Nostalgie
Als der Schweizer Rap noch in den Kinderschuhen steckte: Gesammelte Perlen aus dem Video-Archiv

Als der Rap in den Achtzigerjahren in die Schweiz kam, war das Misstrauen gross. In Basel wurde rege über die Jugendkultur und den Mundart-Rap-Pionier Black Tiger diskutiert. Später stellte dieser dann einen Weltrekord auf.

Lea Meister
Drucken
Teilen

1983: Was ist eigentlich dieser komische «Rap»?

Im Jahr 1983 erklärte der junge Ueli Schmezer den SRF-Zuschauerinnen und -Zuschauern die Rap-Kultur und begann gleich selbst zu rappen. Ein Video, das bis heute Legendenstatus innehat:

Schmezer gab sich alle Mühe, den Zuschauern diesen neuartigen Rap zu erklären. Aus der Sendung «Hear We Go» vom 22.6.1983.

SRF Archiv

1989: Die Steinenvorstadt und ihr schlechter Ruf

Vor 32 Jahren hatte die Basler Steinenvorstadt einen schlechten Ruf. So kam es, dass die Jugendlichen mehr kulturellen Freiraum forderten. Mit Hip-Hop, Skateboardeinlagen und Musik machten sie auf ihr Anliegen aufmerksam. Ein Ausschnitt aus der Diskussion zwischen Jugendlichen und Behörden:

«Seismo Nachtschicht» vom 8.6.1989.

SRF Archiv

1992: «Ob sich Hip-Hop durchsetzen kann, bleibt abzuwarten»

Ein «Tagesschau»-Beitrag der Spätausgabe vom 20. April 1992 befasste sich mit der Hip-Hop-Szene, die «stark im Kommen war». Viele gingen jetzt auch eigene Wege und rappten auf Schweizerdeutsch. An den Partys am Wochenende sei ihnen nur die teuerste Kleidung gut genug. Ausserdem seien die Jugendlichen in der Szene maximal 20 Jahre alt. «Die ehemaligen Kellerkinder der Schweizer Musikszene wollen jetzt an das Licht der Öffentlichkeit», so der Journalist im Beitrag. Die Rapszene werde immer grösser. «Ob sich Hip-Hop durchsetzen kann, bleibt abzuwarten», so der kritische Schlusssatz des Beitrags:

Leicht kritisch beäugte dieser Beitrag der «Tagesschau» die Hip-Hop-Szene in der Schweiz (Ausschnitte).

SRF Archiv

1993: Black Tiger und Luana

In der «10 vor 10»-Sendung vom 9. März 1993 wurden Black Tiger (damals 21) und Luana (damals 25) porträtiert. Sie sprachen über Songs, die als Motivation dafür dienen können, mit dem Drogenkonsum aufzuhören und ganz allgemein umzudenken. Ihre Texte waren tiefgründig, griffen Themen wie Drogen und Rassismus auf und begeisterten die jungen Massen:

2001: Black Tiger im ausführlichen Interview

Black Tiger war zu diesem Zeitpunkt seit fast 15 Jahren Teil der Hip-Hop-Szene. 1991 brachte er mit «Murder by Dialect» den ersten schweizerdeutschen Rap-Track heraus und wird heute noch als Pionier des Mundartraps gefeiert. Im Interview spricht er über die Veränderungen seit 1991, die begrenzten Möglichkeiten einer kleinen Szene und die Diskussion rund um Kommerz- und Untergrund-Rap:

«Es braucht wieder mehr Individualisten in der Szene», sagte Black Tiger damals im Interview in der Sendung «Oops» vom 7.11.2001 (Ausschnitte).

SRF-Archiv

2013: Eine Stadt, ein Song

22 Jahre nach seinem ersten Rap-Track auf Baseldeutsch lancierte Black Tiger das Projekt «1 City 1 Song»: 147 Rapperinnen und Rapper, 11 Produzenten und 7 DJs aus Basel und der Region waren an diesem Song beteiligt. Gerappt wird auf 10 verschiedene Sprachen: Albanisch, Baseldeutsch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Swahili und Türkisch. Premiere feierte das Lied am 19. Oktober 2012 im «Black Music Special» auf DRS 3. Mit einer Dauer von 83 Minuten ist «1 City 1 Song» der längste Rap-Song der Welt und wurde im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet:

«1 City 1 Song»: 83 Minuten, 147 Rapperinnen und Rapper, 11 Produzenten und 7 DJs aus Basel.

Youtube/
1City1Song
Zwei Szenekenner des Basler Rap-Universums im Interview mit der bz:
Welche zehn Mundart-Rap-Platten Sie kennen sollten. Und wie sich der Hip-Hop in der Schweiz weiterentwickelt:

Aktuelle Nachrichten