Zweite Corona-Welle

Noch ist es ruhig in den Spitälern beider Basel – doch nicht mehr lange

Anfang April war die Intensivstation des Basler Unispitals wegen Corona besonders gefordert.

Anfang April war die Intensivstation des Basler Unispitals wegen Corona besonders gefordert.

In zwei Wochen werden auch das Basler Unispital und das Kantonsspital Baselland von der zweiten Corona-Welle eingeholt. Davon gehen die Kantone aus. Sie sind aber überzeugt, dass die Kapazitäten reichen. So soll das Bruderholz kein reines Covidspital mehr werden.

«Es ist fünf vor zwölf», warnte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an der gestrigen Corona-Pressekonferenz in Bern. Tatsächlich steigt die Zahl der positiv getesteten Personen in der Schweiz rapide. Das gilt auch für die beiden Basel. Auffallend tief bleibt bisher eine andere Zahl: jene der Hospitalisationen.

In Basel-Stadt werden derzeit neun Personen stationär behandelt, drei davon liegen auf der Intensivstation (IPS), zwei von ihnen müssen beatmet werden. In Baselland sind lediglich vier Coronafälle in Spitalbehandlung und niemand auf der IPS.

Acht Personen befänden sich am Kantonsspital Baselland (KSBL) zudem in Abklärung. Zum Vergleich: Anfang April in der Hochphase der ersten Coronawelle waren am Universitätsspital Basel (USB) 63 Personen in Spitalpflege, 18 davon auf der Intensivstation.

Bruderholz soll kein reines Coronaspital mehr werden

Ist das Coronavirus mittlerweile harmloser geworden? «Davon ist nicht auszugehen und es liegen keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, die dies bestätigen würden», sagt Rolf Wirz. Der Sprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) verweist auf die deutlich höhere Anzahl Tests als im Frühling. Zudem seien seit Juni weniger ältere und Risikopersonen unter den positiv Getesteten.

In Basel-Stadt hat man eine klare Erwartung: «Wir gehen davon aus, dass der aktuelle markante Anstieg an Neuinfektionen in rund zwei Wochen seine Spuren bei den Spitalkapazitäten hinterlassen wird», schreibt Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement. Dieses Muster habe sich während der ersten Welle abgezeichnet.

Die Ruhe trügt also

Von Panik sind die beiden Kantone wie auch KSBL und USB aber weit entfernt, wie sie gegenüber der bz beteuern. Sie zeigen sich überzeugt, aus der ersten Welle gelernt zu haben. KSBL-Sprecherin Anita Kuoni schreibt sogar: «Die Erfahrung aus dem Frühjahr hat gezeigt, dass wir mit dem geplanten Maximalausbau zu grosszügig gerechnet hatten.»

Rückblickend habe das Kantonsspital «keine Probleme» gehabt. Daher möchte man auch nicht mehr gleich vorgehen. Konkret soll das Covid-Referenzspital Bruderholz nicht mehr für Normalbehandlungen geschlossen werden. «Wir sind überzeugt, dass wir mit der Unterstützung der anderen Baselbieter Spitäler  Covid-19 im ‹normalen› Spitalsetting behandeln können», so Kuoni.

Auch dass es wieder ein Verbot der nicht-dringlichen Eingriffe gibt, glaubt Wirz nicht: «Es ist nicht davon auszugehen, dass dieses Szenario erneut eintritt», hält er fest. Er wie auch Tschudin sagen, ein Verbot von Wahleingriffen unbedingt vermeiden zu wollen.

Neu wollen beide Basel die IPS-Betten koordinieren

Die entscheidende Grösse für die Notfallplanung der Spitäler ist die Anzahl der IPS-Betten. Das KSBL folgt hier dem Auftrag des kantonalen Krisenstabs und hält zehn Betten bereit, acht davon mit Beatmungsgeräten. Das USB verfügt über 42 Intensivbetten – also weit mehr, als beim Peak im April nötig waren. Zudem sei ein zweiter Sauerstofftank eingebaut worden, um die Zahl der Beatmungsplätze zu erhöhen. Beide Spitäler und Kantone sagen aber, diese Kapazitäten wenn nötig noch steigern zu können. «Es ist weniger eine Frage der Kapazitäten, sondern der Priorisierung», sagt USB-Sprecher Nicolas Drechsler.

Auch die aktuelle Diskrepanz zwischen Stadt und Land soll kein Hindernis sein: «KSBL und USB haben den Auftrag, zusammen mit dem Claraspital ein Konzept zu erarbeiten, nach welchem die IPS-Kapazitäten in beiden Basel koordiniert belegt werden», so Wirz.

Kuoni vom KSBL gibt derweil einen Einblick, ab wann gemäss dem kantonalen Eskalationsplan weitere Massnahmen nötig werden: Wenn 30 der 50 für Coronapatienten reservierten Betten auf der Normalstation belegt sind. Zur Erinnerung: Der Höchstwert der ersten Welle wurde in Baselland am 29. März erreicht: 99 Personen lagen im Spital, 15 davon auf der Intensivstation.

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