Coronakrise
Maskendebakel in der Region? Beide Basel hatten vor der grossen Krise kaum welche vorrätig

Basel-Stadt hatte bei der letzten Erhebung im Jahr 2016 nur 65 Prozent der nötigen Atemschutzmasken vorrätig, Baselland nur 22 Prozent. Gleichzeitig wurden gesamtschweizerisch die Schutzbestimmungen fürs Spitalpersonal heruntergesetzt.

Leo Eiholzer
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Die beiden Basel zählten zu jenen zwanzig Kantonen, die viel weniger Schutzmasken auf Lager hatten, als es eigentlich gebraucht hätte.

Die beiden Basel zählten zu jenen zwanzig Kantonen, die viel weniger Schutzmasken auf Lager hatten, als es eigentlich gebraucht hätte.

Christian Beutler

Es nagt am Selbstverständnis der Schweizer: Wie kann es sein, dass im notorisch übervorbereiteten Land während der Corona-Krise die Schutzmasken für die Leute an der Front, die Ärzte, die Pfleger, die Spitex-Mitarbeiter, knapp werden?

Die beiden Basel zählten zu jenen zwanzig Kantonen, die viel weniger Schutzmasken auf Lager hatten, als es eigentlich gebraucht hätte. Zumindest bei der letzten Erhebung im Jahr 2016 und wohl auch kurz vor Beginn der Pandemie.

Kantonaler Pandemieplan sprach bereits von «Defizit»

Die Berechnungen des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung waren klar: Basel-Stadt würde bei einer Grippe-Pandemie alleine für das Gesundheitspersonal 35000 Masken der Klassen FFP2 oder FFP3 brauchen. Ihr Filter schützt im Gegensatz zu den herkömmlichen Hygienemasken viel besser vor einer Infektion. Die Spitäler und der Kanton hatten aber nur 22610 Masken in den Lagern. Der Kanton vermerkte dies im eigenen Pandemieplan als «Defizit». Es scheint, als hätte er in den Folgejahren aber nicht viel dagegen unternommen, obwohl der Pandemieplan fast prophetisch voraussagte, dass das Schutzmaterial global «innert kürzester Frist zur Mangelware» werde.

Im einen Bereich gab es einen Überschuss, bei den Atemschutzmasken hatte es deutlich zu wenig – Auszug aus dem Pandemieplan von Basel-Stadt.

Im einen Bereich gab es einen Überschuss, bei den Atemschutzmasken hatte es deutlich zu wenig – Auszug aus dem Pandemieplan von Basel-Stadt.

Screenshot

Baselbiet stand noch schlechter da

Im Baselbiet sah es noch trüber aus: Es waren nur 22 Prozent der Masken vorrätig, die man für das Gesundheitspersonal im Falle einer Pandemie brauchen würde. Konkret 5100 statt 23000 Masken. Die Tamedia-Zeitungen publizierten die Zahlen aller Kantone am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe.

Anstatt ein eigenes Lager anzulegen oder die Spitäler zu genügenden Vorräten zu verpflichten, unterbreitete das Bundesamt nach Sichtung der Ergebnisse bloss Empfehlungen. Die Spitälern und sonstigen Gesundheitseinrichtungen müssen dafür sorgen, dass es genug Masken hat. Der Bundes-Pandemieplan sieht viereinhalb Monate des Normalbedarfs vor. Den Kantonen oblag die «Regelung» und «Beaufsichtigung».

Pandemieplan Basel-Stadt

Kanton hat keine Schätzungen über Bestand

Laut dem Basel-Städtischen Kantonsarzt Thomas Steffen hat sich der Maskenbestand nach 2016 bis zum Beginn der Pandemie nicht gross verändert. «Gegebenenfalls könnte in den medizinischen Institutionen eine Lageranpassung gegen oben stattgefunden haben», sagt Steffen – darüber habe man aber keine Schätzungen. Auf die Frage, warum der Kanton den 2016 errechneten Sollbestand nicht sichergestellt hat, verweist er auf die hohen Bestände an Hygienemasken und Schutzhandschuhen. Lediglich ein Produkt – die schützenden Atemschutzmasken – lag unter dem Referenzwert, so Steffen.

Kantonsarzt Thomas Steffen: Maskenbestand hat sich nach 2016 bis zum Beginn der Pandemie nicht gross verändert.

Kantonsarzt Thomas Steffen: Maskenbestand hat sich nach 2016 bis zum Beginn der Pandemie nicht gross verändert.

bz

Rolf Wirz, Mediensprecher des Krisenstabs des Kantons Basel-Landschaft sagt, dass die Quote von 22 Prozent nach der Umfrage 2016 auf rund 40 Prozent des Sollbestandes erhöht wurde. Also waren laut Wirz vor der Pandemie in Baselland bei allen Gesundheitseinrichtungen total 9200 Atemschutzmasken an Lager. Er verweist darauf, dass auch der Kanton Baselland mit Hygienemasken äussert gut versorgt ist: Rund eine Million Stück habe man in den Lagern.

Schutzregeln wurden mehrmals abgeschwächt

Beide Kantone versichern, die Versorgung der Spitalangestellten mit Masken sei sichergestellt. Man halte sich an die Vorgaben des nationalen Zentrums für Infektionspräventionen – diese wurden aber in kurzer Zeit zweimal angepasst. Spitalangestellte sollen im Umgang mit Corona-positiven Patienten nicht mehr standardmässig die speziellen Atemschutzmasken tragen, sondern nur noch Chirurgenmasken. Die besser schützenden FFP-Masken kommen meist nur noch bei speziellen Prozedere auf der Intensivstation zum Einsatz.

Auch wenn in den beiden Basel die Sollbestände an Schutzmasken erfüllt worden wären, wäre die Situation jetzt nicht gerettet. Denn den Szenarien aller Pläne liegt eine Grippe-Pandemie zu Grunde. Jetzt, da eine völlig andere Art Virus wütet, ist der Schutzmaskenverbrauch um einiges höher. Der Bund und die Kantone versuchen seit Beginn der Pandemie mit grossen Aufwand, Schutzmasken zu kaufen – doch der Rest der Welt will das auch.