Doch weit gefehlt. Wenn es das «offenbare Geheimnis» (J.W. Goethe) irgendwo gibt, dann im Falle dieses Allerweltsstrauchs. Mit dem richtigen Schnitt steht schon alles Kopf: Bei den meisten Frühlingsblühern sägen wir alte, blühfaule Triebe bodeneben ab, damits Platz gibt für den kräftigeren Jungwuchs. Beim Hasel, der für einen Strauch sehr hoch wächst, bewährt sich das Gegenteil: Die alten, nicht mehr in die Höhe strebenden Triebe tragen besonders reich Blüten und Nüsse. Die Jungtriebe neigen dazu, die alten in der Höhe zu übertreffen, und deshalb sind sie es, die bodeneben wegkommen. Gerade und unverzweigt wie sie noch sind, dienen sie als Stecken oder sogar für Pfeil und Bogen. Manchmal köpfen listenreiche Gärtner die Jungruten auf halber Höhe, in der Hoffnung, sie würden sich verzweigen. Doch die Hasel lässt sich nicht beirren, und schickt einen einzigen Ersatztrieb bolzengerade aufwärts.

Wünschelruten sind aus Hasel

Fazit: Nur wer dem Haselstrauch mindestens sechs Meter Höhe zugestehen kann, soll der Wildform eine Wohnstatt anbieten. Die Gegenleistung lässt sich sehen, denn nebst den praktischen Stecken hageln nach ein paar Jahren unzählige Nüsse zu Boden. «Fällt im Herbst die Haselnussernte gut aus, gibt es im kommenden Jahr viele Kinder», hiess es früher, als eine vollwertige Nahrung über den Winter noch eine Seltenheit war. Heute teilen wir die Nüsse gerne mit den flinken Eichkätzchen, den seltenen Haselmäusen, und weniger gerne mit dem Haselnussbohrer, einem Käfer.

Auf ganz andere Weise dient uns der mehrstämmige Strauch, wenn mittels Wünschelruten Wasser und anderes gesucht wird. Das Haselholz scheint besonders stark auf Magnetfelder anzusprechen. Der Strauch hatte sogar den Ruf, ungünstige Erdstrahlen auszugleichen.

Wen erstaunt es da, dass der Strauch früher als heilig galt? Eine Spur davon ist im alten, leider kaum mehr gesungenen Kinderreim «Ringel, Ringel, Reie» zu erahnen. Darin gehen bekanntlich «d Maitli id Meie», und «d Buebe id Haaselnuss». Und dann machen «alli husch, husch, husch», kauern also nieder und verbeugen sich. Überreste alter Opfertänze?

Wie auch immer: Der Hasel ist für sein Gedeihen weitgehend auf uns Menschen angewiesen, da wir ihm die Bäume vom Leibe halten, und dies schon seit Jahrhunderten. Ebenfalls aus grauer Vorzeit ist der Name «hasal» überliefert, andere als diesen gibt’s im Deutschen keinen. Hingegen entstanden durch Züchtung ganz neue Typen. Die Sorten «Webb’s Preisnuss» und «Rote Zellernuss» tragen grosse Nüsse und bescheiden sich mit drei Metern Höhe. Begehrt für Osterdekorationen sind Zweige des Korkenzieherhasels, einer Mutation, welche um 1900 in England entdeckt wurde. Dank Pfropfung auf wilden Hasel konnte er beliebig vermehrt werden. Ein Tipp: Nach starkem Rückschnitt bildet er rasch wieder schöne verzwirbelte Äste.

Gartenkurs nach Ostern: 6-mal Dienstag 8.30 - 11.30 Uhr, vom 5 April bis 10. Mai.

Gartenpraxis Frühjahr und Sommer: 11-mal Mittwoch 8.30 - 11.30 Uhr, vom 6. April bis 15. Juni.

Details und Anmeldung: Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, Sissach, Telefon
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