Miriam Blocher, wann werden die ersten Basler Läckerli aus Frenkendorf in die Regale wandern?

Miriam Blocher: Es wäre ideal, wenn wir in weniger als drei Jahren am neuen Standort produzieren könnten. Wir müssen jetzt zunächst planen, dann die Baueingabe vornehmen und schliesslich bauen.

Nach über 100 Jahren zieht Ihre Firma aus Münchenstein weg. Wie sehr stellt dieser Entscheid einen Einschnitt für die Firma dar?

Es ist ein wichtiger Entscheid, weniger geografisch als zukunftsgerichtet. So einen Bau muss man auf die nächsten 50 Jahre hinaus planen, sonst macht es keinen Sinn. Und das würden wir nicht tun, wenn wir nicht an die Zukunft des Unternehmens glaubten. Deshalb war es ein mutiger Entscheid, einer der schwer lastet, aber auch Freude macht.

Welcher Grund hat schliesslich den Ausschlag zum Wechsel gegeben?

Ausschlaggebend war der Zustand der Liegenschaften in Münchenstein. Wir sind konfrontiert mit sehr alten Gebäuden. Diese stellen im Moment zwar noch kein Problem dar, aber es zeichnet sich ab, dass wir in 10 bis 15 Jahren mit ihnen an die Grenzen stossen würden. Gewisse Decken sind für neue Maschinen zu tief, da müsste man ganze Stockwerke anheben. In anderen Räumen ist die Bodenlast zu tief, also müsste man die Böden zusätzlich abstützen. Statt über Jahre hinweg immer nur kleine Umbauten vorzunehmen und am Schluss doch nichts Rechtes in den Händen zu halten, haben wir uns für einen Neubau entschieden.

Wieso sind Sie nicht in Münchenstein geblieben?

Die erste Überlegung war, auf unserem bisherigen Gelände in Münchenstein neu zu bauen. Doch das hätten wir platzmässig nicht unter einen Hut gebracht: neu zu bauen und gleichzeitig in den alten Räumlichkeiten die Produktion aufrecht zu erhalten. Wir können ja nicht zwei Jahre lang unsere Produktion einstellen.

Welche Rolle spielte die erschwerte Zufahrt zur Autobahn?

Die Verkehrslage war mit ein Grund, einen anderen Standort zu suchen, der besser erschlossen ist. Unsere jetzige Anlage liegt mitten in einem Wohnquartier mit Kindergarten und einer Tempo-30-Zone, die vor allem die Zufahrt der Lastwagen erschwert.

Wieso fiel der Entscheid ausgerechnet auf Frenkendorf?

Wir haben einen Perimeter rund um Basel gezogen, wo ein neuer Standort infrage kommt. Dieses Gebiet haben wir intensiv nach passenden Gewerbegrundstücken von gleicher Grösse wie in Münchenstein abgegrast. Dabei mussten wir bald einmal feststellen, dass es gar nicht mehr so viele geeignete freie Zonen mehr gibt. Das Gelände in Frenkendorf gehörte dem Kanton und war zunächst gar nicht für einen Verkauf vorgesehen. Wir sind sehr glücklich, dass wir es trotzdem erwerben konnten.

Was geschieht mit dem alten Areal in Münchenstein?

Das benötigen wir nicht mehr. Vermutlich werde ich es verkaufen.

Ziehen Sie wegen der niedrigeren Steuern in eine andere Gemeinde?

Nein, das hat keine Rolle gespielt. Wir bleiben in der Schweiz, wir bleiben im Baselbiet. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich den Steuerfuss in Frenkendorf nicht einmal kenne.

Zu welchem Preis?

Über den Verkaufspreis haben wir Stillschweigen vereinbart. Die Gesamtinvestition lässt sich noch nicht abschätzen, da ja noch nicht einmal Pläne für das neue Gebäude existieren. Der Neubau soll mit Fremdkapital über Jahre hinweg finanzierbar sein, bei leicht wachsendem Geschäftsgang.

Wie haben Sie es geschafft, den Kanton rumzukriegen?

Das Läckerli-Huus ist wirklich eine Institution hier in der Region, das haben wir bei den Verhandlungen gemerkt. Der Kanton war wohl auch daran interessiert, dass wir nicht in eine andere Landesgegend ziehen. Das hätten wir aber sowieso nicht getan, oder höchstens als absolutes Worst-Case-Szenario.

Darf sich Frenkendorf nun auf üppige Steuererträge freuen?

Der Imagegewinn für Frenkendorf dürfte vermutlich grösser sein als der Steuerertrag. Wir sind doch ein eher kleines Unternehmen.

In Münchenstein und Gelterkinden hinterlassen Sie jetzt gebrochene Herzen.

Mit Münchenstein waren wir im Gespräch, aber die Gemeinde hatte kein freies Land mehr übrig. Wir wären gerne geblieben, aber das war letzten Endes eine Platzfrage. In Gelterkinden lag der Fall etwas anders. Für die Verlegung des Hauptsitzes dorthin liegt die Gemeinde einfach zu weit weg von Basel. Unser Hauptprodukt sind nun mal die Läckerli, und die werden eindeutig mit der Stadt in Verbindung gebracht. Da wir in Gelterkinden bei der Rahmtäfeli-Herstellung bloss knapp zehn Angestellte beschäftigen, und die Räumlichkeiten einem mittleren Einfamilienhaus entsprechen, haben wir darauf verzichtet, die Gemeinde vorgängig zu informieren. Auch uns ist bewusst, dass es schade für Gelterkinden ist, da es schon viele Betriebe verloren hat, und die Rahmtäfeli-Herstellung eine lange Tradition aufweist. Anderseits braucht es manchmal eine schmerzhafte Trennung, um sich fit für die Zukunft zu machen.

Wie wird der Neubau? Wird es ein Herzog-De-Meuron-Tempel?

Es bestehen noch keine Pläne. Wir wollten zunächst das Land haben, um dann unsere Bedürfnisse genau abzuklären. Es wird ein funktionales Produktionsgebäude geben. Von mir aus braucht es dafür keinen Stararchitekten. Das Läckerli-Huus ist klein und bescheiden. Es hat schon genügend andere Unternehmer, die sich mit ihrem Firmensitz ein Denkmal gesetzt haben. Das ist auch in Ordnung so, aber ich brauche so etwas nicht. Ehrlicherweise interessiert es mich gar nicht so sehr, wie das Gebäude aussehen wird. Ein Prunkbau wird es jedenfalls nicht, dafür sind die Margen im Lebensmittelbereich zu klein (lacht).