Rauchverbot

Langsam zieht frische Luft in die fasnächtlichen Cliquenkeller

Im Keller der Aagfrässene beugt man sich dieses Jahr erstmals dem Rauchverbot.Andreas Maurer

Im Keller der Aagfrässene beugt man sich dieses Jahr erstmals dem Rauchverbot.Andreas Maurer

In den meisten Basler Cliquenkellern wird das Rauchverbot eingehalten. Die Kellerwirte haben mehrheitlich gute Erfahrungen damit gemacht. Dort wo noch gequalmt werden darf, gibt es hingegen regelrechten Grossandrang.

Die Abstimmung von Ende November zeigt Wirkung. Mit der Absage an eine Lockerung des Rauchverbots hat das Stimmvolk den strengen Basler Kurs bestätigt. Das hat einigen Kellerwirten Eindruck gemacht. Noch im letzten Jahr liessen die Aagfrässene ihre Gäste im gemütlichen Gewölbekeller ihren Lastern frönen – ungeachtet des seit April 2010 geltenden Rauchverbots. Dieses Jahr haben die Verbotsschilder aber auch im Keller der Aagfrässene Einzug gehalten.

Kellerwirt Philipp Tschudi ist froh darüber, obwohl seine gesamte Equipe und ein grosser Teil der Gäste aus leidenschaftlichen Rauchern bestehen. «Wer hier drei Nächte hintereinander im Rauch arbeitet, kommt danach nicht um Halsweh herum», sagt Tschudi. Bisher stelle die Durchsetzung des Rauchverbots kein Problem dar, meint er am Montagabend, als sein Keller noch «vor allem von Fasnachtstouristen» bevölkert wird. «Spät nachts, wenn dann die Cliquen kommen, wird die Einhaltung des Rauchverbots eher zum Thema», räumt Tschudi ein. Er rechnet damit, dass einige aktive Fasnächtler für die neuen Verbotsschilder nur Spott und Hohn übrighaben werden: «Wir werden diese Leute freundlich bitten, nicht zu rauchen. Wir rufen aber nicht die Polizei, wenn jemand unbeirrt weiter qualmt.»

Der Spalekäller bleibt Fümoar treu

In anderen Cliquenkellern hingegen wird weitergeraucht wie eh und je. Am Eingang des Spalekäller etwa prangt wie schon im letzten Jahr das feuerrote Fümoar-Zeichen. Ob man tatsächlich Mitglied des Basler Raucherclubs ist, kontrolliert das Personal nicht konsequent. Mitglied wird man hier wie in anderen Kellern sowieso mit einem Fingerschnippen. Das Personal verteilt kostenlose Schnuppermitgliedschaften: Fümoar-Karten, die nur während der Fasnacht gelten. Die rar gewordenen Raucherhöhlen entsprechen offenbar einem grossen Bedürfnis: In der rauchgeschwängerten Luft des Spalekäller ist jeder Platz besetzt – auch auf der Treppe.

Trotzdem wird das Rauchen nur in wenigen Fasnachtskellern und -beizen toleriert. Schon im letzten Jahr waren die Nichtraucherlokale klar in der Mehrheit. Dieses Jahr sind es noch mehr.

Wer das Verbot bereits im letzten Jahr eingeführt hat, hält in der Regel auch dieses Jahr daran fest. Dazu gehört Denise Grossmann, Wirtin der Spalungge. Ihr rauchfreier Keller, der zwischen Markt- und Barfüsserplatz liegt, wird wie der verrauchte Spalekäller am Spalenberg von der Spale-Clique betrieben. Als Wirtin war Grossmann bei ihrem Entscheid frei. «Früher war es selbstverständlich, dass man in der Spalungge rauchte. Heute ist es selbstverständlich, dass man nicht raucht», zieht sie Bilanz. Sie ist sehr froh darum: «Früher habe ich nach der Fasnacht aus allen Poren nach Rauch gestunken.» Nach den drey scheenschte Dääg litten sie und ihre Kolleginnen zudem wegen des exzessiven Passivrauchens jeweils an Nasen- und Augenhöhlenentzündungen: «Wir waren alle krank.» Denn obwohl in der Spalungge jahrelang geraucht wurde, eigne sich der Keller überhaupt nicht dafür: «Da wir keine Lüftung haben, zogen die Rauchschwaden nicht ab.» Dass sich die Raucher heute vor dem Eingang versammeln, sei kein Problem: «An der Fasnacht sind die Anwohner kulant.»

Wahlfreiheit sei am besten

Die Stimmung der Gäste leide durch das Rauchverbot laut Grossmann überhaupt nicht – ebenso wenig der Umsatz. «Das Wetter spüren wir stärker. Derzeit ist es perfekt für uns: schön, aber kühl.»

Trotz ihrer Freude über das Rauchverbot bedauert Grossmann, dass es künftig in Basel wahrscheinlich überhaupt keine Raucherhöhlen mehr geben wird: «Am besten finde ich, wenn die Raucher wie heute Ausweichmöglichkeiten haben.»

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