Motion
Statt Applaus soll es fürs Basler Pflegepersonal einen Bonus geben

Das Basler Parlament befürwortete am Mittwoch mit einer grossen Mehrheit Coronaboni für das Pflegepersonal.

Elodie Kolb
Merken
Drucken
Teilen
Vor dem Congress Center versammelten sich Menschen aus Pflegeberufen, um auf die Motion aufmerksam zu machen.

Vor dem Congress Center versammelten sich Menschen aus Pflegeberufen, um auf die Motion aufmerksam zu machen.

Bild: Roland Schmid

«Klatschen reicht nicht», stand auf einem grossen Transparent, das das Pflegepersonal am Mittwochmorgen vor dem Congress Center in die Höhe hielt. Vor dem aktuellen Tagungsort des Grossen Rats – und zufälligerweise auch dem kantonalen Impf- und Testzentrum ­– wollten Menschen aus Pflegeberufen auf die Motion der Gesundheits- und Sozialkommission (GSK) aufmerksam machen, die einen Coronabonus für das Pflegepersonal forderte.

Das Anliegen wurde am Mittwoch im Grossen Rat diskutiert und mit einer deutlichen Mehrheit zur Stellungnahme an den Regierungsrat überwiesen.

«Die Krise ist noch nicht vorbei und darum brauchte es nochmals die Sichtbarkeit und den Druck des Gesundheitspersonals»,

sagt Benjamin Plüss, Gewerkschaftssekretär des VPOD Basel, zur Aktion bei der Messe. Denn es sei weiterhin stark gefordert. Mit den Entwicklungen der Mutationen steige die Sorge, noch mehr respektive erneut an die Grenzen zu stossen, so Plüss.

«Wahnsinnige Mehrarbeit wegen des Coronavirus»

Am Mittwochmorgen war auch die Pflegefachfrau Isabelle Stocker, die am Universitätsspital arbeitet, bei der Messe. Sie sagt: «Es ist immer noch nicht für alle klar, dass Worten auch Taten folgen müssen. Wir haben in den Gesundheitsinstitutionen eine wahnsinnige Mehrarbeit wegen des Coronavirus, und es kann nicht sein, dass im Frühling noch geklatscht wurde und wir als Helden gefeiert wurden und jetzt keine konkreten Massnahmen folgen.»

Die zusätzliche Arbeit sei auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Einerseits brauche es eine grosse Flexibilität, denn es komme immer wieder vor, dass man auf einer unterbesetzten Station aushelfen müsse. Andererseits kommen mit den ständigen Entwicklungen auch ständig neue Informationen und Weisungen, die man sich merken müsse. «Und all das geschieht ja im selben Arbeitszeitfenster wie vorher», so Stocker. Obwohl sie nicht grundsätzlich Angst vor einer dritten Welle hat, sei es schwierig für das Pflegepersonal, wenn es keine Zeit gibt, sich zu erholen oder zwischenzeitlich in den Normalbetrieb zurückzukehren.

Mit dem geforderten Coronabonus sollte deshalb «seitens Politik ein klares Signal und eine Wertschätzung an die Mitarbeitenden» gesendet werden, heisst es in der Motion. Dieser Meinung ist auch Regierungsrat Lukas Engelberger (Die Mitte). Er sagte vor dem Grossen Rat: «Auf dem Gesundheitspersonal liegt wohl die grösste Last der Pandemie.»

SVP sprach sich gegen die Motion aus

Mit der Überweisung der Motion an den Regierungsrat wurde dieser beauftragt, dem Grossen Rat einen Vorschlag zur Refinanzierung eines Coronabonus zu unterbreiten. Der Bonus solle von den Arbeitgebern gesprochen und bei Bedarf vom Kanton refinanziert werden. Isabelle Stocker sieht den Bonus als Anerkennung. «Und es würde damit eingehalten, was man im Frühling grossmundig angekündigt hat.»

Als einzige Fraktion hatte die SVP die Nein-Parole gefasst. Grossrat David Trachsel sagte in seinem Votum am Mittwoch: «Es ist richtig, diese Motion abzulehnen, auch wenn sie auf den ersten Blick gut erscheint.» Denn: «Wenn jene, die letztes Jahr krisenbedingt Mehrarbeit hatten, einen zusätzlichen Bonus erhalten sollen, warum erhalten dann Verkäuferinnen, Militärdienstleistende, Putzpersonal und viele weitere keinen Bonus?» Da diese Motion einzelne Berufsgruppen privilegiert behandle, stimme die SVP dagegen. In der Debatte widersprach Fleur Weibel (GAB): «Die vorliegende Motion spricht nicht dagegen, Motionen für weitere Berufsgruppen anzudenken.» Bei der Motion gehe es allerdings um das Gesundheitspersonal. So überstimmten die 71 Befürworter die 16 Gegner im Parlament deutlich.