Diegten
Myrta Stohler: «Langweilig wird mir bestimmt nicht»

Nach insgesamt 22 Jahren tritt Myrta Stohler aus dem Diegter Gemeinderat zurück. Ein Rück- und Ausblick. Sie war die erste Frau, die im Diegter Gemeinderat Einsitz nahm.

Seraina Degen
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Gemeindepräsidentin Myrta Stohler: «Das Ansehen ist nicht mehr dasselbe.»sde

Gemeindepräsidentin Myrta Stohler: «Das Ansehen ist nicht mehr dasselbe.»sde

Die heute 62-jährige Myrta Stohler zog zusammen mit ihrem Mann 1977 vom Kanton Solothurn nach Diegten. Bald darauf wurde die zweifache Mutter in die Schulpflege gewählt. 1990 wurde sie Gemeinderätin und vier Jahre später Gemeindepräsidentin.

Myrta Stohler, hätten Sie bei Ihrer Wahl 1990 gedacht, dass Sie dieses Amt mehr als zwei Jahrzehnte lang ausüben würden?

Myrta Stohler: Nein, das hätte ich nicht gedacht. Ursprünglich habe ich mich sogar schwergetan zu kandidieren. Ich fragte mich damals ernsthaft, ob ich überhaupt dazu fähig bin. Nun weiss ich, dass man in dieses Amt hineinwachsen kann und täglich etwas dazulernt.

Wie schätzen Sie Ihre Amtszeit als Gemeindepräsidentin ein?

In 22 Jahren im Amt muss man viel aushalten. Eine dicke Haut bekommt man zwangsläufig. Ich habe stets versucht, Kritik nicht allzu persönlich zu nehmen. Trotzdem möchte ich festhalten, dass wir Entscheide immer im Team und für das Gemeindewohl gefällt haben. Die Gesetze gelten für alle gleich. Wenn man Gleichbehandlung lebt, kann man den Leuten ohne weiteres immer in die Augen schauen.

Was hat sich in all den Jahren verändert?

Als ich gewählt wurde, schrieben wir die Protokolle noch von Hand in dicke Bücher. Das wäre heute undenkbar. Zudem finde ich, dass wir heute schwierigere Probleme lösen müssen als früher. Ich denke da vor allem an Fälle im Bereich der Vormundschaft. Von der Bevölkerungszahl her hat sich Diegten in all den Jahren nahezu verdoppelt.

Hat das Amt heute an Attraktivität verloren?

Ja, ich denke schon. Als Gemeindepräsidentin ist man nicht mehr eine solche Persönlichkeit, wie man das früher war. Das Ansehen ist nicht mehr dasselbe. Heute ist es mehr Bürde als Würde, das ist spürbar.

Weshalb treten Sie Ende Juni ab?

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, mit 60 Jahren meine Ämter niederzulegen. Nun ist der Zeitpunkt mit den Erneuerungswahlen definitiv gekommen, frischen Kräften Platz zu machen. Ich habe mich lange genug für Diegten eingesetzt und verabschiede mich nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Besonders Freude hatte ich am persönlichen Kontakt mit den Leuten.

Was ist Ihr persönliches Highlight?

Das Dorffest «850 Jahre Diegten» im Jahr 2002 war ein super Fest. An dieses erinnere ich mich gerne zurück.

Wie sehen Sie die Zukunft von Diegten?

Ich denke, die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden wird wachsen. Im Diegtertal haben wir nun zusammen mit Eptingen und Tenniken die Schule zusammengelegt; dies ist ein Anfang. Grundsätzlich werden auch in Zukunft viele kantonale sowie Bundesgesetze entstehen, welche die Gemeinden umsetzen und ausbaden müssen. Oft hat das finanzielle Folgen, wo man sich fragen muss, wie das die Gemeinden noch bezahlen sollen.

Welche Herausforderungen kommen auf die Baselbieter Gemeinden zu?

Für kleine Gemeinden wird es schwierig, stets alle Vorschriften umzusetzen. Als kleine Gemeinde kann man nie das Gleiche anbieten wie eine grössere Gemeinde im unteren Kantonsteil. Punkto Finanzausgleich mache ich mir keine Illusionen: Eine kleine Gemeinde wird immer auf Unterstützung aus dem Finanzausgleich angewiesen sein.

Werden Sie den Verband Baselbieter Gemeinden (VBLG) weiterhin präsidieren?

Das Amt ist gekoppelt mit einem Gemeinderatsmandat. In den Statuten ist es so geregelt, dass ich noch bis Ende Jahr Präsidentin sein kann. Im Oktober wird mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin gewählt. Mein letztes grosses Ziel ist, dass sich die Unterbaselbieter Gemeinden dazu bewegen lassen, ihre Initiative über die 200000 Franken Zusatzbeiträge für den Finanzausgleich zurückzuziehen.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin in Diegten?

Ich würde sagen, er oder sie soll
den Leuten gut zuhören und allfällige Kritik nicht persönlich nehmen. Als Gemeinderat soll man für alle die gleichen Entscheide treffen und alle gleich behandeln. Es ist wichtig, mit den Einwohnerinnen und Einwohnern einen geraden Weg zu gehen.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Bis Ende Jahr bin ich noch Präsidentin des VBLG. Zudem bin ich nach wie vor mit viel Freude und Engagement im Landrat aktiv. An zwei Tagen pro Woche hüten mein Mann und ich unseren Enkel, da läuft also immer etwas. Langweilig wird mir bestimmt nicht.