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Nicht an der Corona-Front: CEO des Kinderspitals beider Basel kriegt eine der begehrten Impfungen

UKBB-CEO Marco Fischer wurde bereits gegen das Coronavirus geimpft, obwohl in der ersten Phase die Mitarbeitenden an der Front berücksichtigt werden sollen. Das sorgt im Spital für Stirnrunzeln und Ärger.

Jonas Hoskyn
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UKBB-Chef Marco Fischer bei der Jahresmedienkonferenz 2018. (Archiv)

UKBB-Chef Marco Fischer bei der Jahresmedienkonferenz 2018. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Rund 1000 Personen arbeiten am Basler Kinderspital (UKBB). Diese Woche hat das UKBB vom Kanton 100 Impfdosen gegen Covid-19 zugeteilt bekommen. Damit sollten die Mitarbeitenden an der Front geimpft werden: Zuerst die Mediziner und Pflegemitarbeitenden auf der Notfallstation und der Intensivpflegestation. Recherchen dieser Zeitung zeigen nun: Zu den Auserwählten, die bereits die erste Coronaimpfung erhielten, zählt auch CEO Marco Fischer. Dies sorgt im UKBB für Stirnrunzeln und Ärger, wie die «Schweiz am Wochenende» von Spital-Mitarbeitenden erfuhr.

Auf Anfrage bestätigt Fischer, dass er sich habe impfen lassen. Aus dem zugeteilten Impfstoff hätten insgesamt 110 Dosen gewonnen werden können, so der CEO. Tatsächlich sind die Ampullen vom Hersteller grosszügig bemessen – bei optimaler Einteilung können zusätzliche Impfungen gewonnen werden. Damit hätten alle impfwilligen und impffähigen Mitarbeitenden der ersten Priorität geimpft werden können, sagt Fischer. Die Impfbereitschaft sei deutlich höher als bei der normalen Grippe-Impfung. «Wir gehen davon aus, dass sich deutlich mehr als 50 Prozent der Mitarbeitenden impfen lassen werden.»

In der zweiten Priorität würden dann zum einen Mitarbeitende geimpft, die häufigen und intensiven Patientenkontakt haben und zum anderen Führungs- und Fachkräfte, bei denen ein langer Krankheitsausfall in der aktuellen Situation schwer oder gar nicht kompensierbar wäre. «Zu dieser Kategorie von systemrelevanten Mitarbeitern zähle auch ich», sagt Fischer. «Von einer dieser überschüssigen Dosen konnte ich mich spontan impfen lassen.» Die Frage, ob er als CEO ein Vorrecht genossen habe, verneint er. Neben ihm seien noch weitere Personen aus Führungs- und Fachkreisen geimpft worden, so Fischer.

Viele Spitäler und Heime müssen noch warten

Diese Woche war bekannt geworden, dass das Kinderspital und das Universitätsspital jeweils vom Kanton eine kleine Menge Impfstoff erhalten haben. Damit geht der Kanton einen anderen Weg als die Empfehlungen des Bundes, welche den Risikopersonen eine höhere Priorität einräumen – also Über-75-Jährige und Menschen mit schweren chronischen Vorerkrankungen.

«Wir haben gestützt auf entsprechende Anfragen der Spitäler und deren Prioritätensetzung Impfdosen für das Personal auf Intensiv- und Notfallstationen zur Verfügung gestellt, damit dort möglichst wenig Personalausfälle auftreten. Die Spitäler haben das Aufrechterhalten der Intensiv- und Notfallstationen als eminent wichtig für den Spitalbetrieb bezeichnet», erklärte das Basler Gesundheitsdepartement die Massnahme – von weiteren Mitarbeitenden wie Führungskräften war dabei offenbar nicht die Rede.

Zumal weitere Spitäler in Basel bisher noch auf Impfdosen für ihre Mitarbeitenden warten mussten. Gestern hat als dritte Institution das Claraspital, das ebenfalls eine Notfall- und Intensivstation betreibt, 100 Impfdosen vom Kanton erhalten. Auch in Alters- und Pflegeheimen wurden bereits vereinzelt Mitarbeitende geimpft, wenn vom mitgebrachten Impfstoff ein kleiner Überschuss bestand, der ansonsten verloren gegangen wäre. Dabei handelte es sich aber jeweils allesamt um Pflegemitarbeitende.

«Der Impfstoff reicht nur für die vorderste Front»

Am Mittwoch hat auch das Kantonsspital Baselland erstmals eine kleine Menge Impfstoff erhalten. Die 60 Dosen erhielten Mitarbeitende, die im Beatmungscenter im Bruderholzspital eingesetzt werden.

Auch beim Unispital, das bisher 200 Dosen Impfstoff erhalten hat, wurden keine Mitglieder der Spitalleitung geimpft. Dies bestätigt Sprecher Nicolas Drechsler auf Anfrage: «Der im Spital vorhandene Impfstoff reicht gerade für die vorderste Front», sagt Drechsler. «Am Universitätsspital wurden ausschliesslich Mitarbeitende geimpft, die im Notfallzentrum oder auf der Intensivstation arbeiten – unabhängig der Kaderstufe. Es wurden keine Mitglieder der Spitalleitung geimpft.» Und: Auch der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger ist noch nicht geimpft.

Joël Lier, der bei der Gewerkschaft VPOD für den Bereich Gesundheit zuständig ist, sagt: «Wir erwarten, dass das Personal, das einem höheren Risiko ausgesetzt ist, prioritär geimpft wird.» Da müsse der Kanton betriebsübergreifend die Koordination übernehmen. Auch die Langzeitpflege wie Spitex und Alters- und Pflegeheime müssten bei der Planung berücksichtigt werden, so Lier.