Museum
Ausstellung im Prattler Bürgerhaus zeigt 500 Jahre Eidgenossenschaft

Als Teil des Festprogramms der Bürgergemeinde zeichnet das Prattler Museum verschiedene Aspekte der letzten 500 Jahre nach. Darunter der «Pfirteschangchueche» und die Vorurteile.

Boris Burkhardt
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Ein Dorf im Wandel: Erntetag um 1765 versus Arbeitsalltag 2015

Ein Dorf im Wandel: Erntetag um 1765 versus Arbeitsalltag 2015

Zvg

Wer auf dem Thron mit dem roten Kissen Platz nimmt, wird sogleich aus dem Lautsprecher von der jungen Prattler Schauspielerin Carolin Pfäffli angesprochen. Angesprochen als Hans Bernhard von Eptingen, der seit 1464 alleiniger Herr in Pratteln war und das Dorf 1521 an Basel verkaufte; oder als Basler Herr 1798, der dank Napoléon in der erstmals selbstständigen Gemeinde nichts mehr zu sagen hat; oder als Gemeindepräsident Kohler 1971, unter dem erstmals auch die Frauen in Pratteln wählen durften.

Wer in den vergangenen 500 Jahren wann, warum und wie lange «Herrscher» von Pratteln war, ist einer der Aspekte, dem die Ausstellung «500 Jahre Pratteln – ein Dorf im Wandel» bis zum 17. Dezember im Bürgerhaus nachgeht. 500 Jahre sind der Zeitraum, in dem Pratteln zur Eidgenossenschaft gehört. Die wichtigen politischen Veränderungen von der Untertanenherrschaft zur Basisdemokratie, inklusive Helvetik, Kantonstrennung und Gründung des Bundesstaats, werden auf Schautafeln dargestellt.

Bewusstes Spiel mit den eigenen Vorurteilen

Die Macher der Ausstellung im Museum im Bürgerhaus um die beiden Leiterinnen Johanna Schmucki und Beatrice Jäggi spielen in der Ausstellung bewusst mit dem Vorurteil, dem Pratteln als Industrie- und Ausländergemeinde seit vielen Jahrzehnten ausgesetzt ist. Die Stufen der Treppe ins dritte Stockwerk des Museums, wo die Wanderausstellung untergebracht ist, sind rückwärts gezählt mit wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen und vor allem Daten beklebt.

Die Ausstellung stellt neben dem politischen Wandel den wirtschaftlichen Wandel in Pratteln vom Bauerndorf zum Hightech-Standort dar: Zwischen historischen Fotografien von Arbeitsszenen in Pratteln an Wäscheleinen erzählt Gemeindemitarbeiter Bruno Helfenberger von einem Erntetag um 1765, einem Waschtag um 1845, von einem Fabriktag um 1955 und einem Arbeitstag um 2015. Aber auch der Wandel des gesellschaftlichen Lebens in Pratteln kommt nicht zu kurz: An einem mit Käseglocken gedeckten Tisch kann der Besucher selbst herausfinden, was in den vergangenen Jahrhunderten bei den Prattlern daheim auf den Tisch kam.

Teil des Festprogramms der Bürgergemeinde

An den «Härdöpfelkönig», den ersten Prattler Landwirt, der um 1800 die skeptisch betrachteten Kartoffeln anbaute, wird sich kein Zeitzeuge mehr erinnern können, an die ersten «Pausenäpfel», die ab 1952 an die Schüler verteilt wurden, schon eher. Aus heutiger Sicht unglaublich: Erst damals kam man auf die Idee, dass Alkohol für Kinder nicht gut sein könnte. Wenn es um Pratteln und Essen geht, dürfen natürlich auch Rezepte für den «Pfirteschangchueche» nicht fehlen, das Prattler Original aus Blätterteig und Mandeln, den der Konditor Jean Pfirter um 1900 erstmals buk.

Ausserdem erzählen alteingesessene Prattler aus dem Alltag und ihren Erlebnissen der vergangenen Jahrzehnte; so Markus Dalcher, der im Gebiet Grüssen einen Mammutzahn fand, oder Dolores Santacroce, die als Spanierin mit Sandalen im Prattler Schnee ankam. Die Ausstellung ist Teil des Festprogramms der Bürgergemeinde, das wegen Corona deutlich abgespeckt wurde. So war etwa ein dreitägiges Fest geplant. Geblieben ist am 14. Dezember eine Einbürgerungsaktion, bei der Schweizer für 500 Rappen Prattler Bürger werden können; ausserdem ein Begleitbuch mit Aufsätzen zum Thema und Sätze von Jasskarten mit dem Jubiläumslogo, die die Bürgergemeinde anstatt des ausgefallenen Banntags an ihre Mitglieder verschickte.

Öffnungszeiten Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr (Schulferien geschlossen). Freier Eintritt. Ort: Hauptstrasse 29, Pratteln