Nachruf
Schnitzelbangg Peperoni: Des Schacher Sepplis witzigste Kuh

Die Fasnachts- und Schnitzelbanggszene trauert. Vergangene Woche ist Peperoni, bekannt als grosse, schwarz-weisse Kuh, verstorben. Ein Nachruf von Schnitzelbangg-Kollege Singvogel.

Singvogel
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Der Schnitzelbank Peperoni im Basler Stadttheater im Jahr 2012.

Der Schnitzelbank Peperoni im Basler Stadttheater im Jahr 2012.

Kenneth Nars

Die Ironie-Liebhaber waren sich einig: «Köstlich.» – Die Gestalter nickten: «Ein Wurf.» – Die Theaterdirektorin war glücklich: «Beste Unterhaltung.» – Und der Poesie-Connaisseur brachte es auf den Punkt: «Ein Gedicht.»

Ja, die Verse des Schnitzelbänklers Peperoni hatten es in sich. Fröhlich und frech, präzis zugespitzt, stets von Neuem überraschend. Mit wenigen Worten gelang es ihm, eine Bilderwelt zu öffnen, die das Publikum auf Anhieb verstehen konnte. «Unsre Grenadier us Kanderstäg», so begann einer seiner Verse. Und schon war allen klar, wer gemeint war, ohne dass auch nur ein Name oder ein Ereignis genannt wurde. Umso genauer wollte, ja musste man ab der zweiten Zeile hinhören, schmunzeln, um in der vierten Zeile befreiend loszulachen. Diese letzte Linie war jeweils das Meisterstück: Ein im Raum hängendes Thema zu verdichten und so fliessend und wie selbstverständlich zum Abschluss zu bringen, dass die Zuhörenden meinten, der Satz hätte auch von ihnen selbst sein können. Das war Peperonis einfache und gleichzeitig hohe Kunst. Dass er sich zu Beginn seiner Schnitzelbanklaufbahn für die Melodie des Schacher Seppli entschieden hatte, stellte sich als Glücksfall heraus: Kein anderer konnte die Schlusspointe so herunterträllern wie er.

Bei aller Satire, bei aller Frechheit, die den Schnitzelbank ausmacht, spürte man die Wertschätzung, die sich in einem heiteren Tonfall äusserte. Und so war auch der Mensch Peperoni: humorvoll, klug, aufmerksam, einfallsreich. Seine Auftritte waren ein kleines Familienunternehmen. Manchmal standen drei Generationen auf der Bühne, von der Ehefrau bis zu den Grosskindern. Auf der linken Seite präsentierte die Sennerin in der roten Tracht die Helgen, von der rechten Seite kamen die wehmütigen Örgeliklänge des Bauern im blauen Hemd. Und in der Mitte stand, die andern überragend, die stattliche schwarz-weisse Figur mit den markanten Hörnern.

Während dreissig Jahre war Basels berühmteste Kuh als Comité-Schnitzelbank unterwegs. Beim Pfyfferli gehörte Peperoni zur Stammgruppe. Daneben textete er fürs Theater, schrieb Zeedel und betreute seine eigene kleine Vorfasnachtsveranstaltung, das Frässerli. Er half Kolleginnen und Kollegen und coachte Anfänger, hielt Vorträge und gab Volkshochschulkurse. Es war ihm wichtig, dass die Schnitzelbankkultur weiterbestehen möge, auch wenn einmal «die Alten nicht mehr singen», wie er sagte.

Letzte Woche ist Peperoni im Alter von 75 Jahren gestorben. Sein Ideenreichtum und sein Humor werden Basel fehlen. Die zeitlosen Verse bleiben uns aber in fröhlicher Erinnerung.

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