Zwischen Pratteln und Liestal kommt man nicht an ihr vorbei: Die H2-Baustelle. Zu tief sind die Gräben, zu hoch die Kräne, als dass man sie übersehen könnte. Ebenfalls beeindruckend in ihrer Zahl, wenn auch weniger erfreulich, sind die unzähligen Sperrungen, Umleitungen oder Verzögerungen, die sich durch das 554-Millionen-Projekt entlang der Rheinstrasse ergeben. «In den nächsten Wochen wird es besonders viele Verkehrsanpassungen geben», macht Rudolf Büchler für die Ferienzeit wenig Hoffnung auf Besserung. Für den Gesamtprojektleiter (GP-Leiter) ist die verstärkte Tätigkeit während der Sommerwochen aber letztlich die beste Lösung: «Ferien sind für Bauarbeiten die beste Zeit, da dann deutlich weniger Autofahrer betroffen sind als normalerweise.»

Stau ist nicht zu verhindern

Die Problemzonen sind bekannt: Die Kittler-Kreuzung beim McDonald's in Füllinsdorf bleibt für Büchler das grösste Sorgenkind, da sich der Verkehr Richtung Liestal teilweise bis zur Hülften staut. «Das war auf der Rheinstrasse aber schon vorher so und ist schliesslich einer der Hauptgründe, diesen H2-Abschnitt zu bauen», merkt er an. Ab kommendem Sonntag dürfte aber auch der Schauenburger-Kreisel wieder zur Staufalle werden. Dies, weil er ab dann von Sissach her wieder an die H2 angeschlossen ist, was schon in der Vergangenheit zu Problemen führte.
ÖV-Benutzer müssen derweil auf der Rheinstrasse weiter mit Verspätungen der Buslinien 70, 75 und 80 rechnen (die bz berichtete). Für Büchler hält sich allerdings «alles im Rahmen». Für ihn ist klar: «Ende 2013, wenn der Bau dann fertig ist, werden alle glücklich und zufrieden sein.» Dies habe er bereits beim 1,7-Milliarden-Projekt der Nordtangente in Basel so erlebt. Und Büchler fügt lachend an: «Nach Bauschluss haben sich Altersheimbewohner sogar beschwert, dass sie nun nichts mehr zu gucken hätten.»

Tunnel schon sehr weit

Auf der Grossbaustelle wird momentan in allen Abschnitten zwischen Pratteln und Liestal parallel gebaut. «Natürlich ist das keine alltägliche Sache, doch ich bin halt schon ein Routinier», sagt GP-Leiter Büchler. Er hebt drei aktuelle Hauptprojekte hervor: Beim Prattler Hülften-Kreisel laufen momentan die Strassenbelagsarbeiten. Erst letzte Woche wurde die letzte der fünf Brücken betoniert. Bis Ende Jahr soll der Kreisel bereit sein. Nur der Anschluss an die A2 wird bis Mitte 2013 auf sich warten lassen. Büchler: «Wir brauchen den Platz dort als Material-Sammelstelle.» Bereits in Betrieb ist dagegen eine Abwasserreinigungsanlage.

Als Zweites richtet sich das Augenmerk auf den 2,2 Kilometer langen Schönthaltunnel. Die Arbeiten vom Los Nord von Füllinsdorf Richtung Liestal sind laut Büchler «massiv fortgeschritten». 600 Meter der 1,1 Kilometer dieses Loses seien erstellt, momentan werden die Lüftungs- und die Elektrozentrale eingerichtet. Das Los Süd hat mehr Aushub und ist bei gut 100 Metern angelangt.
Vor kurzem fertig geworden ist die Liestaler Ergolzbrücke Kessel. Sobald der Anschluss an die A2 im August steht, kann sie in Betrieb genommen werden. Für Büchler ein wichtiger Schritt, da erst danach die provisorische Bananenbrücke abgebrochen werden kann. Bis Ende Jahr wird zudem die Fussgänger- und Radfahrerbrücke fertiggestellt.

Dank trockenem Frühlingswetter ist man perfekt im Zeitplan. «Wir sind sogar etwas schneller. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben», mahnt Büchler. Auch die Kosten habe man nun nach dem letzten Zusatzkredit von 140 Millionen Franken, die der Landrat im Januar gesprochen hat, sicher im Griff. «Seit ein paar Jahren ist der Dampfer auf Kurs», sagt Büchler, der seit gut drei Jahren GP-Leiter ist, mit einem Augenzwinkern.