Europa League
Murat Yakin ist zurück auf der grossen Bühne

Murat Yakin feiert mit dem FCB heute bei Videoton sein Trainerdebüt im Europacup. In seinen Augen fängt es an zu funkeln, wenn das Gespräch zum Europacup übergeht. Man meint erahnen zu können, welche Filme vor seinem inneren Auge laufen.

Sebastian Wendel, Székesfehérvar
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Ankunft in Budapest: Mit dem Bus gings für Murat Yakin und Co. anschliessend weiter nach Szekesfehervar.

Ankunft in Budapest: Mit dem Bus gings für Murat Yakin und Co. anschliessend weiter nach Szekesfehervar.

Keystone

Zum Beispiel dieser: 28. August 2002, Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation zwischen dem FC Basel und Celtic Glasgow. Es läuft die 22. Minute, als Basels Mario Cantaluppi einen Corner tritt. Am zweiten Pfosten nimmt Murat Anlauf, springt so hoch, wie er es wohl danach nie mehr in seinem Leben getan hat, lässt zwei Schotten nur das Nachsehen und drückt den Ball wuchtig hinter die Linie. Es steht 2:0. Exakt jenes Resultat, das Rotblau für den erstmaligen Einzug in die Königsklasse braucht. Zwar werden im St. Jakob-Park die Nerven aller bis zum Abpfiff nach 93 Minuten arg strapaziert, doch am 2:0 ändert sich nichts mehr.

Es ist eines dieser Spiele, in denen sich Murat Yakin im FCB zur Legende gemacht hat. Der europäische Triumphzug in der Saison 2002/03 mit dem Vorstoss bis in die Zwischenrunde ist unvergessen, Yakin war Captain und zusammen mit Bruder Hakan die zentrale Figur der für viele «Basler Jahrhundertmannschaft».

Murat Yakin und der Glanz der internationalen Bühne, diese Dinge gehören zusammen. Bereits vor seiner Zeit als FCB-Spieler machte er in Europa auf sich aufmerksam. Wer kann sich nicht an seinen 35-Meter-Hammer im GC-Dress vor 16 Jahren gegen Ajax Amsterdam erinnern? Yakin jedenfalls, damals 22 Jahre alt, noch heute ganz genau: «Bei dem Schuss hat einfach alles gepasst. Der Winkel, die Geschwindigkeit und dass der Goalie keinen Wank gemacht hat.»

Er macht keinen Hehl daraus, dass seine Motivation nie so hoch war wie im Europacup: «International zu spielen war immer sehr speziell für mich. Vor allem mit dem Hintergrund, dass ganz Europa zuschaut.»

Eine Frage der Zeit

34 Mal betrat Yakin als Spieler die internationale Bühne, Teil 35 ist im Kapitel «Europacup» eine Premiere. Zum ersten Mal steht er dort als Trainer an der Seitenlinie, wo er sich auch als Aktiver stets wohlgefühlt hat. Der Schauplatz könnte passender nicht sein: Szekesfehervar, Heimat des heutigen Gegners FC Videoton, trägt in Ungarn den Übernamen «Stadt der Könige».

Dass Murat Yakin auch als Trainer international auftritt, war nur eine Frage der Zeit. Seinen letzten Arbeitgeber FC Luzern und davor den FC Thun führte er jeweils in die Qualifikation zur Europa League, hat jedoch beide Klubs vor diesen Spielen verlassen.

«Nun darf ich beim FCB auch ein wenig die Früchte meiner bisherigen Arbeit ernten», sagte Yakin am gestrigen Anreisetag. Und hofft, dass seine Nachfolger im Basler Dress wie er die Europa League als etwas Besonderes interpretieren. «Ich will, dass wir am Freitag als Tabellenführer zurück in die Schweiz fliegen.» Um ihrem neuen Trainer diesen Wunsch zu erfüllen, muss die im Vergleich zur 0:1-Niederlage in Luzern wohl auf einigen Positionen neu formierte FCB-Mannschaft heute Videoton schlagen. Und gleichzeitig auf eine Punkteteilung im anderen Gruppenspiel zwischen Genk und Lissabon hoffen.

Videoton Szekesfehervar - Basel. - Heute, 19.00 Uhr (live/SF zwei). - SR Zelinka (Tsch).

Mögliche Aufstellungen. Videoton: Bozovic; Brachi, Caneira, Vinicius, Szolnoki; Mitrovic, Toth; Filipe Oliveira, Sandor, Walter; Nikolic. - Abwesend: Stopira (verletzt).

Basel: Sommer; Steinhöfer, Schär, Dragovic, Voser; David Degen, Cabral, Diaz, Stocker; Fabian Frei; Streller. - Abwesend: Alex Frei (gesperrt), Jevtic, Vuleta (beide verletzt), Kovac, Yapi (nicht im Aufgebot).