«Expats go home», «Aufwertung heisst Verdrängung», «Ich biete 45 Menschen» steht auf verschiedenen Plakaten. Mit diesen Worten werden die Bieter für die Liegenschaften der sich in Konkurs befindlichen Stiftung Mobile in der Gemeindeverwaltung in Riehen begrüsst. Dort findet die Gant am Freitagnachmittag statt. Auch Sicherheitscheck und Taschenkontrollen müssen sein. Die Polizei zeigt uniformiert und zivil Präsenz.

Kurz vor der Versteigerung macht ein Aktivist auf das Schicksal der Bewohner aufmerksam. An der Dornacherstrasse 146 leben Personen mit psychischen Problemen, an derselben Strasse befindet sich in den Nummern 240 und 246 eine betreute Wohngemeinschaft, und an der Klybeckstrasse 254 sind die Wohnungen meist an Sozialhilfeempfänger vermietet.

Gleich zu Beginn der Versteigerung der Dornacherstrasse 146 wendet sich mit Stefan Eugster Stamm der Co-Geschäftsführer des Vereins Mobile, der unabhängig von der Stiftung als Mieter agiert, an die Steigerungswilligen. Der Verein Mobile kann das Startgebot von 6 Millionen Franken lancieren. Doch das nützt nichts. Ein Luzerner Rechtsanwalt bietet für die Dornacher AG im Pingpong mit Daniel Kusio, Geschäftsführer der Impact Immobilien AG aus Bern.

BH ins Gesicht geschleudert

Bis zum Betrag von 7,18 Millionen Franken geht es in 10'000er-Schritten nach oben. Die Schreiber, die jedes Gebot mitnotieren, sind nicht zu beneiden. Schliesslich wagt Kusio einen kleinen Sprung auf 7,25 Millionen Franken und erhält den Zuschlag. Unter Applaus und Buhrufen geht er nach vorne und erledigt das Administrative.

Anschliessend lüftet sich der Schleier. Die Impact Immobilien AG kauft und verwaltet gezielt Immobilien, die einem sozialen Zweck zugeführt werden. Kusio wie Eugster Stamm bestätigten, dass sie zusammenarbeiten und die Liegenschaft erhalten werden. Der Stein, der den Leuten des Vereins Mobile vom Herzen fällt, ist meilenweit zu hören.

Doch auch die Dornacher AG geht nicht leer aus. Sie ersteigert die Liegenschaften der Dornacherstrasse 240 und 246 für 6,85 Millionen Franken. Der Gang nach vorne wird ebenfalls mit Pfiffen und Applaus versehen. Einzelne Aktivisten fordern sogar eine Rechtfertigung zum Kauf. Der Anwalt lässt sich aber nicht beeindrucken. Gegenüber der bz sagt er anschliessend, dass die Gesellschaft, die er vertritt, noch nicht wisse, was sie konkret machen werde. Es sei noch alles offen.

Bei der letzten Versteigerung des Tages kommt es dann zum befürchteten Eklat. Das erste Gebot für die Klybeckstrasse macht überraschend Immobilien Basel-Stadt. Ihr Vertreter wird sogleich mit Pfiffen eingedeckt. Dann beginnen sich verschiedene Privatpersonen gegenseitig zu überbieten. Sie werden auch mal mit «Sauhund» oder «Wichser» beschimpft sowie mit Drohungen: «Wir bleiben dort!»

Gleichzeitig eskaliert das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Aktivisten und Polizei. Letztere lässt sich nichts mehr bieten, packt einen der Aktivisten und entfernt ihn aus dem Saal. Im folgenden Tumult und Handgemenge steigen einzelne Aktivisten aus dem Fenster.

Als sich die Situation wieder beruhigt, geht es einen kurzen Moment weiter. Die Aktivisten beginnen vermehrt mit Sprechchören und Applaus das Bietverfahren zu stören. Polizisten in Kampfmontur erscheinen und sorgen für Ordnung.

Anschliessend stehen sich die beiden Gruppen auf dem Platz vor dem Gemeindehaus gegenüber. Schliesslich bekommt Özgür Bünül die Liegenschaft für 5,02 Millionen Franken. Eine Aktivistin geht zu ihm hin, schmeisst ihm Pulli und BH ins Gesicht und sagt: «Kannst du behalten.» Gegenüber der bz erklärt Bünül, dass er keine grossen Umnutzungs- oder Umbaupläne hege. Er sei bereit, das Gespräch mit den Bewohnern zu suchen.