Food-Waste
Nahrungsmittel werden schon lange nicht mehr einfach weggeworfen

Die Grossisten spenden Überschüsse an soziale Einrichtungen. Doch auch einige Detailhändler und Gastronomen finden «Wegschmeissen» nicht sinnvoll. Es sind aber immer noch wenig, die ihre Resten weitergeben. Das meiste landet immer noch im Müll.

Boris Burkhardt
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René Arlati (l.) und seine Mitarbeiterinnen besprechen, wie viele Lebensmittel jeder Familie zustehen. HUG

René Arlati (l.) und seine Mitarbeiterinnen besprechen, wie viele Lebensmittel jeder Familie zustehen. HUG

Beide grossen Schweizer Lebensmittelketten bemühen sich um ein optimales Image, wenn es um soziale Verantwortung im Bereich Lebensmittel geht. So heisst es von Coop-Sprecherin Naomi Wannenmacher, «Coop unterstützt die Schweizer Tafel, Tischlein Deck Dich und Caritas seit vielen Jahren, nimmt hier eine Pionierrolle ein und wird diesen Weg auch in Zukunft gehen.» Auch Dieter Wullschleger, Sprecher der Migros Basel, versichert: «Das sogenannte ‹Food-Waste› ist ein Thema, das bei der Migros sehr vorbildlich behandelt wird.»

Standards müssen beachtet werden

Tatsächlich sind bei der Schweizer Tafel Basel jeweils über 20 regionale Filialen der beiden Ketten als Lebensmittelspenderinnen aufgelistet. Die Schweizer Tafel oder auch der Carton du Cœur holen laut Wullschleger regelmässig nach Ladenschluss Obst, Gemüse und Gourmessa-Produkte bei den Migros-Filialen der Region ab. Die Genossenschaft müsse aber darauf achten, dass die Organisationen Hygienestandards und vor allem die lückenlose Kühlkette garantieren könnten: «Dafür haben wir mit der Schweizer Tafel zum Beispiel einen Vertrag geschlossen.»

Das könne erklären, warum die Migros der Heilsarmee vor einigen Jahren keine Lebensmittel für eine wohltätige Strassenverteilung geben wollte, wie der heutige Leiter des Liestaler Männerwohnheims, Stefan Inniger, berichtet. Hygiene hin oder her – für ihn war die damalige Angst der Migros, sie könnten haftbar gemacht werden, wenn das Essen verdorben sei, ein «Kabarett».

Doch neben den grossen Ketten befinden sich unter den Spendern auch über 40 Einzelhändler, Bäckereien und Wirtschaften in Stadt und Land. Daniela Rondelli, Geschäftsführerin der Schweizer Tafel, bringt es auf den Punkt: «Die Hauptmotivation der Spender ist, dass es Sinn macht.» Das bestätigt auch Bäcker Rolf Jeker, dessen Ettinger Filiale spendet: «Die Waren von gestern kann man bedenkenlos essen. Es ist traurig, dass wir sie dennoch wegschmeissen müssen.»

Auch die Gastronomen sind laut Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt dazu gezwungen, viele Lebensmittel vorzeitig zu entsorgen: «Das ist ein Problem der mikrobiologischen Veränderung. Da sind die Toleranzwerte schnell überschritten, obwohl das Essen nicht unbedingt schlecht ist.» Eine «repräsentative Übersicht» der sozial engagierten Gastronomen hat Ebneter nicht.

Verbraucher ist selbst gefragt

Die geringe Zahl der Gastronomen auf der Spenderliste der Schweizer Tafel zeigt aber: Das meiste Essen in der Nahrungsproduktion landet immer noch im Müll. 250000 Tonnen sind es schweizweit jedes Jahr. Immerhin wird auch in der Region der Abfall inzwischen sinnvoll verwendet: Mehrere Entsorgungsfirmen gewinnen aus der Vergärung der Biomasse Energie. Auch die grossen Ketten nutzen diese Form des Recyclings, wie Coop-Sprecherin Wannenmacher betont: «Beim Vergären der Essensreste findet eine weitestgehende Nutzung der Nährstoffe für neue Lebensmittel statt.»

Letztlich sind aber auch die Ansprüche der Konsumenten mitverantwortlich für den täglichen Überschuss an Lebensmitteln, wie Erika Städeli von der Konsumenten-Vereinigung Nordwestschweiz betont: «Jeden Morgen müssen alle Brotsorten da sein, das ganze Jahr dasselbe Obstangebot.»