Liestal
«Macht ja keinen Mist mit unserer Kaserne»

Verteidigungsminister Ueli Maurer muss sparen und lässt deshalb auch die Schliessung von Waffenplätzen prüfen. Zur Debatte steht auch die Kaserne Liestal.

Daniel Ballmer
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Kaserne Liestal

Kaserne Liestal

Schweiz am Sonntag

«Die Frage nach der Zukunft der Kaserne Liestal habe ich mir auch sofort gestellt», sagt der Baselbieter SVP-Nationalrat Christian Miesch. Anfang dieser Woche hat Verteidigungsminister Ueli Maurer bekannt gegeben, dass die Schweizer Armee künftig rund eine Milliarde Franken im Jahr einsparen muss.

Denn gemäss dem vom Gesamtbundesrat abgesegneten Armeebericht soll die Armee von 120000 auf 80000 Mann reduziert werden. Und sie darf in Zukunft höchstens noch 4,4 Milliarden Franken im Jahr kosten.

Kaserne Liestal steht auf der Kippe

Maurer hat nun Armeechef André Blattmann beauftragt, bis in einem Jahr Sparpotenzial aufzuzeigen. Dabei seien «einschneidende Konsequenzen» zu erwarten. Überprüft werden sollen auch sämtliche Waffenplätze, um zu entscheiden, welche geschlossen werden müssen. «Auf regionalpolitische Überlegungen können wir keine Rücksicht mehr nehmen», sagt Maurer. «Ich hatte gerade die Gelegenheit, mit den Herren Maurer und Blattmann bei einem Kaffee zu sprechen», kommentiert Miesch, der selber Mitglied der nationalrätlichen Sicherheitskommission ist. «Ich habe den beiden gesagt: Macht ja keinen Mist mit unserer Kaserne.»

Sorgen bereiten die angekündigten Sparpläne auch Regula Gysin: «Die Kaserne gehört einfach zu Liestal. Wir sind eine Garnisonsstadt und möchten es auch bleiben», sagt die Liestaler Stadtpräsidentin. Zudem wolle niemand plötzlich eine Brache direkt neben dem Stadtzentrum haben. Die Kaserne habe für die Stadt Liestal aber auch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung. «Zulieferfirmen und Gastronomiebetriebe profitieren natürlich sehr», betont Gysin.

Geld aus dem Fenster geworfen?

Gegen eine Schliessung spreche zudem, dass die Kaserne Liestal erst vor rund sechs Jahren für 43,7 Millionen Franken umgebaut und erweitert worden ist. Heute bietet die klassische Mannschaftskaserne rund 480 Kadern und Rekruten Platz. An der Infanterie-Rekrutenschule werden vor allem Aufklärungs-, Führungsstaffel- sowie Sicherungssoldaten ausgebildet.

Und: Von einer allfälligen Schliessung der Kaserne Liestal wären alleine seitens des Bundes mit Berufs- und Zeitmilitärs sowie Zivilangestellten 55 Stellen bedroht.

Schwere Bedenken aber gebe es auch innerhalb der Armee, weiss Gysin. Erst diesen Mittwoch habe die Stadtpräsidentin den Schulkommandanten der Kaserne Liestal an einer militärischen Entlassungsfeier angetroffen. Und dieser habe sich ebenfalls sehr besorgt über die Sparpläne geäussert.

Von Oberst Hans Widmer selber war keine Stellungnahme zu erhalten. Originalton VBSInformationschef Sebastian Huber: «Der Schulkommandant hat zu diesem Thema gar nichts zu sagen.»

Sicherheitsdirektion nimmt es gelassen

Gelassen reagiert die Baselbieter Sicherheitsdirektion. Sie habe bisher keinerlei Hinweise darauf, dass mit der Kaserne Liestal irgendetwas passieren könnte, lässt Regierungsrätin Sabine Pegoraro ausrichten. Sie sei denn auch zuversichtlich, dass der Waffenplatz im Baselbiet vom Bund auch weiterhin betrieben werde; immerhin sei er der einzige nördlich des Juras. «Auch hat die Infanterie ja schon heute zu wenig Ausbildungsplätze. Aus diesem Grund gebe es für die Baselbieter Behörden derzeit keinen Grund, mit dem Bund das Gespräch zu suchen.

Optimistisch ist auch Sicherheitspolitiker Miesch. «Die Infanterie ist vom Sparprogramm wohl weniger gefährdet», vermutet auch er. Bis das Bundesparlament über den Armeebericht entscheidet, werde ihre Bedeutung gegenüber dem vorliegenden Entwurf wohl eher noch verstärkt.

Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage dürfte diese vorab im Objektschutz und beim Schutz vor einer allfälligen Terrorgefahr eingesetzt werden. Abgebaut werde voraussichtlich eher bei den Panzern und der schweren Artillerie. «Wir müssen aber sicher am Thema dranbleiben, um letztlich nicht doch noch unangenehm überrascht zu werden.»