Er ist der Überraschungsmann in einer ereignisreichen Basler Politwoche: Gabriel Barell (52), der neue Direktor des Gewerbeverbands. Keiner hatte ihn als Nachfolger von Peter Malama auf der Rechnung.

Bei Recherchen über Barell stellt sich allerdings rasch die Frage, weshalb die Wahl nicht gleich auf ihn gefallen ist und sich der Gewerbeverband bei der Suche derart schwergetan hat. Der offen und kommunikativ auftretende Barell wird allseits gelobt und entspricht ideal dem Anforderungsprofil. Der Ökonom ist Leiter Region Basel der Valiant Bank und Mitinhaber des Restaurants «Pane con Carne», beides mit Sitz an der Sternengasse im Basler Bankenviertel. Über Mittag verpflegt sich Barell gerne selbst in seinem Restaurant. Vor dem Engagement bei Valiant war er Geschäftsführer des «Sutterbegg» und in verschiedenen Funktionen bei der Credit Suisse tätig.

«Hatte nicht mehr Know-how als andere Bewerber»

Barell hatte sich zuerst selbst nicht auf der Rechnung. Er nahm Einsitz in der vierköpfigen Findungskommission, was eine Wahl ausschloss. Er habe sich aber in einer «sehr frühen Phase» aus der Kommission zurückgezogen, sagt Barell. Eine Aussage, die von Gewerbepräsident Marcel Schweizer bestätigt wird. Die Findungskommission wurde vom Vorstand am 11. Oktober 2012 eingesetzt. Barell sagt, er habe dem Kommissionspräsidenten Oliver Scheidegger seinen Rücktritt «in der ersten Hälfte Dezember» mitgeteilt und sich beworben. «Ich hatte nicht mehr Know-how zum Selektionsprozess als andere Bewerber.»

Im Gespräch wird rasch klar, dass Barell ein Flair hat für das Gewerbe. Beim Thema «Sutterbegg» gerät er ins Erzählen. Aus dem 1910 gegründeten, etwas behäbigen Familienbetrieb hat er ein expandierendes Unternehmen geformt. Barell erwarb sich den Ruf eines spontanen, innovativen Machers. Er realisierte das trendige Street-Café-Konzept, das mittlerweile von anderen Bäckereien kopiert wird, gründete mehrere neue Filialen – unter anderem jene in der Bahnhofshalle – und brachte neue Produkte auf den Markt. Ein «Erlebnisbäcker», der ständig auf der Suche nach Neuem ist. Der Konkurrenz ist das nicht entgangen. Markus Höhener, Teilhaber der Bäckerei Streuli, sagt, Barell habe «Sutterbegg» «modernisiert». Er habe ihn als «engagiert» und «lebensfroh» in Erinnerung. «Er ist keiner, der nur im Büro sitzt und Anweisungen gibt.»

Kein Nachfolger in Sicht

Für die Valiant Bank ist Barells Abgang ein herber Rückschlag. Barell hat die Bank nach Basel gebracht. Er baute den Basler Ableger auf und sollte ihn nun auf dem hart umkämpften Bankenplatz Basel etablieren. Anfang Januar 2010 ist die Bank mit einer aufwendigen Werbekampagne fulminant gestartet. Unübersehbar prangte der violette Valiant-Schriftzug auf einem Drämmli, dem FasnachtsGenDrämmli.

Das Standing der Valiant Bank in Basel ist umstritten. Offiziell wollen sich führende Banker anderer Häuser nicht zum neuen Mitbewerber äussern. Aussagen hinter vorgehaltener Hand ergeben kein einheitliches Bild. Barell selbst äussert sich «zufrieden» mit der Entwicklung. «Man kennt uns jetzt in Basel.» Der Basler Ableger beschäftigt rund dreissig Mitarbeiter. Ein Drittel der Kredite ist bei KMU. Detailliertere Geschäftszahlen der «KMU-Bank» will Barell nicht nennen. «Das Unternehmen veröffentlicht nur konsolidierte Zahlen.» Valiant, die grösste Regionalbank der Schweiz mit Geschäftsleitungssitz in Bern, hat eine Bilanzsumme von 25,3 Milliarden Franken. Ein Nachfolger Barells ist laut einem Sprecher noch nicht in Sicht.

Gewerbedirektor im Hintergrund

Durchs Band wird der parteilose Barell als guter Netzwerker und Verkäufer geschildert. Er ist Vorstandsmitglied im Rotary Club Bottmingen/Birseck, im Juli wird er das Präsidium übernehmen. Der Club hält seine Treffen im gediegenen Schloss Bottmingen ab. Mitglieder sind auch UBS-Regionaldirektor Samuel Holzach und die Anwälte Peter Mosimann und Gert Thoenen. Ein Mitbegründer war der verstorbene Musiker George Gruntz.

Barells Flair fürs Gewerbe ist auch beim Restaurant «Pane con Carne» spürbar, das im ehemaligen Fischladen der Migros ein einladendes, mediterranes und etwas «gnuschiges» Ambiente bietet. Geführt wird das Lokal von Barells Lebenspartnerin Franziska Brugger und deren Schwester Mirjam Probst. Mit beiden arbeitete er schon in der Geschäftsleitung des «Sutterbegg» zusammen. «Pane con Carne» ist ein Ausbauprojekt. In Liestal und Muttenz gibt es Ableger. Auch als Gewerbedirektor wird Barell bei der Pane-con-Carne AG weiter «im Hintergrund» wirken. Er will nicht wie seine Vorgänger Malama und Christoph Eymann blosser Funktionär sein.