Mein Leben im Dreiland
Die Wahlen verschlafen

In zwei Wochen ist es so weit: Deutschland wählt eine neue Bundeskanzlerin oder einen neuen Bundeskanzler. Das beschäftigt auch auf der anderen Seite der Grenze.

Peter Schenk
Peter Schenk
Drucken
Teilen
Olaf Scholz, Armin Laschet oder Annalena Baerbock? Deutschland wählt am 26. September.

Olaf Scholz, Armin Laschet oder Annalena Baerbock? Deutschland wählt am 26. September.

Keystone

Es ist mir ein wenig peinlich, aber ich habe die deutschen Bundestagswahlen verschlafen, die am 26. September dieses Jahres stattfinden. Genauer gesagt habe ich den Termin verpasst, um mich ins Wählerverzeichnis von Freiburg im Breisgau eintragen zu lassen, wo ich als Deutscher normalerweise wahlberechtigt wäre.

Dort war mein letzter Wohnort in Deutschland, bevor ich 1991 ins Elsass und 2012 von dort nach Basel gezogen bin. Tatsächlich sind es jetzt schon 30 Jahre, dass ich entweder in Frankreich oder in der Schweiz gelebt habe; die Zeit vergeht. Im Dezember 2012 hat der Bundestag aber beschlossen, dass Deutsche, die über 25 Jahre das Land verlassen haben, ihr Wahlrecht verlieren. Begründung: Weil sie keinen Bezug mehr zu Deutschland haben, dürfen sie auch nicht mitbestimmen.

In Frankreich haben sie gar eigene Abgeordnete

Die deutschen Parlamentarier sind strenger als die Schweizer oder Franzosen. Für Auslandschweizer gibt es keine zeitliche Begrenzung beim Wahlrecht und auch die Franzosen sind liberaler. Dabei schicken die Auslandsfranzosen, die in der Schweiz leben, sogar eigene Abgeordnete nach Paris.

Bei den deutschen Einschränkungen gibt es allerdings Ausnahmen: Man muss dafür gegenüber dem Wahlleiter nachweisen, dass man aus anderen Gründen mit den Verhältnissen in Deutschland vertraut und davon betroffen ist. Als Journalist, der stets in Grenznähe gewohnt hat und regelmässig über Weil am Rhein und Lörrach sowie die grenzübergreifenden Beziehungen berichtet hat, trifft das auf mich zu. Bei den letzten Bundestagswahlen 2017 habe ich mir die Arbeit gemacht und einen Brief mit ausführlicher Begründung und Kopien von Artikeln zur Sicherheit per Einschreiben ans Wahlamt nach Freiburg geschickt. Tatsächlich durfte ich mit abstimmen.

So schlimm war es noch nie

Dieses Jahr habe ich diese Aktion Monate vor mich hergeschoben, bis es eben zu spät war. Wenn ich ehrlich bin, ist der Hauptgrund, dass ich nicht weiss, wen ich wählen soll. Ansatzweise kenne ich das, aber so schlimm wie dieses Jahr war es noch nie. Kommt hinzu, dass ich die Freiburger Kandidaten, die sich um den Gewinn des Wahlkreises und somit den direkten Einzug in den Bundestag bewerben, nicht gut kenne. Ich hätte aber mit meiner Zweitstimme, die entscheidend für die Anzahl der Abgeordneten einer Partei im Parlament ist, Einfluss auf die Situation in Lörrach nehmen können. Hier wird es zum Beispiel für den Grünen Gerhard Zickenheiner wie auch für den FDP-Abgeordneten Christoph Hoffmann knapp, ob sie über die Landesliste wieder in den Bundestag einziehen.

Wie dem auch sei: Nun ist es zu spät. Die Entscheidung, wer nach Angela Merkel in Zukunft die Geschicke Deutschlands bestimmen wird, fällt ohne mich. Über die deutsche Grenzregion schreiben werde ich allerdings weiterhin.

Aktuelle Nachrichten