Abschlussprüfungen
Maturanden müssen weiter warten: Beide Basel wollen Prüfungen absagen, stattdessen verunsichern sie

Noch immer wissen Maturanden der Gymnasien und Fachmittelschulen nicht, ob ihnen noch Prüfungen bevorstehen oder nicht. Die Regierungen beider Basel sistieren die Prüfungen bloss bis Mitte Mai. Dies, da man noch auf den Segen des Bundesrates wartet. Das verunsichert Schüler wie Lehrer zunehmend

Michael Nittnaus
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Selbst wenn doch noch Maturprüfungen anstehen: So nah würden Schüler sicher nicht nebeneinander gesetzt. (Symbolbild)

Selbst wenn doch noch Maturprüfungen anstehen: So nah würden Schüler sicher nicht nebeneinander gesetzt. (Symbolbild)

Gaetan Bally/Keystone

Gymnasiasten, Fachmittelschüler und Berufsmaturanden sitzen derzeit wie auf heissen Kohlen. Noch immer wissen sie nicht, ob ihre Abschlussprüfungen stattfinden oder nicht. Dabei stünden die ersten Maturprüfungen in Baselland bereits am 6. Mai an, in Basel-Stadt am 11. Mai. Der Unmut und die Ungeduld der Schüler, aber auch vieler Lehrer wächst. In den vergangenen Tagen kamen mehrere Betroffene unabhängig voneinander deswegen auf diese Zeitung zu. Gestern Freitag nun die nächste Enttäuschung für alle Wartenden: Beide Basel teilten mit, dass sie die Abschlussprüfungen an den Gymnasien, den Fachmittelschulen und der Berufsmaturität vorerst nicht absagen, sondern sistieren. In Baselland bis mindestens zum 18. und in Basel-Stadt bis zum 20. Mai.

Das Problem: Auch wenn die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) bereits Anfang Woche entschied, dass mündliche Prüfungen nicht stattfänden und über die schriftlichen Prüfungen die Kantone autonom entscheiden sollten, fehlt noch der Segen des Bundesrates. Er muss den Antrag der EDK über eine Notverordnung bewilligen. Daher nützt es auch nichts, dass beide Regierungen bereits mitteilen, dass sie eigentlich beabsichtigen, sämtliche Abschlussprüfungen abzusagen. Die Unklarheit bleibt.

Baselland vermeldete Prüfungsverzicht zu früh

In Baselland kam es noch dazu zu einem Informations-Fauxpas der Bildungsdirektion. Sie hatte am Donnerstag eine Mitteilung mit dem glasklaren Titel vorbereitet «Keine Maturitätsprüfungen an Gymnasien und Fachmittelschulen im Baselbiet». Die Mitteilung liegt der «Schweiz am Wochenende» vor. Sie wurde intern mit Sperrfrist versandt, geriet aber noch am selben Tag bei Lehrern und Schülern in Umlauf. Die Erleichterung war gross, doch nur von kurzer Dauer.

«Nach nur zehn Minuten haben wir die Mitteilung zurückgezogen. Es ist sehr bedauerlich, dass die Sperrfrist missachtet wurde», erklärt Bildungsdirektorin Monica Gschwind auf Anfrage. Doch weshalb krebste sie überhaupt zurück und ersetzte die Mitteilung durch die sehr defensive Variante der vorläufigen Sistierung? «Es verdichteten sich die Signale aus Bundesbern, dass eine Absage der Maturprüfungen vom Bundesrat nicht unterstützt würde», sagt Gschwind. Daher wollte man eben gerade nicht verfrüht Hoffnungen schüren. Es sei zwar so, dass der Bundesrat in der Regel den Empfehlungen der EDK folgen würde, doch: «Im Moment müssen wir mit beiden Möglichkeiten rechnen.»

Offene Briefe, Umfragen, Motion: Das Thema bewegt

Doch das Verständnis dafür, dass noch immer keine Klarheit besteht, schwindet mit jedem Tag. Bereits Anfang Woche wendeten sich Lehrpersonen der Sekundarstufe II aus beiden Basel in einem Offenen Brief an Gschwind und den Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer und forderten den Verzicht auf Abschlussprüfungen. Interessanterweise vermeldete der Verein Schweizerischer Gymnasiallehrer (VSG) am Donnerstag, dass eine interne Umfrage ergeben habe, dass «sich eine sehr klare Mehrheit für die Durchführung von Maturitätsprüfungen ausspricht». Präsident Lucius Hartmann sagt auf Anfrage: «Mündliche Prüfungen wären unserer Meinung nach ab dem 8. Juni durchführbar und schriftliche könnten die Kantone auch etwas nach hinten verschieben anstatt sie abzusagen. Es ist bedauerlich, gibt es nun wegen dem Kantönligeist einen solchen Flickenteppich.»

Eine eigene Umfrage starteten dagegen am Donnerstagabend Basler Gymnasiasten. Bereits beteiligten sich über 300 Maturanden. Der Tenor hier: «Keine Maturitätsprüfung und nur Erfahrungsnoten» ist klar die häufigste Antwort. Das fordert auch die Juso Basel-Stadt: «Mit dem provisorischen Entscheid, auf die Prüfungen zu verzichten, schiebt der Kanton seine Entscheidung nur noch weiter in die Zukunft. Schluss damit! Es braucht eine definitive Absage!», heisst es in einer Mitteilung.

Gar kein Verständnis hat die Juso für ebenfalls aktuell publizierte Mitteilungen der Jungfreisinnigen und der SVP Basel-Stadt. Diese fordern nämlich die Durchführung der Maturprüfungen. «Die Aussagekraft der Maturzeugnisse wäre weitaus geringer, was Ungleichheiten schaffen würde», schreibt die SVP. Die Partei plant an der Mai-Sitzung des Grossen Rates eine dringliche Motion einzureichen, die die Durchführung verlangt.

Was Gegner wie Befürworter der Abschlussprüfungen eint, ist die Ungeduld: «Ich habe grosses Verständnis für den Unmut von Schülern und Lehrern», hält Gschwind fest. Sie hoffe, dass der Bundesrat nicht erst wie angekündigt kommenden Mittwoch entscheidet, sondern schneller.