Nicht-Fasnacht
Bilanz vom Fasnachts-Spaziergang: «Wir wollten bewusst neue Wege gehen»

Kathrin von Bidder rekapituliert den ersten und wie sie hofft, letzten Fasnachts-Spaziergang.

Elodie Kolb
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Zwei Wochen lang verbreitete der Fasnachts-Spaziergang in der Basler Innenstadt trotz Ausfall von den «drey scheenschte Dääg» fasnächtliche Stimmung. Heute, am Samstag wird er abgebaut. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Spaziergang», sagt Kathrin von Bidder, Verantwortliche für die Nachwuchsförderung beim Fasnachts-Comité. «Er hat sich von einem kleinen Projektlein, das wir im Oktober angedacht hatten, zu einem zentralen Element der diesjährigen Nicht-Fasnacht entwickelt». Eigentlich sei das Projekt vor allem für die Jungen Garden gewesen. «Damit sie auf etwas hinarbeiten können», so von Bidder.

Während richtiger Fasnacht nicht vorgesehen

Wie viele Menschen tatsächlich den Spaziergang gemacht haben, könne sie aber nicht sagen. Ein Augenschein am Freitag zeigte, dass die QR-Codes im Grossbasel etwa zwischen 300 und 600 mal gescannt wurden. Einzelne Posten wie der auf der Wettsteinbrücke oder am Gemsberg erreichten über 1000 Aufrufe.

Auch wenn sie es als vollen Erfolg betrachtet, sei laut von Bidder während einer normalen Fasnacht kein Spaziergang vorgesehen. «Das könnten wir einerseits von der Arbeitsmenge her gar nicht stemmen, andererseits halten wir das auch gar nicht für nötig.» Aber einige Elemente würde sie gerne beibehalten: Beispielsweise die Fahnen auf der Mittleren Brücke oder die digitale Plattform jetzt-fasnacht.ch. «Der Spaziergang war sehr schön, wir hoffen aber, dass es eine einmalige Aktion bleibt und wir nächstes Jahr wieder richtig Fasnacht machen können», so von Bidder.

In den neun Tagen nach der Fasnacht habe von Bidder immer noch ein Interesse am Spaziergang wahrgenommen. «Das hat mich selbst überrascht, ich dachte, das Interesse für die Fasnacht würde abklingen.» Auch Blaggedden seien in der letzten Woche auf dem Spaziergang noch gut verkauft worden. Dass der Spaziergang zwei Wochen lang gemacht werden konnte, habe das Comité auf Anraten der Behörden eingerichtet, damit es während den drei Fasnachtstagen nicht zu grösseren Menschenansammlungen kommt, wie von Bidder sagt.

Es gab auch Kritik und Vandalismus

Von älteren Leuten gab es teilweise aber auch Kritik an der digitalen Form des Spaziergangs: An vielen Posten musste man einen QR-Code scannen, um die Fasnachtsmärsche oder Märchen hören zu können. «Die Einwände kann ich verstehen», so von Bidder. «Aber wir wollten bewusst neue Wege gehen». Es sei auch ein Projekt das mit den Jungen Garden und für Kinder und Junge ins Leben gerufen wurde. Und da seien Smartphones präsent. «Auch die Fasnacht entwickelt sich weiter. Wobei neues das alte nicht ersetzen, sondern eine Bereicherung sein soll.» Und sie habe auch bemerkt, dass gerade für ältere Leute der Spaziergang auch Lernerfahrungen mit sich bringen konnte: «Teilweise haben Kinder ihren Grosseltern erklärt, wie das Scannen eines Codes funktioniert».

Doch nicht allen schien der Spaziergang zu gefallen: Während der gesamten Zeit wurden Posten vom Spaziergang immer wieder durch Vandalen zerstört. «Es gab Posten, die wir täglich reparieren mussten», sagt von Bidder. Auch die Schilder seien teilweise in den Rhein geworfen worden. «Aber wir wollen dem nicht zu viel Gewicht geben. Für den Einzelnen ist es sehr schlimm, aber wenn man bedenkt, wie viel Material und Menschen unterwegs sind, ist es zum Glück nur sehr wenig.»

Am Freitag stehen die Posten im tristen Wetter etwas verloren in der Stadt. Einzelne Personen sind mit ihren Smartphones unterwegs im Rathaus und am Gemsberg. Räppli hat es immer noch am Boden, einzelne Schaufenster sind noch geschmückt. Auch die Fenster von Wohnhäusern zeigen immer noch: Die Fasnacht ist noch nicht lange her. Es habe das Comité sehr gefreut zu sehen, wie viel Privatpersonen und Läden ihre Fenster fasnächtlich hergerichtet hatten. Von Bidder glaubt:

«So fest geschmückt war unsere Stadt schon lange nicht mehr während der Fasnacht!»

Das wünsche sie sich auch in der Zukunft. «Schon seit Jahren liegen wir den Läden in den Ohren, dass sie ihre Schaufenster fasnächtlich dekorieren, jetzt hat es endlich geklappt.»