Museum Kultur und Spiel
Selbst mitgestalten: In Riehen können Kinder zu Museumsprofis werden

Am Wochenende öffnet das einstige Spielzeugmuseum in Riehen als Museum für Kultur und Spiel MUKS wieder. Der Museumsbesuch soll zum Aktiverlebnis werden ‒ allen voran für Kinder.

Tobias Gfeller
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Riehen stellte das neue Museum Kultur und Spiel vor MUKS.

Riehen stellte das neue Museum Kultur und Spiel vor MUKS.

Nicole Nars-Zimmer

Ob der historische Spielzeuglastwagen nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle steht, das Telefon nicht mehr richtig aufgelegt ist oder der Zug nicht in den Bahnhof rangiert wurde, sei egal, sagt Museumsleiterin Julia Nothelfer. «Wer sagt denn, dass es so richtig ist, wie wir es jetzt angerichtet haben?» Kinder sollen im neuen Riehener Museum für Kultur und Spiel MUKS die Möglichkeit haben, ihre eigenen Ideen einzubringen und das Museum aktiv zu erleben. Zwar zieren noch immer historische Objekte die Vitrinen, doch diese sind im Vergleich zu vorher mehr Begleitobjekte und für die Ausstellungen weniger prägend.

Die Lebendigkeit steht im Fokus.

Die Lebendigkeit steht im Fokus.

Nicole Nars-Zimmer

Im Mittelpunkt solle der aktive Museumsbesuch stehen – allen voran für Kinder, so Julia Nothelfer. «Wir stellen nicht mehr einfach Spielzeuge in den Vordergrund, sondern das Spiel, mit allem, was dazugehört.» Es gehe mehr um die Aktion als das reine Betrachten. Die Spielzeuge sollen mit ihren Funktionen eine Lebendigkeit erhalten. Dass dies funktioniere, erkannten die Riehener Museumsverantwortlichen noch vor der Neukonzeption beim Spielzeugmuseum.

Während die historischen Sammlungen auf immer weniger Interesse stiessen, begeisterten Sonderausstellungen, bei denen die Besucherinnen und Besucher Teil des Museumserlebnisses wurden. Das MUKS richtet sich nun noch mehr als sein Vorgängermuseum an Kinder mit ihren Eltern, Grosseltern und an Schulklassen aus. Offensichtlich wird das nicht nur an den vielen erlebbaren Spielsachen, sondern auch an Stufen, die auch auf kurze Beine ausgelegt sind. An manchen Stellen müssen sich die Erwachsenen der Kinderwelt sogar anpassen. Für Museumsleiterin Julia Nothelfer ist deshalb klar:

«Die Kinder werden hier zu Museumsprofis und sind ihren Eltern immer einen Schritt voraus»

3,6 Millionen Franken sprach der Riehener Einwohnerrat 2018 für die Neukonzeption und die Renovation des Wettsteinhauses. Gut eine halbe Million Franken steuerten der Kanton Basel-Stadt im Rahmen des Swisslos-Sportfonds und die eidgenössische Denkmalpflege bei. Der Riehener Politik war es dabei immer wichtig, dass dem Dorfmuseum, also der Geschichte der Gemeinde, die bereits im Rahmen des 1972 eröffneten Spielzeugmuseums Teil war, ein grosszügiger Platz im MUKS erhalten bleibt. Und im Gegensatz zu früher wird die Geschichte sehr persönlich dargestellt.

Träumen im MUKS.

Träumen im MUKS.

Nicole Nars-Zimmer

Menschen aus Riehen erzählen ihre eigene, bewegende Geschichte. Die dorfprägende Vereinskultur wird gezeigt, aber auch, dass es in Riehen ein Trennen gibt, und das nicht nur, weil Riehen zu drei Vierteln von der Landesgrenze umgeben ist. Platz erhält deshalb die bewegte Zeit zwischen 1933 und 1945, als sich an der Eisernen Hand unzählige Flüchtlingsschicksale abspielten.

Hier wohnte einst der Basler Bürgermeister

Dass die Gemeinde noch immer ein eigenes Museum in dieser Grösse betreibt, ist alles andere als selbstverständlich. Dies betont auch die zuständige Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP). Das habe unter anderem viel mit dem Dorfbild prägenden Gebäude zu tun, das die Gemeinde 1950 gekauft hat und das schon zuvor unter Denkmalschutz gestellt wurde.

«Das MUKS richtet sich nun noch mehr als sein Vorgängermuseum an Kinder mit ihren Eltern, Grosseltern und an Schulklassen aus.»

«Das MUKS richtet sich nun noch mehr als sein Vorgängermuseum an Kinder mit ihren Eltern, Grosseltern und an Schulklassen aus.»

Nicole Nars-Zimmer

Im Haus wohnte einst der Basler Bürgermeister und Riehener Landvogt Johann Rudolf Wettstein (1594-1666). Ihm ist im MUKS ein audiovisueller Rundgang gewidmet. Im neuen Museum kommen die einstigen Wohnräumlichkeiten von Wettstein wieder mehr zur Geltung. Das freut Christine Kaufmann: «Ich bin überzeugt, dass das Museum in dieser Form so nur in diesem für Riehen wichtigen historischen Gebäude funktioniert.»