Baselland
Noch nie wollten so viel Kandidaten nach Bern

Keine Piraten, keine Spass-Parteien oder kuriose Einzel-Kandidaturen: Die Baselbieter Parteienlandschaft zeigt sich vor den eidgenössischen Wahlen am 23. Oktober geordnet, brav und übersichtlich.

Bojan Stula
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Der Wahlkampf kann nun auch auf den Plakatwänden losgehen:

Der Wahlkampf kann nun auch auf den Plakatwänden losgehen:

bz Basellandschaftliche Zeitung

Zwar werden im Herbst so viele Parteilisten und Kandidaturen wie noch nie um Wählerstimmen buhlen. Doch brachte der gestrige Meldeschluss für Wahlvorschläge nichts, was nicht schon vorher im Wesentlichen bekannt gewesen wäre.

Frauenanteil etwas gesunken

Die Fakten sind: Nach 12 Listen mit 79 Kandidierenden im Jahr 2003 und 13 Listen mit 85 Kandidierenden 2007 sind es diesmal 14 Listen mit 97 Kandidierenden, die sich um die 7 Baselbieter Plätze im Nationalrat bewerben.

Listenverbindungen

Noch sind die gestern Abend veröffentlichten Wahllisten nicht definitiv. Die Landeskanzlei wird bis zum 5. September nachprüfen und die Listen nötigenfalls bereinigen. Ebenfalls bis zum 5. September können die Parteien nachmelden, mit wem sie Listenverbindungen eingehen wollen. Keine Überraschung wird das bereits angekündigte Zusammengehen von Grünen und SP sein, wie das schon 2007 der Fall war. Dem gegenüber steht die Allianz der Mitte-Parteien: Die Grünliberalen werden zusammen mit CVP, EVP und BDP in die Wahlen zu steigen. Die FDP, früher noch zusammen mit CVP und SVP im Boot, wird einzig mit den Jungfreisinnigen zusammenspannen. Auf Alleingang programmiert ist die SVP, die wegen der fehlenden bürgerlichen Unterstützung für Caspar Baaders Ständeratskandidatur auf irgendwelche Allianzen verzichtet.

29 Frauen und 68 Männer hegen mehr oder weniger grosse Hoffnungen, für die nächsten vier Jahre in die grosse Parlamentskammer einzuziehen. Somit ist der Frauenanteil wieder gesunken, nachdem 2007 noch 29 Frauen und 56 Männer kandidiert hatten.

Nur bei der CVP und den Grünen kandieren heuer mehr Frauen als Männer. Im Gegensatz dazu leisten sich die Jungfreisinnigen (JFDP) als Einzige den Anachronismus, ganz ohne Frauen anzutreten. Ebenso sind die JFDP die Einzigen ohne volle Siebener-Liste.

FDP ohne Bisherigen

Von den sieben Bisherigen hat einzig Hans Rudolf Gysin (FDP) auf die Möglichkeit der Wiederwahl verzichtet - dies nach der parteiinternen Auseinandersetzung rund um die Überraschungskandidatur von Medienanwalt Martin Wagner. Unmittelbare Folge davon ist das Handicap, dass die FDP ohne Bisherigen in den Wahlkampf steigen muss.

Die restlichen sechs Amtsinhaber - Susanne Leutenegger Oberholzer, Eric Nussbaumer (beide SP), Caspar Baader, Christian Miesch (beide SVP), Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) und Maya Graf (Grüne) - dürfen sich intakte Wiederwahlchancen ausrechnen. Baader und Schneider-Schneiter sind gleichzeitig im Ständeratswahlkampf als Herausforderer von Claude Janiak (SP) engagiert.

SVP ohne junge Liste

Erstmals mit dabei sind die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP), die Grünliberalen (GLP) und die Junge EVP; alle drei mit einer vollen Siebener-Liste.

Im Gegensatz zu vor vier Jahren haben die Junge SVP und die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) auf ihre Teilnahme verzichtet. Das ergibt unter dem Strich eine Wahlliste mehr als 2007.

Nur gerade die Frage nach den beiden Spitzenplätzen pro Liste birgt eine Spur Brisanz. Die FDP entschied sich offenbar für die alphabetische Reihenfolge, wodurch Stephanie Eymann Schneider (Eptingen) und Paul Hofer (Oberwil) die begehrten Listennummern 01 und 02 tragen dürfen.

10'000 Franken für den ersten GLP-Listenplatz

Die Grünen portieren hinter der Bisherigen Maya Graf den Landrat Klaus Kirchmayr (Aesch), der als erfolgreicher Wahladjutant von Regierungsrat Isaac Reber im Frühjahr für Aufsehen sorgte. Die CVP dagegen setzt auf den Bekanntheitsgrad der Laufner Stadtpräsidentin Brigitte Bos, um hinter Nationalrätin Schneider-Schneiter möglichst viele Stimmen zu sammeln.

Bei der GLP entschied unter anderem die Finanzkraft über die Listenplatzierung: 10 000 Franken musste der Liestaler Gerhard Schafroth für die oberste Namenszeile in die Parteikasse legen, Hans Furer (Bottmingen) 5000 Franken für den Zweiten. Die jüngste Spitzenkandidatin der etablierten Parteien ist die 26-jährige Birsfelder Landrätin Sara Fritz (EVP).