Die Zukunft des Landhof-Areals bleibt ein heisses Eisen. Heute wird sich die Jury in einer erstmals öffentlichen Sitzung in der BLG-Lagerhalle Erlenmatt mit den 5 von 49 verbliebenen Projekten für einen öffentlichen Grünraum auseinandersetzen. Medienberichte wollte das federführenden Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) ursprünglich nur zulassen, wenn die Jury sie vor der Publikation prüfen kann («Schweiz am Sonntag» von gestern).

Nur noch fünf in der Auswahl

Zur Kritik an der «Vorzensur», wie die Zeitung das nannte, kommen jetzt auch noch Vorbehalte gegenüber dem Auswahlprozedere, das zu den fünf Vorhaben führte. So heisst es auf dem Basler Blog «Infamy»: «An der öffentlichen Jurierung morgen stehen nur noch 5 zur Diskussion. Gut informierte Kreise schütteln bereits den Kopf über die Auswahl.» Eine Aussage, die eine weitere Person aus diesen Kreisen gegenüber der bz bestätigte.

Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Region Basel, Mitglied des Initiativkomitees «Der Landhof bleibt grün» sowie der Begleitgruppe zur Landhofentwicklung, hat zwar den Eindruck gewonnen, dass die Auswahl korrekt gelaufen sei, stellt aber auch fest: «Zwischen den konkreten Bedürfnissen der Leute, die den Landhof nutzen und den planerischen Ansprüchen der Architekten liegen Welten.»

Nur letzter Tag öffentlich

Müller merkt an, dass die Öffentlichkeit letztlich ja nur am letzten Sitzungstag der Jury teilnehmen darf; wenn es also nur noch um die letzten 5 zu diskutierenden Projekte geht. «Infamy» sieht das ähnlich: «Zudem wurden, ganz ‹old school›, von den 49 eingereichten Vorschlägen im Vorfeld hinter (halb)verschlossenen Türen bereits 90 Prozent eliminiert.»

Das BVD bezieht sich bei seinem Versuch, die Medienberichterstattung einzuschränken, auf die Vorgaben des Schweizerischen Ingenieurs- und Architektenvereins (SIA). Damit die Jury nicht beeinflusst wird, schreibt er vor, dass Medien über öffentliche Jurierungen nur in Absprache mit der Jury berichten dürfen.

Zensuridee ist naiv

Jost Müller glaubt nicht, dass es dem BVD gelingen wird, die Vorzensur durchzusetzen. «Das ist naiv und kontraproduktiv.» BVD-Vorsteher Hans-Peter Wessels (SP) räumt ein, dass seine Verwaltung bei dem Thema Medienberichte «ein bisschen überreagiert» habe und versichert, dass es eine Vorzensur nicht geben werde. «Ich würde mich freuen, wenn die Medien über die Arbeit der Jury und die fünf relativ unterschiedlichen Projekte berichten.»

Wessels ist sich bewusst, dass im Zeitalter von Twitter gar nicht verhindert werden könne, dass Informationen nach aussen dringen. Kommt die Jury zu einem Entscheid, erfahren Medien und Anwesende, welches Projekt gewonnen hat. Von wem es stammt, wird allerdings erst morgen Dienstag kommuniziert. Die Kritik an der Auswahl der fünf Projekte hält der Regierungsrat für «logisch und zu erwarten».