Sympathisanten des Wagenplatzes haben am Freitag Staatsschreiberin Barbara Schüpbach im Rathaus eine Petition überreicht. In der Petition fordern sie einen «Neuanfang der Verhandlungen mit allen beteiligten Parteien aufgrund der aktuellen Situation», eine «Gleichberechtigung aller Parteien in den Verhandlungen», «eine transparente und gemeinsame Information der Bevölkerung über den Ausgang der neuen Gespräche» und vor allem die Ausarbeitung einer Lösung, die für alle tragbar sei.

Über 3000 Menschen haben die Petition im Internet oder auf Papier mitunterzeichnet. Eingereicht wurde die Petition von Raffaela Hanauer vom Jungen Grünen Bündnis Nordwest sowie von Liam Collins und Tobi Meier. Alle drei sind keine Wagenleute, sondern lediglich Sympathisanten.

Vor der Petitionsübergabe erklärte Raffaela Hanauer am Freitag, dass sie alle «diesen Platz oft besuchen und uns diese Besuche stets gefallen haben». Mit ihrer Petition wollen sie verhindern, «dass die Geschichte rund um den Wagenplatz mit einer Räumung endet.» Es sei noch immer möglich, eine Lösung für den Wagenplatz zu finden.

Strittige Projekte ohne Bewilligung

Obwohl es sich beim Wagenplatz um eine illegale Besetzung handelt, steht der Wagenplatz selbst nicht zur Diskussion: Auf den 2500 Quadratmetern, welche von den Wagenleuten vor etwas mehr als einem Jahr besetzt worden sind, werden die Besetzer geduldet. Vor der Besetzung des Hafenplatzes hielt sich die Wagengemeinschaft bereits an der Uferstrasse auf dem Hafenareal, auf dem NT-Areal und zuletzt bis Ende März 2013 in einem Hinterhof an der Freiburgerstrasse auf.

Strittig sind weitere 2500 Quadratmeter ausserhalb der eigentlichen «Wagenburg», auf denen sich in den letzten Monaten allerlei spontane Nutzungen ergeben haben, darunter die Bar «Hafenscharte», ein Kinderspielplatz und ein Gemüsegarten. Basta-Grossrätin Heidi Mück spricht in einer Stellungnahme von «organisch gewachsenen Projekten», die nicht in ein Schema passten - und nicht über Baubewilligungen verfügen.

Der Regierungsrat hat die Duldung der Besetzung durch die Wagenleute bestätigt - aber nur für die ursprünglich belegten 2500 Quadratmeter. Was darüber hinaus belegt wird, akzeptiert de Regierung nicht, weil die Fläche ab Montag vermietet ist. Im Juni findet die Kunstmesse Scope auf dem Areal statt, ab Juli hat Shift Mode die Fläche für den Aufbau von Projekten zur Zwischennutzung gemietet. Regierungspräsident Morin hat den Wagenburglern die polizeiliche Räumung angedroht, wenn sie die zusätzliche Fläche nicht bis Sonntagabend frei geben.

Der ehemalige SP-Grossrat Daniel Jansen, der sich selbst als Sympathisant der Wagenleute bezeichnet, findet dieses Vorgehen übertrieben und fordert vom Regierungsrat «Augenmass». Shift Mode und Scope hätten beide erklärt dass sie auch ohne die durch Wagenprojekte belegte Fläche auskommen könnten. Eine Räumung findet Jansen deshalb übertrieben.

Laut Stadtentwickler Thomas Kessler werde es auch nicht zur Räumung kommen. Die Wagenleute seien sich ihrer «privilegierten Situation bewusst». Dass der Kanton ihnen für ihr Wohnexperiment eine Fläche von 25 Aren zugestehe, auf dem sie keine Regeln einhalten müssten, das sei einzigartig und sehr grosszügig. Er erwarte deshalb, dass sich die Wagenleute zurückziehen und ihre Projekte später schrittweise unter dem Dach von Shift Mode legalisieren. Das wäre auch im Sinne der Regierung, die sich für das Areal eine Nutzung wünscht, die der Öffentlichkeit zugänglich ist.