.

Dann zog er sich als 44-Jähriger zeitlebens in sein Atelier in Kleinhüningen zurück. Der Maler und Grafiker konnte nun von seiner Kunst leben, erhielt auch Aufträge für öffentliche Wandbilder und Glasmalereien. Als Mitbegründer der politisch motivierten Basler Künstlervereinigung «Gruppe 33» war Maeglin zwar einigermassen vernetzt, künstlerisch blieb er jedoch ein Einzelgänger.

Gerüste, Baukräne und Gaswerke

Maeglin war hierzulande einer der wenigen Maler, die sich fast ausschliesslich der Arbeitswelt widmeten. «Die Welt der Chemiearbeiter wie überhaupt der Industriearbeiter ist in jeder Hinsicht eine Welt für sich und soll als hervorragend malerische Welt überhaupt dargestellt werden», hielt er fest. Seine grossen Bildthemen waren zunächst die riesigen Baustellen und die stickigen Fabrikhallen, Hochhäuser und Hafenanlagen.

Die industriellen und öffentlichen Neubauten seiner Umgebung – wie die Ciba oder die erste Dreirosenbrücke – müssen ihn ungemein fasziniert haben. Sandhaufen, Gerüste, Baukräne und Gaswerke: Er wollte alles akribisch genau festhalten und dokumentieren, und sein Blick war neutral und unsentimental. Nirgends erkennbar ist Kritik an den harten Arbeitsbedingungen, die hier herrschten. Im Spätwerk kamen ab den 1940er-Jahren einfache Porträts vor allem junger Menschen dazu.

Rudolf Maeglin: «Neubau des Ateliers», 1947.

Rudolf Maeglin: «Neubau des Ateliers», 1947.

Gina Folly

Stilistisch lässt sich Maeglin nicht leicht einordnen, es gibt in seinem Werk mehrere Brüche. Die frühen, farblich zurückhaltenden Industriebilder nehmen formal die baulichen Konstruktionen auf und sind stark von der Neuen Sachlichkeit geprägt. Dazwischen finden sich Ausflüge in den Expressionismus – die Kompositionen werden freier und farbiger. Und viele der späteren, nahezu zweidimensionalen Porträts wirken trotz ihrer unübersehbaren Naivität kräftig und ausdrucksstark. Die letzten Lebensjahre waren von Krankheit geprägt: Der Künstler soll sein einfaches Atelierhaus kaum mehr verlassen haben.

Viele Grossbauten wieder abgebrochen

Zum 50. Todestag am 2. April wird Maeglins Lebenswerk in einer neuen, reich bebilderten Publikation und in Ausstellungen in drei Basler Galerien gewürdigt. Neben den von Kunstmuseum und Kunstkredit angekauften Werken findet sich ungewöhnlich vieles in Privatbesitz. Die Buchtexte (Alain Claude Sulzer, Emanuel Christ, Reto Thüring und Zora del Buono) versuchen, sich dem Werk und der komplexen Persönlichkeit des Künstlers zu nähern; besonders lesenswert sind die einzelnen Bildbeschreibungen.

Da wird auch klar: Mit Maeglins Bildern lassen sich die baulichen Veränderungen des Basler Stadtbilds zwischen 1930 und 1960 Revue passieren. Viele der Grossbauten sind inzwischen bereits dem Abbruch zum Opfer gefallen.

Galerien Knoell, Nicolas Krupp, Mueller (Hg.), Rudolf Maeglin, Maler/Painter. Christoph Merian Verlag, Basel 2021. 268 S. Die Ausstellungen in den drei Galerien Knoell, Nicolas Krupp und Mueller sind ab heute geöffnet und dauern bis 15. Mai bzw. 12. Juni.