Fasnacht

Münsterplatz: Laternen-Pracht in milder Fasnachts-Nacht

Die Laternen auf dem Münsterplatz beleuchten heisse Themen wie Titanwurz und Sexkoffer, Euro-Krise und Abfall-Probleme. Dabei kommt auch die Prominenz aus dem In- und Ausland nicht ungeschoren davon.

Nachdenklich schaut der Mann in seine Unterhose, während es seiner Freundin beim Anblick der penisähnlichen, riesigen Titanwurz vor Begeisterung glatt den Schuh auszieht. Dazu reimt die Alti Garde der Glunggi:

«Amorphophallus» haisst die Pflanze – «Bonsai» haisst das
unterhalb vom Ranze

Die Titanwurz ist ein Riesen-Thema auf den diesjährigen Laternen – wortwörtlich. «Basel stinggt andersch» sagen sich D Fynettli und haben dazu eine originelle Laterne kreiert: Sie tragen die Titanwurz in einem wunderbar illuminierten Glaskasten herum.

Neben den Botanikern durften sich im vergangenen Jahr auch die Schülerinnen und Schüler im Aufklärungsunterricht mit Penissen auseinandersetzen. D Pfälzler verbinden beide Themen:

Dr Christoph Eymann duet studiere, wien är könnt dä Amorphophallus in d Sexbox integriere

Der Inhalt des berüchtigten Sexkoffers wurde auf diversen Laternen ausgebreitet, so liess es sich auch die Alti Garde der Aagfrässene nicht nehmen, eine «Uffgläärigsstund» abzubilden – inklusive aller Utensilien inmitten der lieben Kleinen.

Basel, die Schmuddel-Stadt? Punkto Dreck, Abfall und Pisse wissen die Laternenkünstler jedenfalls allerhand zu erzählen. Die Alte Garde der Schnurebegge Schlurbbi zum Beispiel zieht mit dem Sujet «Public Pissing» durch die Gassen und reimt:

Zum Rauche bruuchts e Fümoar, Zum Schiffe, do länggts Trottoir

D Junte vo dr Alte Richtig präsentieren eine mit PET-Flaschen dekorierte Laterne; und auch jene vom Hämpfeli Spootzinder ist gefüllt mit Abfall aller Art. Dementsprechend schimpft die Clique:

Hürde laufe anstatt jogge, will so vyl Säu am Rhybord hogge

Nicht viel sauberer zu geht es jenseits der Strasse in den Teppichetagen. Dreckiges Geld, böser Kapitalismus und unedler Egoismus sind Themen, die auf den dunklen Münsterplatz hinausprojiziert werden. Wie gewohnt an der Fasnacht kriegen auch die Mächtigen ihr Fett weg – Silvio Berlusconi, Christoph Blocher, Philipp Hildebrand und wie sie alle heissen. Die Vereinigte Kleinbasler verpassen Berlusconi den zweifelhaften Übernamen «Spontisex Maximus». Die Stammclique des Dupf-Clubs – der Club der «allerletschte» Männer – taucht ab ins Reich des Animalischen und zeigt die zweifelhaften Prachtexemplare Jörg Kachelmann mit Frosch, Dominique Strauss-Kahn mit Strauss und Carl Hirschmann mit Hirsch. «Hammerhart», bricht es aus einer Zuschauerin heraus.

Einen Reigen an mehr oder weniger prominenten Mitmenschen hält die Alti Garde des Barbara-Clubs bereit. Ihre Laterne mit den Gesichtern, die jeweils von einer Clownnase geschmückt werden, ist im Getümmel auf dem Münsterplatz ein Hingucker, der die Besucher zum fröhlichen Gesichterraten animiert. In Rumpelstilzli-Manier poltert ein bekanntes Gesicht:

Wie isch doch guet, dass niemert weiss – dass ych nit Christoph Blocher heiss

Flotte, freche und frivole Sprüche, die oft für einen Lacher sorgen – das bietet die Basler Laternenausstellung. Aber nicht nur. Fernab vom grössten Trubel zeigt sich hier auf dem nächtlichen Münsterplatz die poetische Seite der Fasnacht. Das warme Lichtermeer der bunten Laternen, auf dem – Glühwürmchen gleich – die Blitze der Hunderten von gezückten Handy-Kameras tanzen.

«Fantastisch», raunen manche Besucher ergriffen, während sie sich durch die Menschenmassen quetschen. Zeigefinger schnellen in die Höhe: Da, schau! Gelächter. Manchmal zeigt sich auf den Gesichtern Ratlosigkeit, denn nicht alles ist auf Anhieb verständlich. Jung und Alt wälzt sich über den Platz; je mehr Leute es hat, desto schwieriger wird es, das Geschriebene zu entziffern.

Also bleibt das blosse Bestaunen der Kunstwerke. Bei der Form scheinen der Fantasie der Laternenkünstler keine Grenzen gesetzt. Neben der klassisch-rechteckigen gibt es runde, ovale, achteckige Laternen; solche in Form von Schmetterlingen, von Vögeln, von Kreuzen oder von Wappen; es gibt beleuchtete Litfasssäulen und wandelnde römische Tempel. Die Laterne der jubilierenden Lälli besteht gleich aus sieben Würfeln. Dem iPhone-Hype huldigt der Stamm der Basler Bebbi mit einem überdimensionierten und liebevoll gestalteten iPhone als Laterne.

Euro-Krise, drohender Weltuntergang, schlechte Finanzsituation in Griechenland und Baselland: Diese aktuellen Themen bleiben nach dem Bummel über den Münsterplatz ebenfalls in Erinnerung. Die Alti Garde der Alti Stainlemer verteilen Aktien mit dem weisen Spruch:

Doch s isch halt so uf däre Wält. Laider regiert hitt numme s Gäld

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