Corona-Virus

Mit Corona in die Kirche: Das Gotteshaus am Totentanz könnte zur Notfallaufnahme werden

Die Predigerkirche könnte demnächst zur Aufnahmestation für Corona-Verdachtsfälle werden.

Die Predigerkirche könnte demnächst zur Aufnahmestation für Corona-Verdachtsfälle werden.

Wenn die Zahlen weiter ansteigen, soll die Predigerkirche das Unispital entlasten.

Die Notfallaufnahme am Universitätsspital Basel (USB) ist derzeit am Anschlag. Bereits 119 Personen haben sich, stand gestern Morgen, auf das Corona-Virus testen lassen. Das Unispital ist im Stadtkanton derzeit das einzige Haus, das solche Tests für Erwachsene anbietet. «Die Belastung ist hoch», sagte USB-Direktor Werner Kübler gestern gegenüber der bz. Denn das Spital sei auch sonst gut ausgelastet. Die anderen Patienten, die nicht im Verdacht stünden, Corona-Virus zu haben, seien schliesslich auch «unbedingt angewiesen» auf Pflege.

Für einen weiteren Anstieg der Fälle hat das USB indes vorgesorgt. Gemäss Informationen dieser Zeitung hat das Unispital die Predigerkirche angefragt, Hand zu bieten, falls sich die Situation weiter zuspitzt. Der Chefarzt für Spitalhygiene wurde Anfang Woche bei der Kirche vorstellig, die beim Totentanz gleich Tür an Tür mit dem Unispital liegt. Der Vorteil wäre: Die momentan schwierige Separation von Corona-Verdachtsfällen von denjenigen, die aufgrund von anderen Symptomen oder Verletzungen in den Unispital-Notfall eintreffen, würde sich vereinfachen.

Predigerkirche schon länger Teil des Notfallszenarios

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Predigerkirche zur Notfallaufnahme umfunktioniert wird, lässt sich schwer beziffern. Kübler sagt, dass eine schnelle Abnahme der Fallzahlen genauso möglich sei wie ein starker Anstieg. Ein entsprechendes Betriebskonzept werde derzeit ausgearbeitet, heisst es.
Eins ist gewiss: Karin Schaub, die Diakonin der Predigerkirche würde die Notfallpatienten mit offenen Armen empfangen. Die Geschichte verpflichtet gewissermassen. Über lange Zeit war die Predigerkirche das Gotteshaus des Dominikanerklosters. Als handlungsweisend erachten die Dominikaner Gerechtigkeit in der Welt und den Einsatz für die Befreiung des Menschen. Die architektonischen Eigenheiten einer Dominikanerkirche, wonach der Laienbereich sehr weiträumig ist, wären bei einer notfallmässigen Inbetriebnahme als Notfallstation von grossem Nutzen. «Im hinteren Teil der Kirche wäre eine solche Station durchaus umsetzbar», sagt die Diakonin.

Es wäre dies das erste Mal. Noch ist nie vorgekommen, dass die Predigerkirche zur Krankenstation wird. In den Überlegungen des Kantons spielt das Gotteshaus derweil schon seit längerem eine Rolle. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sagt, dass die schlichte Kirche auch bei anderen Massenereignissen wie etwa einem grossen Erdbeben zum Auffanglager umfunktioniert werden könnte.

Verschiebung von nicht dringenden Operationen

Dass das Universitätsspital indes in einen Personalengpass hineinrasseln könnte, ist unwahrscheinlich. Viele Mitarbeiter, die Ferien genommen hätten wegen der Fasnacht, wollten nun auf ihre Ferien verzichten, sagt Sprecher Nicolas Drechsler.

Kantonsarzt Steffen sagt auch, dass auch die Prioritäten in den Spitälern verschoben werden könnten. Nicht dringende Operationen, beispielsweise für ein neues Hüftgelenk, könnten verschoben werden, damit genügend Spitalbetten zur Verfügung stünden.

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