BVB
Neue Tramlinie zum Badischen Bahnhof soll schneller realisiert werden

Vom Bahnhof SBB soll eine neue Tramlinie zum Badischen Bahnhof führen und damit die Innenstadt entlasten. Das Projekt kann aber erst in 10 Jahren realisiert werden. Das Das Komitee Pro Tram fordert nun, die neue Strecke in Abschnitten bereits früher zu bauen.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
So wie auf dieser Fotomontage soll es nach dem Willen von Tram-Lobbyisten im Petersgraben bald aussehen

So wie auf dieser Fotomontage soll es nach dem Willen von Tram-Lobbyisten im Petersgraben bald aussehen

Barbara Adank

Die «grüne Wand» in der Innenstadt: Seit Jahren wird in Basel darüber gestritten, wie die Achse Aeschenplatz-Barfüsserplatz-Schifflände vom Tramverkehr entlastet werden könnte. Die Situation droht sich in den nächsten Jahren noch zu verschärfen: Die Regierung will mit dem Entwicklungsrichtplan Innenstadt die Plätze beleben (bz von vergangenem Dienstag). Vor allem der Marktplatz, der abends und an Wochenenden wenig einladend wirkt, soll als Veranstaltungsort etabliert werden. Die vielen Trams, die im Minutentakt über den Platz rattern, behindern allerdings eine stärkere Bespielung.

Zwei Linien aus Innenstadt nehmen

Die Regierung weiss um diesen Widerspruch und stellt eine Entlastung der Innenstadt in Aussicht. Allerdings liegt kein konkretes Projekt vor. Das Komitee Pro Tram prescht nun mit einer neuen Idee für eine relativ rasche Entlastung der Innenstadt vor: eine vorgezogene Teil-Realisierung der vom Komitee geforderten und vom Grossen Rat im Grundsatz abgesegneten neuen Tramlinie vom Bahnhof SBB via Johanniterbrücke zum Badischen Bahnhof (Tramlinie 30).

Demnach könnte in einer ersten Etappe der Abschnitt Lyss-Petersgraben-St.Johann-Vorstadt und allenfalls jener von Johanniterbrücke zur Feldbergstrasse gebaut werden.

Inbetriebnahme für 2017 geplant

«Damit könnte der Abschnitt Barfüsserplatz-Schifflände bereits in wenigen Jahren entlastet werden», erklärt Beat Leuthardt, Sekretär von Pro Tram. Er spricht von zwei der heute sechseinhalb Linien - der 15er verkehrt auf diesem Abschnitt nur in einer Richtung. Auf bestimmte Linien festlegen mag sich Leuthardt allerdings nicht. «Der Netzplan erlaubt zahlreiche Varianten».

Wichtiger ist für ihn der Zeitplan: Leuthardt plädiert dafür, dass die genannten Teilstrecken der neuen Tramlinie 30 parallel zum Margarethenstich gebaut werden. Dieser ermöglicht künftig eine Direktanbindung des Leimentals an den Bahnhof SBB. Der Ausführungskredit wird dem Grossen Rat in den nächsten Wochen vorgelegt. Die Inbetriebnahme des Margarethenstichs ist für 2017 geplant.

Die vorgezogene Verlegung von Tramschienen sei im Petersgraben problemlos möglich, findet Beat Leuthardt, der selber als Tramchauffeur in der Stadt unterwegs ist. Er ist zudem überzeugt, dass ein solches Projekt politisch mehrheitsfähig sei. Die Unterstützung der beiden Grossräte Dieter Werthemann (GLP) und Joël Thüring (SVP) hat er jedenfalls auf sicher, wie die beiden im Gespräch mit der bz ausführen. «Ich unterstütze sämtliche Massnahmen gegen die Tramwand in der Innenstadt», sagt etwa Joël Thüring.

Absenkung des Gleisbetts auf der Johanniterbrücke

Soll allerdings auch die Mittlere Brücke vom Tramverkehr entlastet werden, ist das Teilstück über die Johanniterbrücke zwingend. Der Bau der Schienen erfordert einen Unterbau von 30 Zentimetern sowie eine Absenkung des Gleisbetts. Ob ein Aufbau von einem halben Meter auf der 1967 erbauten Stahlbetonbrücke überhaupt möglich sei, müsse im Detail geprüft werden, sagt Rodolfo Lardi. Der Ingenieur und stellvertretende Leiter des Tiefbauamts ist wie kaum ein Zweiter im Kanton mit Bauten im Tramverkehr vertraut. «Klar ist: Das wäre ein massiver Eingriff in die bestehende Struktur der Brücke. Da muss man viel Hirnschmalz investieren», sagt Lardi.

Andere Projekte haben Priorität

Fragen der technischen Machbarkeit sind das eine: Das andere ist die Tatsache, dass der Kanton beim Ausbau des Tramnetzes bereits einige Projekte in der Pipeline hat, die prioritär behandelt werden. Neben dem Margarethenstich sind dies das Tram in die Erlenmatt und in die Hochbergerstrasse in Kleinhüningen. Hinzu kommen die Verlängerung der Tramlinie 3 nach Saint-Louis und jene der Linie 14 nach Salina-Raurica. Die meisten dieser Ausbauprojekte würden neue Gebiete erschliessen, erläutert Alain Groff, Leiter des Amts für Mobilität in Basel.

Im Gegensatz dazu hätten die geplanten Schienenstücke durch den Petersgraben oder den Claragraben primär eine Netzwirkung. Zur Forderung von Pro Tram nach einer vorgezogenen Teilrealisierung der Tramlinie 30 äussert sich Alain Groff vorsichtig: «Wir sagen nicht: ‹Das kommt nicht infrage.› Allerdings müsste der Kanton seinen Fahrplan für den Ausbau des Netzes dann nochmals überdenken.»